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Wir sind doch alle ein hässliches Entlein

Ich weiß nicht, wie es überhaupt kam, dass mein Ei im Nest der Frau Ente gelandet war. Meine Eltern müssen wohl verstorben gewesen sein und jemand brachte mich – vielleicht sie selbst noch vor ihrem seligen Ende, vielleicht die Hand des Schicksals – in dieses Nest, in dem bereits die anderen Eier lagen und bebrütet wurden. Mein Ei war größer als die anderen, aber das schien nicht weiter aufzufallen. Oder es war vielleicht gleichgültig. Vielleicht dachte Frau Ente, die nun also meine Stiefmutter werden sollte, auch nicht weiter darüber nach. Ei ist Ei und ganz einerlei. Etwa so könnte es gewesen sein.

Ich bin dann etwas zu spät geschlüpft. Das war schon der erste Fehler. Wenn man zu spät auf die Welt kommt, später jedenfalls als alle anderen, dann stimmt mit einem schon etwas nicht und dann kann es nur so sein, dass es weitere Fehler gibt. Langsamkeit ist der erste und er fordert immer die Geduld der Anderen heraus, den Langmut. Aber da muss auch erst mal Geduld und Langmut abzuholen sein, anstelle des Gefühls, des Brütens und Wartens schon lange überdrüssig zu sein. Und ich weiß, dass der schlechte Samen im Herzen meiner Stiefmutter ja auch schon gelegt gewesen war. Ich hätte ein Truthahn sein können, hat man sie vor mir gewarnt, während ich einfach nicht  schlüpfen zu wollen schien. Eigentlich vor der Form meines Eies hatte man sie gewarnt. Da hatte man von mir noch gar nichts zu sehen bekommen. Aber das Misstrauen war schon gesät, dass das, was aus diesem Ei herauskäme, vielleicht der Mutter nicht zu Ruhm und Ehre gereichen würde. An mir würde ihr ramponiertes Selbstbewusstsein nicht gesunden können. Und es war ramponiert, ihr Selbstbewusstsein, weil weder der Vater der restlichen Brut sich zur Liebesbezeugung herablassen wollte, indem er die Mutter seiner Kinder wenigstens einmal besucht hätte, noch die anderen Enten bereit waren, der Mutter während der langen Zeit des Wartens beizustehen. Wer kam, waren, wie gewöhnlich, nur die, deren Leben so inhaltsleer und langweilig war, dass ihnen ein wenig Sensationsfutter gerade Recht war, getarnt unter dem Anschein der Anteilnahme. Man kennt das. Frau Ente beherrschte jedenfalls nicht die Kunst, sich aus sich selbst heraus wertvoll zu fühlen. So lauschte sie zunächst bangen Herzens auf die Schläge des erteilten Rates der herablassenden Besucherin und es mussten später dann ihre Kinder herhalten und im Entenhof an ihrer Stelle eine gute Figur machen. Wir wurden unterwiesen und erzogen und gestutzt und geschubst und uns muss wohl unbewusst klar gewesen sein, dass Mutters Liebe nicht bedingungslos zu haben war, denn wir passten uns alle vorbildlich an, so dass Mutter ihr Lob über uns erhalten konnte, wie sie es sich so dringend wünschte. Ich konnte ihren Selbstwert da allerdings nicht mehren. Auf mich entfiel kein Lob. Ich passte einfach nicht. Sie sagten, ich sei gänzlich entstellt, viel zu groß und wie ich so da stand, immerzu in falscher Pose. Und ich hatte ja auch mit dem Schlüpfen schon so lange gebraucht. Glücklicherweise schwamm ich und das überzeugte die, die ich für meine Mutter hielt, dass ich zumindest mal kein Truthahn sei, mit dem man seine liebe Not haben würde, ihn aufzuziehen. Ein Truthahn, hatte man ihr gesagt, würde nie schwimmen. Nie! Man stelle sich für eine Frau, wie meine Stiefmutter es war, die Schmach vor. Einen nichtschwimmenden Truthahn hätte sie nicht akzeptieren können. Wie sollte ein Truthahn bei ihr kompensieren, was bei ihr an so tief empfundenem Mangel vorlag?

Aber ich schwamm ja immerhin und sie musste sogar zugeben, dass ich ein wenig besser noch schwamm als meine Geschwister. Irgendwie etwas geschickter. Das machte zwar nicht wett, dass ich ganz einfach zu groß und zu hässlich war, aber sie versuchte sich zeitweise in der Illusionbildung, man könne eine Perspektive auf mich einnehmen, aus der heraus ich vielleicht doch als ganz hübsch gelten könnte.

Die Illusion aber hielt nicht. Diese graue Farbe meines Gefieders! Entsetzlich!, so das Urteil der Umwelt über mich. Und dann war ich in allem so überempfindlich. Wenn sie mich zankten und hackten und quälten, flossen bei mir sofort die Tränen. Wieso war überhaupt auch immer er das Opfer?, fragte meine Stiefmutter sich, aber mehr Fragen stellte sie sich nicht. Ich war eben immer das Opfer. Das war ja von Anfang an so gewesen. Mir ging eben immer alles viel zu nahe. Ich konnte eben nie einfach mal was wegstecken und gut sein lassen. Und da ich nicht schwach und klein und zart war, sondern nur sonderbar, regte sich im Herzen meiner Stiefmutter auch nicht jenes Gefühl, das man manchmal von gutherzigen Müttern kennt, die das schwächste Kind ihrer Brut immer ein klein wenig bevorzugen. Ich galt nicht als das schwächste Kind, sondern nur als anstrengend. Man hätte mich umarbeiten wollen, hieß es im Entenhof, aber da hatte man immerhin genug Klarsicht, zu erkennen, dass das nicht möglich war. Ich war, wie ich war, eben schon so geboren und man hoffte noch auf die Zeit und dass sie dazu beitragen würde, die Sonderlichkeiten zu löschen, mich etwas kleiner und etwas weniger grau zu machen. Mir wurde immerhin ein gutes Gemüt bescheinigt. Und das stimmte und wurde zum Manko zugleich, denn mit diesem guten Gemüt kam ich gar nicht dazu, mich zu wehren, auch wenn ich mich über die Grässlichkeiten beklagte.

So geht es eben zu in der Welt, das war Mutters Glaubenssatz und den hatte sie uns schon gelehrt, als wir gerade den Entenhof betraten und diese beiden Familien sich um den Aalkopf stritten. So geht es eben zu in der Welt. Da kann man nichts machen. Und sie lehrte uns die Wohlanständigkeit, den Hals zu neigen vor den Alten und die Füße hübsch auswärts zu stellen und “Rapp” zu sagen und uns auf alle Fälle vor der Katze in Acht zu nehmen, damit wir mit dem, wie es in der Welt zuging, zurechtkommen würden und uns niemand trete. Nicht auffallen, nicht aus der Reihe tanzen, keine Grenzen überschreiten und nicht von Größerem träumen. Das Feld des Pfarrers hielt Mutter für das Ende der Welt und dort war sie noch nie gewesen. Und so beschränkte sich ihr Verstand darauf, den anderen zu sagen, sie sollten mich in Frieden lassen, weil ich schließlich niemandem etwas zu Leide täte. Zu mehr war er nicht nütze. Und es beschränkte sich der Verstand der anderen Enten, die ebenso wenig über das Feld des Pfarrers hinausgekommen sein mögen, darauf zu behaupten, ich sei aber nunmal zu groß und ungewöhnlich und gehörte daher gebissen. Es blieb beim Stoßen und Beißen und Auslachen und immer ging es darum, dass ich nirgends hin passte, nicht zu den Enten und nicht zu den Hühnern und dann auch nicht gut gelitten war unter den Menschen, die uns fütterten. Auch nicht bei den wilden Enten. Alles wegen meiner Ungewöhnlichkeit.

Die Wildgänse, naja, die wären immerhin bereit gewesen, über mein graues Gefieder hinwegzusehen. Die hatten manches Andere in ihren Köpfen und Herzen, sahen mehr von der Welt und stellten auch eine Ähnlichkeit im Grau des Gefieders fest. Sie hatten andere Moore gesehen und dann waren sie auch noch Zugvögel und sahen wirklich das andere Ende der Welt. Aber mit ihnen kam es nicht soweit, dass sie ihre bereits ausgesprochene Einladung auch wirklich hätten ausführen können. Das Herz des Tiermörders ist immer noch enger als das der engherzigsten Enten. Die Wildenten wurden alle dahingerafft, während der assistierende Hund mit mir nichts anfangen konnte. Ich war nicht das, worauf er dressiert worden war, es heranzubringen. Also blieb ich verschont. Dank meiner Andersartigkeit von den Graugänsen, die mich zwar für hässlich hielten, aber doch irgendwie für gleichwürdig. Der abgerichtete Hund sah es nicht so. Er hielt mich nur für andersartig und nicht für würdig, mich seinem Herrn zu bringen.

Es war auch weiter meine Hässlichkeit, weißt du, mein Unnützsein auch, das mich auch in der Hütte der alten Frau nicht ankommen ließ. Ich legte keine Eier und ich konnte nicht schnurren, keinen Buckel machen und keine Funken sprühen und sie sagten mir, vom Leben und von der Welt hätte ich keine Ahnung. Nicht so wie sie jedenfalls. Die einzigen, die das Leben verstanden, waren scheinbar sie: Henne, Kater und die alte Frau. Wenn ich vom Wasser sprach, erklärten sie mich für verrückt und das käme nur daher, weil ich nichts zu tun hätte. Wenn ich von Freude und Spaß sprach, sagten sie, würde ich, wie anständige Leute, arbeiten, Eier legen, einen Buckel machen und was auch immer die alte Frau zu tun hatte, dann kämen mir solche Albernheiten wie hinuntertauchen zu wollen gar nicht in den Sinn. Solche unangenehmen, ja schrecklichen Albernheiten, sagten sie mir. Unangenehm, schrecklich und töricht, sagten sie. Und wenn ich von Freiheit sprach, sagten sie, solange ich nichts zur Mehrung des profanen Reichtums im Hause beizutragen hätte, möge ich doch bitte schweigen. Ich sei ein Schwätzer, sagte man mir. Vielleicht hätte ich sie mir zum Vorbild nehmen wollen, denn immerhin hatten sie ihr Auskommen, ein Dach über dem Kopf, Futter im Napf und sie waren offenbar auch gänzlich zufrieden, aber es gelang mir nicht. Ich kam nicht mit ihnen überein. Ich konnte mich nicht mal verständlich machen, was das Vergnügen anging, das Wasser über dem Kopf zusammenschlagen zu lassen. Wer sollte mich denn verstehen können?, fragten sie mich, ich wolle mir doch wohl nicht einbilden, klüger zu sein als Henne, Kater und alte Frau, und dass sie mich deshalb nicht verstünden. Was ich lernen sollte, war, dass man wahre Freunde daran erkenne, dass sie einem Unannehmlichkeiten sagten. Also hatte ich wohl viele Freunde und mit ihnen innige Freundschaften und hätte mich darum glücklich schätzen sollen, denn ich erfuhr viele Unannehmlichkeiten. Aber mich zog es hinaus aus den vielen Freundschaften.

Julia

Als ich die Schwäne zum ersten Mal sah, das war noch im Herbst gewesen, als die anderen Tiere mich weiter mieden, befiel mich etwas, das nicht von mir kam und doch in mir zu wohnen schien. Ich konnte es überhaupt nicht packen. Es war wie ein Gefühl. Man könnte es wohl Schablone nennen oder Ahnung oder Sehnsucht. Hätte man es Wissen nennen können? Ich weiß es nicht. Ich sah die Vögel und ich hielt meinen Schnabel in ihren Duft und meine Ohren in ihren Ton und in mir hallte alles wider, was von ihnen kam. Alles versetzte mich in eine Schwingung, die ich vorher noch nicht gekannt hatte. Ich war wie ein Musikinstrument unter anderen Musikinstrumenten und es schien mir, als habe ihr Ton etwas mit meinem Ton zu tun, ihre Melodie mit meiner und ihr Duft mit meinem Duft. Die Schönheit dieser Vögel… Aber sie sprachen mich nicht an. Vermutlich hatten sie mich gar nicht wahrgenommen. Sie erhoben sich aus dem Wasser und flogen davon, flogen in andere Länder. Auch sie waren Zugvögel, aber sie luden mich nicht ein, mit ihnen zu fliegen.

Ach, was es mit den Mustern auf sich hat, die wir einmal aufgenommen haben und die sich festgesetzt haben unter dem Gefieder, tief in der Brust und ganz in unser Herz, wo die Risse sitzen und uns Angst machen. Wie konnte ich nur denken, mit solchen Vögeln zu tun haben zu können, schalt ich mich. Als der Bauer mich aus dem Eis gerettet und zu seiner Familie nach Hause gebracht hatte, sah ich dann auch noch überall Gefahr. Die Kinder wollten nur spielen, aber ich wähnte mich in Lebensgefahr und in meiner Angst fuhr ich in den Milchtopf und meinte es gar nicht böse. Ich stellte noch allerlei an und verursachte ein schreckliches Chaos und wurde zum Ärgernis und zum Zankapfel, bis ich wieder das Weite suchte und hinaus floh zurück in den Winter. Alleine würde ich besser überleben, sagte ich mir. Und hatte mir das Leben bisher nicht mehr als bewiesen, dass ich in Wahrheit ganz alleine war auf der Welt? Dass nichts Gutes erwuchs aus Beziehungen und dass es so etwas wie Liebe und Wärme nunmal wahrhaftig nicht gab? Nicht für mich jedenfalls? Nicht für einen, der so ganz anders war als die anderen Enten und die Katzen und Hühner und Gänse? Das war es, was ich nun also glaubte. Und ich hatte keinen Grund, etwas anderes zu glauben, als dass ich hässlich war und die Welt ein schlechter und gefährlicher Ort. Der Winter in mir war tief und kalt.

Und dann kam der Frühling. Der Frühling kam und mit ihm kamen Kräfte in meine Flügel, die vorher nicht da gewesen waren. Ich hatte nichts dazu tun müssen. Sie hatten sich einfach gebildet und ich fühlte sie neu, diese Kräfte. Ich hatte nur zu probieren, wozu sie gut waren. Und sie waren zum Fliegen. Sie waren, um meinen grauen hässlichen Körper in die Luft zu schwingen und diesen Ort der Enten und Hühner und Katzen und Gänse zu verlassen. Dazu diente die Kraft. Das, was war, hinter mir zu lassen. Ich flog in einen anderen Garten, jener Garten vielleicht, von dem Stiefmutter Ente gesprochen hatte, dass sie ihn nie gesehen habe.

Es kam der Frühling und ich starb. Es starb das hässliche Entlein, als ich die prächtigen Schwäne sah und bereit war, mich ihrem Urteil und dem Todesstoß zu ergeben. Es starb das hässliche Grau und das Schwarz. Etwas in mir sagte, von ihren Hieben zu sterben sei besser für mich, als länger von den Enten gequält zu werden. Etwas in mir sagte, die Kindheit müsse jetzt vorbei sein, die Muster der Kindheit müssten jetzt gelöst werden und ich forderte ihren Todesstoß und erwartete ihn und begab mich innerlich hinein in das tiefe Dunkel, den Tod. Und es starb alles Grau und alles Schwarz, als ich den Kopf neigte und mich mir selbst ergab. Es starb die Zeit der Hässlichkeit, die Zeit der Qual und es wurde geboren die Schönheit und der, der ich wirklich war. Der Spiegel des Wassers ließ mich erwachen. Es sind immer die Spiegel, die uns zeigen, wer wir sind. Sie zeigen die Schatten, wenn wir nah an den Schatten leben und sie zeigen das Licht, wenn wir uns dem Licht nähern. Aber die Spiegel sind dennoch auch tückisch. Denn eine Ente kann dennoch nichts weiter als das zurückspiegeln, was zu ihrer Entenperspektive gehört solange das, was zu spiegeln wäre, nur ganz unterschwellig erst sichtbar ist, mehr fühlbar nur, mehr nur dem intuitiven Ahnen erst zugänglich. Dann hält sie den Spiegel gerade so geneigt, wie es ihrem Blick entspricht. Mit dem Filter des Entenblicks sieht sie das Gegenüber eben als Ente, das Grau als nicht gelungen für eine Ente, den Körper zu groß für eine Ente, das Betragen als zu sensibel für eine Ente. Sie also sucht und sieht nichts weiter als die Ente, denn sie spiegelt ja auch sich selbst in der Welt und will sich gespiegelt sehen. Und so erweisen sich die meisten Spiegel doch als unzuverlässige Erzähler, jeder Spiegel auf seine Art.

Es brauchte andere Spiegel, um mir zu zeigen, dass ich es selbst war, der war, wie die Schwäne. Ich war selbst ein Schwan. Meine Sehnsucht hatte bereits davon gesprochen, aber nicht mein Denken, nicht mein Wissen, nicht meine Erfahrung und was ich gelernt hatte. Das, wonach wir uns sehnen, hat mit uns zu tun. Aber mein Verstand war nicht dort, um dem zu lauschen, worüber die Sehnsucht sprach. Mein Gewahrsein ging nicht über das Nest hinaus, in dem ich unter Enteneiern gelegen hatte und geboren wurde in die Welt der Enten hinein und als Ente angesehen und behandelt wurde. Als ungewöhnliche Ente. Als falsch geratene Ente. Als Ente, die einer Ente nicht würdig war. Aber hier ist die Wahrheit, hier ist, wofür das Dunkle in unserem Leben gut ist: Es lässt uns das Licht wahrhaft sehen. Wäre ich immer Schwan gewesen, wäre ich ein wundervolles Wesen gewesen, wohl gelitten und geliebt unter Meinesgleichen. Ich hätte keine Erfahrung gemacht, die mich lehrt, dass ich selbst zu sein, Stärke braucht. Ich hätte es nicht alleine in Erfahrung bringen können, sondern es wäre mir gesagt worden. Ich hätte meine Lehrer gehabt, mit ihren Filtern und ihren Ansichten und ihren Perspektiven und hätte nicht hineinfinden können aus eigener Kraft, hätte nicht die Magie erleben können, die darin steckt, selbst zu entdecken und zu sagen, wer ich in Wahrheit bin. In der eigenen Stimme aber, die in mir spricht, liegt die wahre magische Kraft des wahren Lehrers. Und so schaute ich in den Spiegel und das Leben teilte sich in zwei. Vor dem Spiegel und hinter dem Spiegel. Und alles, was vor dem Spiegel war, blieb in mir als Erfahrung und wurde zu Weisheit und zu meiner Größe. Und es diente dem, was hinter dem Spiegel war, mich zu voller Größe aufzuschwingen, mich zu entfalten, das Licht zu befreien vor der Kulisse der Dunkelheit in mir.

Mein Glück über all die Herzlichkeit, nannte ich es, das ich jetzt empfinden konnte. Das Glück, das in jenem Gefälle liegt, das zwischen Dunkelheit und Licht herrscht. Nur im Wechsel der Ebenen entsteht eine Bewegung die funkensprühend Energie freisetzt. Nur einem Kenner der Ebenen fällt es nicht ein, Stolz und Hochmut in sein Herz einkehren zu lassen, wenn er die lichtvolle Ebene erreicht hat. Aber ein Kenner von beidem kann den Weg weisen und sogar bereiten. Würde ich einem hässlichen Entlein wie mir begegnen, würde ich es Geduld lehren können und Zuversicht und Glauben und Hoffnung und Liebe. Und dann Sehen. Ich könnte jetzt ein Spiegel sein, der im hässlichen Entlein die Not erkennt, aber auch bereits den Kern der Schönheit und dann könnte ich zu ihm sprechen über das, was ich sehe und was zu sehen anderen noch nicht möglich ist, aber mir, der ich beides in mir leben habe: das hässliche Entlein und was aus ihm werden wird. Und ich kann das Hässliche lieben und Mitgefühl haben, weil ich die Erfahrung gemacht habe, wie es sich anfühlt, nicht geliebt zu werden. Ich kann das Hässliche lieben, weil ich es als die gleiche Illusion erkenne, wie die Schönheit es ist. Und ich kann lächelnd eine zukunftsgewisse Vorausdeutung in die Erzählung des nächsten hässlichen Entleins hineinsetzen und auf die Art das innere Wasser beruhigen. Denn nur im ruhigen Wasser sehen wir, was wirklich ist. Nur das ruhige Wasser wird zum zuverlässigen Spiegel, im Innen und im Außen. Hässliche Entlein, also würde ich jetzt sagen, müssen Sorgfalt darauf verwenden, die richtigen Spiegel zu befragen und die richtigen Spiegel finden sich ein mit der Zeit, die die Heide vom Grau ins Violett kleidet.

Über die Autorin:

Die Märchenbearbeitung wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 14. Juli 2017 in Märchenhelden im Schreibspiel

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