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Nummer 19: Dornröschen

Eine Märchenmeditation

Übersicht der Märchen im siebten Dreieck 
zum Thema Souveränität und Autorität

Titelbild: Annette Greiner

Sich selbst erfüllende Prophezeiung

Dornröschen ist ein Märchen des Passivpols, und zwar im siebten Dreieck, dem Dreieck der Vollendung und der letztendlichen Selbstverwirklichung. Der erste Satz des Märchens erzählt von der dazugehörigen Urangst und deren Angstmerkmal, das sich hier allerdings im Aktivpol zeigt. Der Kinderwunsch steht hier für die Selbstverwirklichung, die im Gewahrsein des Königspaares ungerechtfertigterweise ausbleibt. König und Königin wollen einen Teil ihres Selbstes, einen Teil ihrer Essenz in die Welt bringen und sie dort lebendig erfahrbar verwirklichen und weltwirksam werden lassen. So sprechen sie „jeden Tag“, sprechen ungeduldig, wünschen und sehnen die Gelegenheit zu ihrem Wirksamwerden in der Welt angstvoll herbei. Ihre Angst aber, sie könnten kinderlos bleiben und ihre Selbstverwirklichung versäumen, bestätigt sich: „und kriegten immer keins.“

In manchen Märchendeutungen wird der Frosch nicht als Bote oder Prophet angesehen, sondern als Nachwuchsproduzent. Das hat insofern eine Logik, als in einer rein materialistischen Sichtweise nur dasjenige an Zukunft vorausgesagt werden kann, was von einem selbst herbeigeführt wird. In dieser Sichtweise könnte der Frosch also nur deshalb eine zukunftsgewisse Voraussage tätigen, weil er selbst für die Umstände dieser Zukunft gesorgt hat. Im Märchen allerdings ist die magische Sichtweise noch integraler Bestandteile eines gesunden, weil vollständigen Bewusstseins und der Frosch darf reiner Prophet sein. Seine Prophezeiung erfüllt die Funktion, die dem Stilmittel der zukunftsgewissen Vorausdeutung auch in der Literatur zukommt: Sie reduziert die Spannung. Was in der Literatur nicht immer gewünscht ist, ist in einem Lebenskontext, in dem angstvolle Anspannung und Ungeduld vorherrschen, Verwirklichung reinen Mitgefühls. Solcher Art Freunde könnten manche von uns dringend brauchen, die vor Ungewissheit und Hoffnungslosigkeit in einen der beiden Schattenpole Lethargie oder Hyperaktivität abzugleiten drohen. In die Gewissheit von „ehe ein Jahr vergeht“ kann das Königspaar sich entspannen, kann loslassen und kann dem Schicksal die Freiheit geben, sich in seiner Zeit zu erfüllen. Loslassen heißt: sich der Transzendenz übergeben statt in und an der Immanenz festhalten und Dinge darin erzwingen zu wollen. Die Zeitangabe macht außerdem klar, dass nicht der Frosch der Vater der Zukunft ist, denn dann hätte die Zeitangabe kürzer als „ehe ein Jahr vergeht“ lauten müssen und der Prophet hätte womöglich davon gesprochen, dass die Königin bereits guter Hoffnung sei. Nein, es geht um die Entspannung, um das Loslassen, das die Zeugungs- und Empfängnisfähigkeit des Paares erst zu aktivieren vermag, was die vorherige Anspannung gerade verhindert hatte.

Licht in die Welt

Wenn die Geburt eines Kindes als Verwirklichung des höheren Selbst und der Seele gedacht wird – und nicht als Kompensationsbemühung gegen die innere Leere, die Sinnlosigkeit und die Einsamkeit – dann ist die Freude ein zwangsläufiges Ergebnis a) aus der Vereinigung aus Yin und Yang und der Fruchtbarmachung der Polarität und b) eine Reaktion darauf, dass ein Seelenaspekt, der immer ein Aspekt der Freude und der Schönheit ist, ins Bewusstsein der Persönlichkeit geholt wurde und sich nun in der Welt verwirklichen kann. Eine derartige Bereicherung des eigenen Seins durch einen Teil der Essenz sollte auch gefeiert werden, mit allen Sinnen oder mit einem großen Fest.

Verbindung zweier Welten

Verwandte, Freunde und Bekannte werden eingeladen, um das Kind auf Herzebene in der Welt zu verankern. Der in die Welt geholte Seelenaspekt soll sich dort mitfühlend einbringen können. Von ihm soll die Welt erfahren, damit sie ihrerseits mit ihm in Kontakt gehen kann. Zugleich aber soll der in die Welt geholte Seelenaspekt, der von dem neugeborenen Kind repräsentiert wird, seinerseits die Welt erfahren, wie auch sich selbst in der Welt. Sein Mitgefühl und seine empathischen und sensitiven Fähigkeiten basieren auf seinen persönlichen Erfahrungen mit der Welt, auf seinem eigenen Erleben der Menschen und auch auf deren Geschichten und Berichten, denen zu lauschen wir Bildung nennen, Herzensbildung, und die einen wichtigen Teil unserer Empathiefähigkeit ausmachen.

Die weisen Frauen werden dagegen eingeladen, um das Kind auch mit den höheren Sphären verbunden zu halten (aus denen es ursprünglich kommt). Der kluge König unternimmt es selbst, sein Kind mit beiden Sphären zu verbinden, der menschlichen und der mehr-als-menschlichen Welt, der Immanenz und der Transzendenz. Es sind weibliche weise Wesen, weil die Intuition eine weibliche Qualität ist (die in beiden Geschlechtern vorzufinden ist natürlich), über die der Zugang zum höheren Selbst, als Teil der gesamten geistigen Welt, aufrechterhalten wird. 

Das Kind oder der in die Welt gebrachte Seelenaspekt soll also in der Lage sein, die Menschen gut genug zu kennen, um empathisch und sensitiv durch die Phänomene des Lebens, also durch die Form hindurch zu sehen, und es soll aus seiner Verbindung mit der höheren Intelligenz heraus medial über die Phänomene und die Form hinausblicken können. Für ein Kind mag das eine beigegebene Hoffnung sein. Einem bewusst und erlebbar gemachten Seelenaspekt ist beides, Sensitivität und Medialität, inhärent. Ein Seelenaspekt, den wir als charismatische Eigenschaft oder als spirituelle Fähigkeit erleben, siedelt sich in der Dreiecksspitze des jeweiligen Themen-Dreiecks an. Medialität gehört natürlicherweise zu seinem Wesen, das seinerseits den Kanal der Intuition in den sieben Yin-Aspekten Ermutigung, Präsenz, Wertschätzung, Mitgefühl, Akzeptanz, Achtsamkeit und Freiheit speist und über diesen Weg auf die Persönlichkeit einwirkt. Die Textstelle korrekt auf das Dreieck aufgeteilt müsste so aussehen, dass nur das Verb „einladen“ und die Motivation der Einladung auf der Yang-Seite stehen, die eingeladenen Objekte sich aber auf die Yin-Seite und die Dreiecksspitze verteilen.

Die Freiheit fehlt

Die dreizehnte Fee wird nicht eingeladen. Sie kann nicht genährt werden. Wenn die Zahl 12 für die zwölf Urprinzipien des Lebens steht, wie wir sie als Lebensqualitäten, als Planetenzuordnungen oder als Sternzeichen kennen, dann steht die Zahl 13 für die alles verbindende und alles überwindende Freiheit, die absolute Liebe. Die Hindus denken sich diese Freiheit als ein Sein, in dem die immerwährende Freude und Glückseligkeit um das Wissen und die Bewusstheit aus der Erfahrung aller Inkarnationen ergänzt wird. Sie steht für die Liebe am Ende des Inkarnationszyklus, für die Weisheit, die alles gesehen, erlebt, erfahren hat und die nun liebt, nicht mehr ohne zu wissen, sondern die alles liebt und lassen kann, wie es ist, obwohl und weil sie gesehen, gelebt, geliebt und gelitten hat. Es ist die absolute Liebe, die nun wahrhaft bedingungslos akzeptieren, annehmen und gelten lassen kann, weil sie die Bedingungen, die ebenso gut fesseln und knebeln und versklaven können, kennt. Sie hat jederzeit Zugriff auf alle Seiten der Polarität und der Dualität. Wenn sie sich für Frieden entscheidet, entscheidet sie es, weil sie es so will, während sie die Wahl hätte, auch anders zu entscheiden. Sie entscheidet sich für die Liebe, weil es das Richtige ist, nicht, weil sie dazu gezwungen wäre und nicht anders kann. Es ist die Freiheit, die Yin-Qualität im Dreieck der Selbstverwirklichung, dem siebten Dreieck, die hier mit der 13. Fee ausgeladen wurde. Es ist die künstlerische Yin-Kraft gegenüber der männlichen Schöpferkraft in diesem Dreieck. Die Yang-Schöpferkraft wird der mythischen Numerologie nach von der Zahl 10 repräsentiert, die Weisheit von der Zahl 12 und die Yin-Künstlerschaft, die Kraft der freien Wahl und der Gestaltung dessen, was die Yang-Kraft hervorgebracht hat, von der Zahl 13.

Eingeladen wird also durchaus die Weisheit, vor allem aber der männliche Geist in ihr, aber übergangen wird der weibliche Geist der Vollendung und Vollkommenheit. Von der Selbstevolution mag man noch denken, dass sie absolut jedem zusteht und niemand an ihr gehindert werden darf, dass Freiheit das Grundprinzip der mentalen und spirituellen Evolution der Menschheit sein müsste, aber diese Haltung stört alle ökonomischen Interessen empfindlich, die bisher auf Machtstrukturen von Über- und Unterordnung, auf Ausbeutung und Unfreiheit basierten und nach Meinung der Machtinhaber auch basieren mussten und müssen. Freiheitliche Alternativen sind bis heute undenkbar, selbst wenn die Welt es immerhin geschafft hat, die offensichtliche Sklaverei abzuschaffen. Die verdeckte Sklaverei hält sie weiter aufrecht, unter anderem in der Ausbeutung der Ressourcen der Erde, aber auch der Tiere und der Menschen darin. Die dreizehnte Fee kann nicht eingeladen werden, weil es vermeintlich nicht anders geht, man hat ja nur zwölf Teller. Man hat nicht genug. Von wem sollte die Arbeit getan werden, wenn man den Menschen per bedingungslosem Grundeinkommen oder per ausreichend hohem Lohn, so dass sie Ersparnisse bilden könnten, äußere Freiheit gewähren würde? Es herrscht also ein unüberbrückbarer Materialmangel und so bleibt die Freiheit nun also zwangsläufig zu Hause, bitteschön. Die dreizehnte Fee kann nicht geladen werden. So weit ist die Welt einfach noch nicht, die Freiheit an ihren Tisch zu bitten. Und weil sie zuhause bleibt und keinen Teller erhält, wird sie auch weiterhin nicht genährt, diese absolute, auf Freiheit basierende alles umfassende Liebe in der Welt. Sie wird nicht genährt und wenn sie nicht genährt wird, wird auch weiterhin nicht wirksam, um ihrerseits zu nähren.

Wenn nun also das Kind mit allen spirituellen Gaben beschenkt wird, so wird doch in Kauf genommen, dass die letzte Gabe, die der Freiheit und absoluten Bedingungslosigkeit in dieser Welt noch nicht zu seinen Gaben gehören kann oder soll. Es ist der zwölfte Wunsch, der Wunsch aus der Feder der Weisheit, der Gegensatzvereinigung im Wesen der Komplementarität, der noch nicht gesprochen wurde, als die dreizehnte Fee auftritt und rachedürstend ihre Abwesenheit reklamiert. 

Die dreizehnte Fee erscheint auf dem Fest nun aus dem Schatten heraus, in den sie verdrängt wurde. Ihre Kraft wurde pervertiert, wie es mit jeder zurückgewiesenen Kraft geschieht. Hochmut, Gier, Eifersucht, Neid, Wut und Beweiszwang sind die pervertierten Kräfte enttäuschter Liebe und versagter Wertschätzung (in der Kindheit). Die dreizehnte Fee nun tritt im Pol der Unduldsamkeit auf, dem unerlösten Schatten der Freiheit, der erzwingen und knechten will. Sie will zerstörerische Rache. Sie will Rache dafür, dass sie vom Leben ausgeschlossen wurde, sie, die Freiheit, und schickt nun den soeben lebendig gemachten Seelenanteil, das Kind, in die größtmögliche Unfreiheit, den völligen Stillstand an Leben, den Tod.

Die einzige Wahl, die die 12. Fee, die Repräsentantin der Weisheit dieser Perversion der Kräfte gegenüber hat, ist die, wiederum die Polarität ausgleichend einzusetzen. Die Fee Nummer zwölf kann darum den Fluch nicht aufheben, weil sie dann dem Gesetz der Akzeptanz, auf dem sie, die Weisheit basiert, und wiederum dem Gesetz der Freiheit, widersprechen würde. Sie hat nur die Möglichkeit, den Fluch zu gestalten, um das relative Gleichgewicht der polaren Kräfte, für das sie zuständig ist, wieder herzustellen. Sie wandelt den Tod seinem eigentlichen Wesen der Stille des Nichtinkarniertseins gemäß, ohne ihn aufzuheben, und verwandelt Unfreiheit und Stillstand in Schlaf, dessen Stille ihrerseits eine durchaus wachstumsfördernde Komponente hat. Dem Stillstand setzt die Weisheit das Heilungs- und Wachstumspotenzial der Stille entgegen, in der Selbstbesinnung möglich ist.

Entelechie und Geistöffnung

Ein Bühnenwechsel hin zum Leben mit den Schicksalsgesetzen. Das Schicksal lässt sich nicht manipulieren oder aufhalten. Zu Beginn des Märchens macht das Königspaar die Erfahrung, dass das Schicksal sich nicht drängen und erzwingen lässt, auch wenn sie ihren Kinderwunsch jeden Tag aussprechen. Am Schluss des Märchens werden alle Prinzen die gleiche Erfahrung gemacht haben, indem die Dornenhecke sich nicht vor der Zeit öffnet, egal, wie viele von ihnen die Hecke zu bezwingen versuchen. Und nun macht der König die Erfahrung, dass das Schicksal sich auch nicht aufhalten lässt, egal, wie sehr er sich ihm in den Weg zu stellen versucht. Der aristotelischen Entelechie nach verwirklicht sich, was sich verwirklichen soll, ob im “Guten” oder im “Schlechten”. Was im Kern angelegt wurde, wird sich entfalten. Für die Prinzessin gehört neben den guten Gaben die Erfahrung des hundertjährigen Schlafes notwendig dazu. Er ist nicht die Konsequenz einer “falschen” Lebensführung oder “Karmas”, sondern eine für die Ausbildung von Weisheit notwendige Erfahrung. Im Land herrscht die Unfreiheit, weil die Freiheit nicht eingeladen worden war. Damit hat sich der Prinzessin zum Zeitpunkt ihrer Geburt die für sie geltende Lebensaufgabe gestellt. Wenn sie aber keine Unfreiheit erfahren hat, kann sie auch die Freiheit nicht so verwirklichen, dass sie anderen in ihrer Selbstbefreiung beistehen könnte. Unfreiheit zu erfahren ist also ihr persönliches Briefing, ihre Vorbereitung und Lehre, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können.

Bei dem Kind wird zugleich das Vertrauen in das Schicksal aufgebaut bzw. bestätigt. Auch das ist eine Schicksalskomponente und mögliche Haltung gegenüber dem Schicksal: anstelle von Widerstand (Passivpol) und antreibende Ungeduld (Aktivpol), ist auch Vertrauen (Dreiecksfläche, Ressource) denkbar. An dem Mädchen erfüllen sich alle Gaben der weisen Frauen, alles, was dem Kind von seinem höheren Selbst, für das die weisen Frauen die Vermittlerinnen waren, zugedacht war. Wenn das Kind also ein verwirklichter Seelenaspekt ist, dann entwickelt es sich wahrhaft zu einer Individuation der Liebe in diesem Aspekt, eine Individuation, die Liebe aussendet und empfängt und sich in sich selbst als vollständig erfährt. So ist das Kind für seine Aufgabe in der Welt positiv ausgerüstet. Über seine Aufgabe wird das junge Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein nun informiert, indem es den Mangel, an dem die Welt leidet, nämlich die Unfreiheit, an sich selbst erfährt.

Wie schon im Märchen Der treue Johannes werden auch hier Kammern und Säle inspiziert, findet also die Herzensbildung bis zum Erwachsensein von 15 Jahren statt, aber die Einweihung in das höhere Selbst, repräsentiert durch den bisher unbekannten Turm, hat noch nicht stattgefunden. Im Märchen Der treue Johannes wird die Kammer mit dem Bildnis der Königstochter vom goldenen Dache vorenthalten. Genau wie im anderen Märchen der Königssohn, soll hier die Königstochter vor dieser Einweihung, die zunächst eine Dunkelheitserfahrung mit sich bringt, bewahrt werden. 

Mit diesem vollen Vertrauen in das Schicksal aber macht das Mädchen sich an seinem fünfzehnten Geburtstag auf, das Schloss vollständig zu erkunden und auch die Wendeltreppe zu ersteigen, die in den Turm hinauf führt. Wendeltreppe und Turm sind Symbole des spirituellen Aufstiegs und der Selbstbewusstwerdung. Die Abwesenheit der Eltern ist in diesem Fall ein Symbol der Emanzipation von der Kindheit, denn diese Abwesenheit erscheint geordnet, eine geplante Abwesenheit. Es ist kein Verlassenwerden oder Wegsehen wie im Aschenputtel-Märchen, sondern lediglich ein Stück Freiheit, das die Ablösung von den Kindheitsmustern ermöglicht. Man könnte diesen Vorgang des Erwachsenwerdens, der in der Märchenforschung häufig sexuell konnotiert wird, mit dem ersten Mal vergleichen, dass ein Mensch die Bereitschaft zur meditativen Innenschau aufbringt. In der sexuellen Konnotation versinkt der Mensch im anderen Menschen, in der spirituellen Konnotation versinkt er in sich selbst, in seine eigene Mitte. Aus der ängstlichen Haltung heraus, lieber nicht wissen zu wollen, was sich dort im tiefsten Innern befindet und welche Konsequenzen die inneren Entdeckungen nach sich ziehen könnten, vermeiden die meisten Menschen es lieber, in ihrem inneren Schloss herum zu wandern, in Stuben und Kammern zu sehen und Wendeltreppen zu Türmen zu ersteigen. Manche wagen noch den Blick in bekannte Stuben und Kammern, aber keinesfalls in unbekanntes Terrain. Manche jedoch wagen die Introspektion, ganz im Vertrauen in ihr Schicksal. Das Herumwandern im Schloss entspricht dem Herumwandern in Herz und Geist, im individuellen wie auch im kollektiven Unbewussten.

Intuition und inneres Einverständnis

Sich den neuen Erfahrungen zu öffnen, ist ein Vorgang der emanzipierten Yang-Kraft. Der letzte Schlüssel, der aktiv umgedreht werden muss, dürfte auch bei den meisten von uns verrostet (gewesen) sein, wenn wir uns unserem Turmzimmer das erste Mal nähern, weil die Träume und Sehnsüchte und Visionen wie auch die Verletzungen und Demütigungen hinter der Tür vor langer Zeit dorthin weggesperrt worden sind. Und doch lohnt es sich, die Yang-Kraft aufzubringen, den Mut und die Entschlossenheit, und in den Turm hinauf zu steigen, denn das alte Mütterchen, das man dort oben antrifft, muss gar nicht mehr nach seinem Namen oder seiner Funktion gefragt werden. In der Haltung von Vertrauen kann man es ganz selbstverständlich begrüßen, als hätte es geduldig auf uns gewartet und als seien wir einander schon längst bekannt. Es handelt sich um die Lebensqualität der Intuition, die sich hier verwirklicht. Man kann das Mütterchen einfach fragen, was dem Seelenplan nach jetzt dran ist. Hier in dieser Szene herrscht keine Feindseligkeit oder Gefahr, wie sie beim Überreichen der Giftgegenstände im Märchen Schneewittchen zu spüren ist. Obwohl die Spindel vergiftet ist und sich der Fluch erfüllt, sobald das Mädchen die Spindel berührt, geschieht dennoch alles in vollem inneren Einverständnis und Frieden. Es handelt sich bei der Fluch-Verwirklichung ja nicht um eine Strafe, sondern um eine notwendige Erfahrung, die zur Ausstattung des Mädchens gehört. Weil das alte Mütterchen uns tatsächlich schon lange erwartet hätte, wenn wir es an Stelle Dornröschens treffen würden, würde es uns ebenso klar und unumwunden antworten: „Ich spinne.“ Mehr ist nicht zu sagen. Es ist auch nicht zu bewerten. Es ist einfach nur. Und dann erfüllt sich für uns wie für Dornröschen das von unserer Seele und von Dornröschens Repräsentantinnen der höheren Mächte gesteckte Schicksal, das sich spätestens dann nicht mehr aufhalten lässt, wenn erst einmal Kontakt zu ihr, der Seele und zu ihm, dem Schicksal, aufgenommen wurde.

Der Dornröschenschlaf

Alles ist vorbereitet. Dornröschen fällt weich auf ein vorbereitetes Bett. Der Fluch – oder ist er nicht vielmehr zum Segen gewandelt worden? –  kann sich erfüllen. Der Fluch oder der Segen ist der Fluch oder der Segen der Transformation. Gehen wir einer Sache gegenüber in die Stille, wie es in jedem Schlaf und in jeder Trance und bereits in einem Moment der Achtsamkeit und der Meditation geschieht, können wir erkennen, dass die Polarität nie aufgehoben werden kann. Genau in diesem Sinneswandel liegt die Freiheit. Es ist die Freiheit, die Blickrichtung zu wählen und dazu frei zu sein von allen Denkmustern und Bewertungsautomatismen. Autonomie, worum es als Grundbedürfnis in diesem siebten Dreieck geht, ist das Eine. Souveränität aber liegt darin, sich vom Außen und vom eigenen konditionierten Denken nicht vorschreiben zu lassen, wie man die Dinge zu bewerten hat. Stattdessen nimmt man sich die Freiheit, die Dinge nach dem eigenen Horizont, der über den Schatten aufgespannt ist, zu bewerten. Souveränität ist das Ziel des siebten Dreiecks. 

Der Schlaf kann nun als gänzlicher Stillstand empfunden und gelebt werden, wie wir es in Lebensphasen so oft empfinden, in denen wir unseren Träumen und Visionen kein Stück näher zu kommen scheinen und in denen im Außen rein gar nichts geschieht. Manche überlassen sich dann dem Passivpol, der Hoffnungslosigkeit, der Disziplinlosigkeit, der Untätigkeit, der Lethargie und dem Gefühl der Vergeblichkeit. Sie bewegen sich gar nicht mehr und es fühlt sich vielleicht an wie jener Schlaf, der sich über das ganze Schloss ausbreitet. Kein Energiezentrum im Körper scheint noch aus sich heraus zu funktionieren und Aktivität zu zeigen. Kein Chakra bringt mehr Motivation hervor oder empfängt Inspiration. Alles fühlt sich kraftlos, erstarrt und wie gelähmt an. Die Dunkelheit im Innern, die im pathologischen Extrem als Depression ausgemacht wird, hat die Vorstufen Hoffnungslosigkeit, Nostalgie, Ideenlosigkeit und Langeweile und wird ausagiert im ewigen Aufschieben von Dingen, die einem eigentlich wichtig wären und in Untätigkeit, im Ausredenfinden und in grenzenloser Trägheit.

Nach Dornröschen sind es zuerst der König und die Königin, die eben heimgekommen waren, die in Schlaf versinken. Die Verbindung zum Kronenchakra und darüber zum höheren Selbst scheint unterbrochen – oder zumindest besteht zeitweise oder zur Zeit noch kein Bewusstsein für diese Verbindung. Menschen in diesem Zustand sagen dann: “Ich weiß nicht, wozu ich hier bin.” Sie erkennen den Sinn ihres Lebens nicht.

Die Dornenhecke als Symptom

Die Dornenhecke, die nun um das Schloss herum wächst, hat, wie jedes Symptom, eine zweifache Bedeutung. Einerseits ist sie die Manifestation der Unbewusstheit und darum der Trennung. Die Trennung im Außen spiegelt die innere Getrenntheit zwischen Ego und Selbst. In diesem getrennten Zustand verliert der Mensch den Zugang zu seiner wahren Identität und inneren Wahrheit, wie auch zu seinen inneren Werten der Yin-Qualität. Mitgefühl und Wertschätzung gehen als erstes verloren, sich selbst und anderen gegenüber. Der Mensch wirkt hart, unzurechnungsfähig, unzuverlässig. Er wirkt, als sei er gar nicht wirklich da in der Welt, als könnte man nicht auf ihn zählen. Häufig sagt so ein Mensch über sich selbst, er sei nicht bei sich. Da ist von ihm, wie vom Schloss, nichts mehr zu sehen, selbst nicht die Fahne auf dem Dach, die das Familienwappen und ihre Botschaft trägt, wofür dieses Schloss in der Welt steht.

Andererseits dient die Dornenhecke dem Schutz, denn der benötigte Schlaf, der Rückzug nach innen, den es zur Entwicklung des Individuums braucht, muss behütet werden. Indem der Tod nämlich in den Schlaf umgewandelt wurde, findet weiter Bewegung statt: Träume und innere Dialoge mit der geistigen Welt, Astralreisen und die Verbindung zum eigenen höheren Selbst und darüber zum Göttlichen, zu Liebe, zum Absoluten… Das ist innere Bewegung, wie auch die Integration von Erfahrenem und Gelerntem im Schlaf stattfindet. Nach intensiver Konzentration muss darum eine Phase der Kontemplation erfolgen, damit sich das angeeignete Wissen oder die bearbeitete Materie verankern kann. Gesunder Schlaf also ist Teil des Wachstumsprozesses. Sich Zeit für die Selbstbesinnung zu lassen ebenfalls. Wenn wir bei Symptomen also nicht nur fragen, „warum ist es da?“, sondern auch, „wozu ist es da?“, wäre die Dornenhecke in ihrer zweiten Bedeutung der Zweckgerichtetheit der Garant für die Ruhe, die Stille und die Zeit, die es für die innere Reifung des höchsten menschlichen Wertes braucht, dem Bewusstsein für die eigene Freiheit über die Erfahrung der Unfreiheit in der Bewegungslosigkeit.

Vertrauen

Obwohl das Märchen mit seinem Hauptmotiv des Schlafes ein Märchen des Passivpols ist, bricht zuweilen die Gegenbewegung in einem kolossalen Aktionismus herein, einfach, weil die Angstbewegung zwischen den Polen ein Kontinuum ist. Die dreizehnte Fee war bereits die aktivisch nach außen projizierte Angst, die Selbstverwirklichung zu versäumen. Sie ist unduldsam und zerstörerisch aufgetreten, weil die in den Schatten verdrängte Freiheit sich in Zwang (und nicht in Rückzug) verkehrt hatte. Der Zwang des Aktivpols schickt die zu bestrafenden Wesen in den Passivpol des erzwungenen Rückzugs, in diesem Fall in den von der Fee gewünschten Tod. Ungeduld und die mit ihr verbundene Überaktivität kostet nun übereifrige Königssöhne das Leben. Die Sage von dem schönen Dornröschen dürfte ja von der Zeitgebundenheit des Fluchs gerade ebenso berichten, wie sie uns, den Märchenzuhörern, berichtet wurde: Es soll „ein hundertjähriger tiefer Schlaf sein, in welchen die Königstochter fällt.“ Und doch reisen Königssöhne an und versuchen durch die Hecke in das Schloss einzudringen, versuchen zu forcieren, was einfach Zeit braucht. Sie lassen an der Hecke ihr Leben, ein Symptom der Unmäßigkeit. Nicht Aufdringlichkeit ist gefordert, sondern ein geduldiges, souveränes Abwarten, ein Abwarten, das die Botschaft respektiert und die Freiheit zur Reifung gewährt. Daran aber fehlt es doch sehr in der Welt, und zwar fehlt es am Vertrauen in die Schicksalsgesetze und ihre zuverlässige Wirksamkeit.

Der letzte Prinz nun, der von einem alten Mann von der Dornröschenlegende erfährt, hört sie bereits mit dem aktualisierten Zeitumstand: „in welchem eine wunderschöne Königstochter, Dornröschen genannt, schon seit hundert Jahren schliefe…“. Die Zeit ist um. Allerdings entgeht dem Legendenerzähler dieser Umstand oder es mag in hundert Jahren auch verloren gegangen sein oder es war bisher nicht ganz klar, was nach dem Ablauf der hundert Jahre sein würde. Das ist der Grund, weshalb dem Jüngling weiterhin von dem Vorhaben abgeraten wird, ins Schlossinnere zu gelangen: Es wird verkannt, dass dieser Jüngling zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Wir sollten bei allen Visionen und Projektvorhaben bedenken, zu denen wir uns selbst oder anderen die Ermutigung versagen: Projekte, egal wie verrückt sie klingen mögen, sind gegen alle Unwahrscheinlichkeitsvorhersagen erfolgreich, wenn das Vorhaben ein Ausdruck der Seelenessenz dieses Menschen ist. Dann sind im Moment des ersten Schrittes, falls der Mensch in diesem ersten Schritt mit sich selbst identisch ist, Zeit und Ort richtig und ihm wird gelingen, was anderen unter äußerlich gleichen oder sogar besseren Bedingungen nicht gelungen ist. Was mit dem leicht magischen Unterton so gerne “Synchronizität und Resonanz” genannt wird, ist in Wahrheit das Manifestwerden des eigenen Seelenplans mit all seinen Strategien und Verabredungen, sobald man beginnt, den Plan zu verwirklichen. Der entmutigende Hinweis darauf, dass schon ganz andere Kaliber an diesem von jemandem geplanten Vorhaben gescheitert seien, oder dass „schon so viele Königssöhne gekommen wären und versucht hätten, durch die Dornenhecke zu dringen“, ist so unsinnig wie das Abraten des guten Alten gegenüber dem furchtlosen Jüngling. „Nichts ist so mächtig, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, wird als Zitat dem französischen Schriftsteller Victor Hugo zugeschrieben, auch wenn es im französischen Original heißt: „Man widersteht der Invasion von Armeen, aber nicht der Invasion von Ideen.“ Und so erzählt es auch das Märchen. Die Idee ist weiterhin die der Freiheit: 

Die Zeit ist reif und der Königssohn hat nichts weiter zu tun, als die richtige Ebene der Verwirklichung seiner Vision zu finden und sich dazu auf den Weg zu machen und sich der Dornenhecke zu nähern. Im Näherkommen erkennt er dann ihr wahres Wesen, ihr und sein wahres Wesen und das wahre Wesen dieses aktuellen Moments: Er steht in Resonanz mit dem Aufblühen der Blumen. Die Blumen erblühen auf seine Annäherung hin und die Dornenhecke öffnet sich für ihn und schließt sich hinter ihm. Einzig weil er sich nähert und der Zeitpunkt der richtige ist, weil seine Essenz ihn hierher geführt hat, um sich als Dornenheckendurchschreitender und damit als Brückenbauer zwischen der äußeren Welt und dem Schlossinnern zu erfahren, kann er die Dornenhecke passieren. Mit dem Stillstand, den er hinter den Schlossmauern vorfindet, geht er nicht in Resonanz, verfällt aber auch nicht in blinden Aktionismus, die ganze Gesellschaft missionarisch aus ihrer Erstarrung befreien zu wollen. Die Legende sprach von Dornröschen und das ist seine Vision, die ihn führt und fokussiert hält. Und die Legende (oder das Märchen) ist wiederum ein Medium, über das das höhere Selbst den Königssohn kontaktiert hat, um ihn zum Mitwirkenden an der Verwirklichung von Freiheit zu machen.

Wie die Freiheit in die Welt gelangt

Obwohl die Legende nichts darüber sagt, auf welche Art Dornröschen aus seinem Schlaf aufwachen würde, handelt der Jüngling intuitiv, indem er nun auch mit dieser Schönheit, der Schönheit des schlafenden Dornröschens, in Resonanz geht wie zuvor mit den Blumen. Der Kuss ist nur insofern ein Kuss der wahren Liebe, als der er so oft nacherzählt und zitiert wurde, als er Dornröschens Schönheit und damit ihr Wesen bestätigt. Es ist kein konstituierender Kuss, sondern ein affirmativer Kuss. Der Kuss und Dornröschens Erwachen sind Gleichzeitigkeit. Nirgendwo wurde gesagt, dass nur der Kuss der wahren Liebe (oder überhaupt ein Kuss) das Erwachen Dornröschens herbeiführen würde. Wachgeküsst werden zu müssen wurde als Nachfolgemythos zum Märchen konstruiert, wie schon im Froschkönig, wo später in der Rezeption (recht durchsichtig eigennützig) kolportiert wurde, der Frosch sei geküsst, statt an die Wand geworfen worden. Kuss und Erwachen mögen eine Korrelation bilden, in einem Kausalzusammenhang, in dem der Kuss die Ursache und das Erwachen die Folge wären, stehen sie dem Märchen nach nicht. Hundert Jahre sind um und der Schlaf geht zu Ende. Die Entwicklung ist abgeschlossen. An ihrem Ende steht für Dornröschen die Freiheit, ganz sie selbst zu sein, und der Kuss sagt: „Ja, so ist es“.

Allerdings verbinden sich im Kuss eindeutig die polaren Kräfte Yin und Yang miteinander. Yin ist die erwachte und sich ihrer selbst bewusste Freiheit und Yang ist die Schöpferkraft, die sich nun mit der Freiheit verbindet. Über die Schöpferkraft nun kommt die Freiheit in die Welt. Die wiederbelebte fruchtbare Polarität, die in Traum und innerer Entwicklung nur schwach fließt, bringt nun Bewegung in das ganze Schloss. Die Bewegung steht für die Inspiration. Die Präsenz und die Inspiriertheit des Paares, sein Bewusstsein für die Fruchtbarkeit der Polarität erweckt auch den restlichen Ort zu neuem Leben und einem Wieder-zu-sich-selbst-finden. Dass Dornröschen den Prinzen freundlich anblickt, nachdem es die Augen aufgeschlagen hat, erzählt davon, dass es sich mit seinem Gegenpol versöhnt fühlt, die Dualität in sich, die das Andersartige ablehnen und bekämpfen müsste, überwunden hat und im Kuss sogar eine Gegensatzvereinigung stattgefunden hat. Tatsächlich ist Dornröschen ja von Geburt an mit all den Herzensgaben der weisen Frauen gesegnet gewesen, so dass in ihr kein Kampf zwischen Gut und Böse auszufechten war, sondern eine stille Entwicklung und Reifung der vorhandenen Anlagen stattfinden konnte. Dornröschen wäre als Mensch jemand, der seine Jugend damit zubringt, über den Weg der Bildung und der Innenschau nach Plausibilisierung und Bestätigung seiner latent gefühlten Anlagen zu suchen, um sie in der Stille zur Reifung zu bringen. Allein der Aspekt der Freiheit als höchster humanistischer Wert, musste stellvertretend für die Welt, in der die Freiheit und bedingungslose Liebe verloren gegangen war, wiedererlangt werden, was am allerbesten durch eine humanistische Bildung in der Stille geschieht, in der der Wert des Menschseins erkannt und integriert wird, damit der Einstellungswert der Freiheit als völlige Selbstverständlichkeit und als Geburtsrecht jedes Menschen angesehen wird. 

Nun ist Dornröschen mehr denn je es selbst, indem es mit dem Königssohn seinen Yang-Ausdruck in seine Persönlichkeit integriert hat, wofür wieder die Hochzeit steht, die in aller Pracht gefeiert wird. Die Pracht steht, wie immer im Märchen, für die Verwirklichung aus Schöpferkraft (Yang) und Gestaltungskraft (Yin). Zuvor aber geht, inspiriert durch Dornröschens freiheitlicher Präsenz, jeder (wieder) seiner persönlichen Selbstverwirklichung nach, wie es das Märchen in einer detailreichen Aufzählung erzählt. Jedes einzelne Lebewesen verbindet sich mit seiner Essenz, um sie zu verwirklichen. Indem wir uns selbst die Erlaubnis geben und uns die Freiheit nehmen, unsere Essenz zu verwirklichen, erteilen wir auch allen anderen die Erlaubnis und geben ihnen die Freiheit, ihre Essenz zu verwirklichen. Indem wir einander sagen: „So ist es“, für dessen Aussage der Märchenkuss das Symbol ist, tragen wir Sorge dafür, dass die Freiheit des Anderen nicht von unseren Grenzen limitiert wird, sondern dass wir Verantwortung dafür übernehmen, dass andere ebenso frei sein können, wie wir selbst. „Meine Freiheit muss die Freiheit des Anderen miteinschließen“, schrieb der französische Existenzialist Jean-Paul Sartre. Das ist die Freiheit, wie sie mit der dreizehnten Fee gemeint ist, denn sie basiert auf bedingungsloser Liebe. Obwohl die Freiheit des Anderen bedeuten mag, dass wir uns um einen zusätzlichen goldenen Teller bemühen müssen, wird die Freiheit wieder eingeladen und erhält ihren Platz am Tisch der Welt. Ihr wird Ausdruck verliehen im Kuss, der für jede Form von liebevoller Zugewandtheit und gegenseitiger Unterstützung aller Visionen stehen mag, und ihre Konsequenz ist das fruchtbare Fließen der polaren Kräfte, die Verwirklichung der Essenz und damit der Liebe in der Welt, weshalb am Ende dieses Märchen vergnügt gelebt wird, „bis an ihr Ende“. Mit dem Dornröschen-Märchen zieht die Freiheit in die Welt ein und wird aus ihrem Schattendasein der noch immer andauernden Knechtschaft durch die Glaubenssätze, Konditionierungen und Kindheitsmuster erlöst, die wir (bisher) fortdauernd auf unsere Mitmenschen, auf die Tiere und die Natur projiziert haben und sie so in der Lieblosigkeitserfahrung versklavt haben. Mit der Besinnung auf unsere Fähigkeit zur bedingungslosen Liebe kehrt die 13. Fee an den Tisch zurück.

Posted on 16. November 2019 in Allgemein