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Nummer 12: Die Sterntaler

Eine Märchenmeditation

Übersicht der Märchen im vierten Dreieck 
zum Thema Selbstvertrauen

Titelbild: Annette Greiner

Ein Stückchen Brot auf der Hand

Der Menschen, die mit diesem Stück Eingangstext in Resonanz gehen, wird es wohl viele geben in der Welt. Auch in einem Land wie unserem, das sich als reich betrachten darf. In diesem Land beklagen wir dennoch, beobachtbar zu Recht, das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, debattieren über die angemessene Höhe eines gesetzlichen Mindestlohns, der bisher kaum angemessen ausgefallen ist, fürchten uns vor Altersarmut, bedauern die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank, die das Sparen absurd erscheinen und bereits Angespartes an Wert verlieren lässt. (Diese Märchenmeditation entsteht im Jahr 2019 in Deutschland). Ganze Gruppen, die sich als beschützte Gäste in unserem Land fühlen sollten, während sie zu Hause Hab und Gut zurücklassen mussten, leiden unter Lebensumständen in Notunterkünften oder Bruchbuden von Wohnungen, die sich mit „kein Kämmerchen mehr, um darin zu wohnen“ beschreiben ließen. Das Leben erscheint so vielen Menschen als materielle Zumutung, während die wichtigste Resonanz, die den meisten Menschen allerdings nicht bewusst ist, die Resonanz mit der Textstelle des Vater- und Mutterverlustes ist und eher eine emotionale Zumutung meint. So vielen Menschen sind Vater und Mutter im Innern gestorben. Sie können sich nicht selbst beeltern, weil sie es nicht gelernt haben, und so manifestiert sich die innere Vater- und Mutterlosigkeit als äußere Mittellosigkeit. Die äußerlich empfundene Armut, die nie eine objektive Größe sein kann, sondern immer nur im subjektiven Vergleich empfunden und bemessen wird, spiegelt die innere Armut der Selbstlieblosigkeit. Kaum jemand ist objektiv arm, sondern Armsein ist ein subjektives Empfinden, das von Lebensphase zu Lebensphase anders ausfällt. Hier schließt das Sterntaler-Märchen an das Froschkönig-Märchen an. Die goldene Kugel des Lebens liegt nicht stabil in einer goldenen Schale aus verkörperten menschlichen Werten, sondern sie wird entweder als in den Brunnen gefallen empfunden oder liegt prekär und instabil auf der geraden Ebene des dualistischen Schwarz-Weiß-Denkens, mit dem man entweder arm oder reich sein kann oder auch eine Abstufung davon, weder arm noch reich („zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, hört man da noch oft), aber nicht beides zugleich. Kaum jemand würde über sich sagen: Ich bin vielleicht im Außen arm, aber reich im Innern. Armut und Reichtum als innere Einstellung zu denken kommt im dualistischen Denken nicht in Frage, wird als Zumutung empfunden in einer Haltung, in der die Abwesenheit von Vater, Mutter, Kammer und Bett anderen angelastet wird, wie auch die Verantwortung, für die Behebung des Missstandes zu sorgen. Vor allem die Regierung wird angeklagt. Die Regierung habe doch wohl die Pflicht in einem ordentlich aufgesetzten Wohlfahrtsstaat jenes mitleidige Herz zu sein, das am besten mehr als nur ein Stückchen Brot auf die Hand schenkt, was die Regierung bedauerlicherweise aber nicht tut. Die Hartz-IV-Gesetze aus dem Jahr 2002 erwiesen sich als genau jenes Stückchen Brot auf der Hand, vielleicht noch ein Kämmerchen, darin zu leben – und nicht mehr als das. Vor allem aber kein Ersatz von Mutter und Vater. Natürlich nicht.

„Gut“ und „fromm“

Im Märchen wird nun ein Kontrast benannt, der alle vorherige Armutsschilderung in ein neues Licht stellt: 

Die Begriffe „gut“ und „fromm“ wurden schon in den Märchenanalysen zu den Märchen Aschenputtel und Schneeweißchen und Rosenrot diskutiert, wie auch in einem Verweis auf die Bedeutung der nicht mehr der Transformation bedürftigen Figuren im Märchen Die zwölf Brüder. Zu den nicht mehr der Transformation bedürftigen Märchenfiguren gehört auch das Sterntaler-Mädchen. Kurz zusammengefasst stellt „fromm“ also die spirituelle und intuitive Anbindung an eine höhere Macht dar, die als Gott benannt werden mag, als die Weisheit der Liebe, das Universum, das Absolute, das Numinose, der reine Geist… in einem Gefühl des inhärenten Geliebtseins ohne eine menschliche Liebesquelle. Und „gut“ steht für die Vernunft, die in ihrem Wesen als die Verbindung aus innerem Kind, innerem Erwachsenen und der Anbindung an das höhere Selbst erfasst werden kann. Neurobiologisch könnte die Vernunft als neuronales Netzwerk aus limbischem System (inneres Kind), Neokortex (Yin+Yang) und präfrontalem Kortex (Intuition) erfasst werden: Gefühl, Empathie, Medialität. Wobei zur Intuition auch das logische Denken gehört, die Rationalität also, während die Empathie Teil der Mentalität ist und das Gefühl Teil der Emotionalität, zu der auch Körperempfindungen gehören. Man könnte die Vernunft also auch beschreiben als Verbindung aus: Mentalität, Rationalität, Emotionalität. Wenn eins von den dreien fehlt, ist es keine Vernunft mehr. (Wenngleich die Kombination aus Mentalität und Rationalität immerhin noch den Verstand bildet, aber was ist schon der Verstand ohne Intuition und Bauchgefühl?) Der Mensch als wirklich Ganzes also ist automatisch ein Wesen der Vernunft, „gut“ und „fromm“ in einem.

Ende des Froschkönigs und Aufbruch der Königstochter

Das ist nun nicht mehr das passive Verhalten der Königstochter im Froschkönig-Märchen, die mit den Augen das Rollen der Kugel verfolgt, aber keinen Schritt unternimmt, den Verlust abzuwenden. Und es ist auch nicht mehr der Froschkönig, der einem anderen Menschen hinterher springt, um von dieser Person das Versorgtwerden einzufordern. Es ist die Energie des mit der Anima verbundenen Animus. Das Mädchen, das sich, ähnlich wie die Schwester mit dem Stern auf der Stirn im Märchen Die zwölf Brüder mit seinen Sternen verbunden fühlt, wird selbstverantwortlich aktiv. Es akzeptiert den Zustand, von aller Welt verlassen zu sein als einen, der offenbar derzeitig noch dem Welt- und Menschsein immanent ist. Es jammert nicht herum, dass es eigentlich anders sein müsste und dass es dieses Alleinsein gar nicht geben dürfte, dass man sich seiner Person eigentlich annehmen und es versorgen müsste, sondern es signalisiert: Okay, die Welt kann im Moment noch nicht anders, und ich verlasse mich auf mich. Die Konjunktion ist entscheidend, damit der Auszug des Mädchens aus der es umgebenden Welt nicht als trotzige Deprivation und Pseudoautonomie fehlgedeutet wird. Es heißt nicht implizit: Gut, dann gehe ich eben, wenn ihr mich nicht lieben könnt, sondern die Implikation lautet: Ich sehe, dass ihr derzeit noch nicht lieben könnt und ich gehe und sorge für mich. Das geschieht ohne Vorwurf und in voller Akzeptanz des derzeitigen Zustandes an innerer Menschseinsreife.

Selbstlosigkeit

Dass es sich nicht um einen beleidigten Rückzug handelt, beweisen die anschließenden Begegnungen des Mädchens mit den Mitmenschen, denen gegenüber es sich in voller Offenheit des Herzens und voller geistiger Großzügigkeit zeigt. Ein armer Mann bittet das Kind um etwas zu Essen und das Mädchen gibt ganz und rückhaltlos, statt zu teilen, erteilt dazu noch seinen Segen, gibt also in dem Selbstverständnis, dass Gott keine anderen Hände als die unseren hat in der Welt, wie es das arabische Sprichwort sagt. Es macht sich zum Kanal für die Liebe im archetypischen Aspekt des Gebens und Schenkens und wird so weltwirksam. Das ist das Gegenteil von Rückzug.

Es geht weiter, ohne einen Dank abzuwarten oder einzufordern, ohne zu erforschen, was aus seiner Gabe gemacht wird, welche Folgen sie haben wird, ob sie quasi „Erfolg“ zeigt, indem irgendeine positive Wandlung mit dem Mann vor sich ginge. Das meint der biblische Gedanke, dass wir die Ernte nicht kontrollieren dürfen und können. Wir säen, aber die Ernte ist nicht unsere Sache, sondern unterliegt, dem in der Bibel erzählten Mythos nach, Gottes Wille. Jenseits der Bibel unterliegt sie, die Ernte, der Freiheit des Individuums. Wir bieten Souveränität an. Ob wir zur Autorität werden, darüber entscheidet die Welt frei und selbst.

Anschließend begegnen dem Mädchen hintereinander drei frierende Kinder. Die Abwesenheit der Liebe in der Welt führt zum Symptom von innerer Kälte und Frieren. Das Mädchen gibt seine Mütze, sein Leibchen und sein Röcklein. Es gibt jeweils wieder ohne eine Gegenleistung zu erwarten, einerseits, weil es an Kinder gibt (auch im Fall des erwachsenen Mannes), von denen keine Eigenleistung erwartbar ist, andererseits, weil es in seinem Wesen aus „fromm und gut“ ein starkes inneres Selbst hat und darum nichts vom Selbst anderer bedarf. Mit dem Selbst eines anderen würde es sich, sollte es sich überhaupt einmal zum Ausdruck bringen (was hier im Märchen nicht geschieht), verbinden, um wiederum Wohltaten für andere zu erdenken und zu verwirklichen. Dessen kann man sich bei einem wahrhaft selbstlos gebenden und in sich selbst sicher gebundenen Menschen sicher sein. Er würde das Angebot der Gegenleistung wieder in die Welt hinein lenken: Aber ja, lass uns zusammen etwas für die frierenden Kinder tun!

Projektionsfläche dunkler Wald

Das vierte Kind, das um die letztmögliche Wohltat des letzten Hemdes bittet, begegnet dem Mädchen in der Dunkelheit des Waldes. Auf diese Dunkelheit wurde und wird in der Märchenrezeption gewöhnlich das Mangelempfinden aus einer Märtyrerhaltung heraus projiziert. Vermeintlich würde das Märchen erzählen, heißt es dieser Rezeption nach, dass man sein letztes Hemd geben müsse, um nicht von Gott bestraft und stattdessen belohnt zu werden. Die meisten Menschen projizieren ihre Angst vor der eigenen inneren Dunkelheit auf äußere dunkle Räume und ihre innere Armut auf äußeren Mangel. Der Wald wird für gewöhnlich als Bedrohung durch Strafe empfunden und zugleich als Projektionsfläche für das Fremde und Unbewusste in einem selbst. Für das Mädchen aber ist es gerade der Wald und gerade die Dunkelheit, die ihm jenen Schutz gewähren, von ihm also als Schutz bietend und nicht als Bedrohung empfunden wird, die ihm die letzte Gabe zu reichen erlaubt. Gerade die Dunkelheit aktiviert die Frömmigkeit des Mädchens, seine spirituelle Anbindung also an die höhere Macht und sein In-sich-selbst-Gebundensein, in dem nichts Unbewusstes mehr projiziert werden muss:

Gerade, dass es niemand sieht, gibt dem Mädchen Sicherheit. In der Anwesenheit von jemandem dagegen würde es sich nicht sicher fühlen. Es würde die Projektionen und Verurteilungen anderer auf seine Nacktheit und Verletzlichkeit fürchten müssen. Wäre jemand da, der es in seiner Nacktheit und Verletzlichkeit sehen könnte, darüber macht das Mädchen sich keine Illusionen, würde es nicht auf Mitgefühl und Solidarität hoffen dürfen, sondern müsste mit unqualifizierter Verachtung oder Schlimmerem rechnen. Also bietet das Alleinsein, das Für-sich-selbst-Sein, die größere Freiheit zur Selbstverwirklichung, zur Verwirklichung der inneren Haltung des Mitgefühls in der Fürsorge für einen anderen Menschen. Der urteilende Blick würde die Verwirklichung von Liebe ablenken oder gar verhindern, wie wir es seit Kindertagen und zuweilen bis heute erfahren haben, wenn wir uns Außenseitern oder Hilfsbedürftigen gegenüber solidarisch zeigen wollten und uns unversehens als unzurechnungsfähig verurteilt und als Gutmenschen mit ernsthaftem Helfersyndrom verspottet sahen und womöglich in der Folge selbst ausgegrenzt fühlten. Schwache Naturen bedecken ihre vermeintliche Blöße dann schnell wieder und biedern sich den Verurteilenden an. Von starken Naturen aber, die in der Solidarität stehen bleiben und das Ausgegrenztwerden akzeptieren, indem sie die Dunkelheit als innere Stille und Frieden nutzen, gibt es wenige.

Die Dunkelheit des Waldes wird also zum ermutigenden und schützenden Raum für die Verwirklichung dessen, was das Mädchen als seine Wahrheit empfindet, während die Begegnungen Orte des Dienens, der Verwirklichung humanistischer Werte, der Verkörperung des inneren Lichts und damit der Selbstverwirklichung sind.

Ernte, Fülle und Reichtum

Über die Aufrichtigkeit des Gebens, deren Quelle die goldene Schale des Selbstvertrauens ist und nicht die Instabilität und Unehrlichkeit des Mangelkompensationsversuchs, legen die Sterne nun Zeugnis ab. 

Was hier geschieht, ist keine Kompensation, sondern der geschwisterliche Beistand der Sterne. Es steigen die Freunde, die Sternenbrüder und -schwestern, vom Himmel herab und spenden Dank dafür, dass hier eine inkarnierte Seele ihre Werte und Fähigkeiten, ihre Ressourcen und ihr Vertrauen zum Vorbild und zum Wachstum der Welt dargeboten hat. So geht Lieben und so geht Geben, und die Sterne entbieten ihren Dank für das Sosein des Mädchens, obgleich jede Begegnung es Kraft und Geduld gekostet haben dürfte. Die Sterne sind unsere Refinanzierungsquelle, und die Begegnung an sich ist das Herzstück der Inkarnation, wie alle Sternenkinder wissen. In der Begegnung finden Heilung und Wachstum statt, egal wie unangenehm die einzelne Begebenheit sich auf manifester Ebene ausnehmen mag. Davon weiß die Königstochter aus ihrer Begegnung mit dem Froschkönig ein Lied zu singen! Die Sternenkinder wissen um den tieferen Wert und die höhere Bedeutung von Begegnung und sondern sich darum gerade nicht ab, um Mütze, Rock und Hemd zu retten, sondern begeben sich mitten hinein ins Feld, wie es im erzählten Aufbruch des Mädchens heißt, gehen ins Feld hinein, gerade um das Feld zu bestellen. Das Feld wird zum energetischen Feld, aber die Taler und das feine Linnen sind noch nicht die Ernte dieses bestellten Feldes, sondern die Erfahrung, die jeder der fünf Menschen mit dem Mädchen gemacht hat, ist es. Die Erfahrung, von Mitgefühl, von Großherzigkeit, von Fürsorge und Hilfsbereitschaft und die alles umspannende Solidaritätserfahrung hat in jedem einzelnen Individuum den Neokortex angesprochen und dort das eigene Mitgefühl, die eigene Großherzigkeit, die eigene Fürsorgefähigkeit und Hilfsbereitschaft. Durch die empfangende Erfahrung wurden Netzwerke miteinander verbunden, die vorher unverbunden und unaktiviert vorlagen. Das ist die Ernte. Durch das authentische Vorbild des Mädchens werden innere Archetypen aktiviert und bewusst gemacht, integriert also, die fortan ihrerseits durch das Individuum in der Welt wirken können, sofern die Individuen die Erfahrung nicht nur konsumieren, sondern reflektieren und sich selbst in ihr zu spiegeln vermögen. Das ist die Ernte. Es ist das neue Sein in der Welt, der individuelle Sinneswandel und die gesellschaftliche Transformation, die durch Vorbild in die Welt kamen.

Der hier angesprochene Reichtum ist keiner, der vom zukünftigen Ausruhen im Luxus spricht, sondern es ist einer, der des Mädchens Fülle anreichert und die Ressourcen wieder auffüllt. Mit seiner inneren Fülle des Verbundenseins mit seinen persönlichen Sternen ist das Mädchen in jede der fünf Begegnungen hineingegangen und konnte aus dieser Fülle heraus angstfrei geben. Aber jede Begegnung hat zugleich die Fülle des Mädchens angereichert, weil mit jeder Begegnung ein noch unbewusster Teil seines eigenen Spirits in sein Bewusstsein integriert wurde: Wenn ich das Stück Brot gebe, fühlt sich das so an… und das letzte Hemdchen zu geben zeigt mir über mich, dass ich xy kann und in mir habe. Indem diese Selbstreflexion wiederum auch im Mädchen stattfindet, werden die Sterne zu Material, von dem das Mädchen im Sinne der Fülle ruhig und sicher leben können soll, aber auch zu Material, mit dem es auf spirituelle Art weise umgehen wird. Auf spiritueller Ebene stehen die Taler für Dank und für Weisheit. So wie das Mädchen einen potenziellen Ausgleich durch eine beschenkte Person dem erzählten Temperament nach vermutlich verwenden wird, um für einen Dritten eine Wohltat zu erdenken und zu realisieren, so ist anzunehmen, dass auch die Taler dazu benutzt werden, um mehr vom Neuen, vom Schönen und vom Guten in die Welt zu bringen. In unserer Wirklichkeit sind das die (zumeist jungen) Menschen, die sagen: „Geld interessiert mich an sich nicht. Geld interessiert mich nur, um damit Dinge zu machen, die gut sind.“ Und diese „Dinge“, die diese Leute mit dem Geld machen, bringen die Welt weiter. Sie erweitern das Bewusstsein, leisten politische Aufklärung, erhöhen die Achtsamkeit gegenüber der Erde in Form von Menschenrechten, Tierwohl und Umweltschutz, greifen Menschen, die Unterstützung brauchen, unter die Arme und leisten aktives gesellschaftliches Engagement.

Das Mädchen wird „fromm“ und „gut“ bleiben und wird weiter ins Feld hinein gehen, um es zu bestellen. Dazu ist es mit spirituellen Kräften ausgestattet: Genialität, Heilkraft, Meisterschaft, Telepathie, Manifestationskraft. Wir sagen dazu: Das liegt ihr/ihm im Blut, und meinen die wunderbare genetische Veranlagung einer erhöhten Dopamin-Zufuhr, um all die Ideen, die der aktive präfrontale Kortex und der Neokortex liefern, auch wirklich umsetzen zu können. Eine Perspektivverengung kann phasenweise zu Angst und innerer Armut führen, dann nämlich, wenn Gelegenheit und Material fehlen, die Kraft zu nutzen und die Vision umzusetzen. Ab jetzt aber stattet das Geleit der Sterne das Mädchen mit den Talern an spirituellen Ressourcen und Gelegenheiten aus, mit denen die Ernte noch reicher ausfallen dürfte, weil die Saat weiter gestreut und noch besser gepflegt, das Feld also noch intensiver bestellt werden kann. So sind Sterntaler-Menschen gesegnet, damit sie mit dem Stückchen Brot, das sie rückhaltlos geben, Segen spenden können. Der Segen fließt einfach durch sie hindurch, als würde er vom Himmel fallen – was er auch tut. Sterntaler-Menschen wissen das. Dieses Wissen ist in ihrer ganz persönlichen Ausstrahlung, ihrem Charisma, erkennbar. Ohne etwas über sie zu wissen, meint man automatisch, diese Menschen müssten unendlich geliebte Kinder gewesen sein, was zuweilen der Fall gewesen sein mag, ganz oft aber auch gerade nicht. Und doch umgibt sie dieser goldene Schimmer, der der inneren goldenen Schale und ihrer Sternenverbundenheit entströmt, wie ein sichtbar gewordener Duft. An dieser Sternenverbundenheit können sie ihre Kraftquellen wieder aufladen und als Medium dient ihnen vielleicht die Natur, vielleicht die Kunst, die Musik, die Literatur. Vielleicht auch das Sterntaler-Märchen höchst selbst.

Posted on 16. November 2019 in Allgemein