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Märchenmeditation: Von dem Fischer und seiner Frau

Ein Mann und eine Frau wohnen zusammen in einem alten Topf. Es handelt sich um einen Nachttopf. Im Mundartoriginal heißt es „Pisspott“. Der Eingang des Märchens ruft das Bild von Mangel auf. Es mangelt an Raum, an Schönheit, an Sauberkeit. „Es ist eklig und stinkt“, sagt die Frau über ihre Wohnung. Erwartungsgemäß. Der Mann sagt nichts dazu. Er scheint ein genügsamer Mensch zu sein, ohne große Ambitionen. Von Zufriedenheit ist hier keineswegs die Rede, wie manche gedacht haben mögen, sondern eher von der Einfältigkeit des personifizierten Passivpols, der nichts wahrnimmt, nichts fühlt und sein Leben an sich vorbeilaufen lässt oder vielleicht läuft auch er neben dem Leben her. Jedenfalls involviert scheint er nicht. Es existiert sich eben so vor sich hin, das Leben:

Das Stilmittel der Wiederholung wird gleich darauf noch einmal eingesetzt, um anzuzeigen, dass dem Fischer in seiner Fantasielosigkeit auch wirklich nichts anderes einfiel, um seine Situation zu verbessern, falls er sie überhaupt zur Kenntnis genommen hat, als zu warten:

Nichts bewegt sich in diesem Leben. Nichts wächst oder entwickelt sich. Die Wiederholung der Verben deutet die Langeweile der Ereignislosigkeit dieses gänzlich ungelebten Lebens an, das sich in einem stinkenden, ekligen Topf abspielt. Hier drückt sich kein schöpferisches Wesen auf seine individuell kreative Art aus. Hier entzieht sich ein Wesen dem Leben, enthält der Welt seinen kreativen Ausdruck vor, so dass ganz einfach rein gar nichts geschieht, als hätten die Menschen schon längst resigniert. Der alte Topf fault und modert vermutlich vor sich hin und das ist noch die größte beobachtbare Bewegung im Leben dieser beiden Menschen. Das Ereignis, dass eines Tages die Angel des Fischers auf Grund geht und der Fischer einen Butt herauszieht, versetzt den bewegungslosen passiven Mann derart in Überraschung, dass seine Fantasie nun erst Recht nicht mehr in Gang kommt. Der Butt spricht zu ihm, womit er sich als reichlich außergewöhnlich unter den Fischen auszeichnet, und seine Sprache ist ziemlich flott:

Ein verwünschter Prinz? Versierte Märchenleser fragen hier sofort: Was ist dem Prinzen geschehen? Weshalb wurde er verwünscht? Wer hat das getan? Und warum? Was ist die Bedingung, unter der der Prinz erlöst werden kann? Aber nichts dergleichen kommt dem Fischer in den Sinn. Er nimmt die Information einfach hin. Ihm fehlt die Präsenz, sich für die näheren Umstände der Verwünschung zu interessieren. Und dann sind ihm auch die Worte jetzt schon zu viel:

Darauf setzt er ihn wieder ins Wasser. Ende der Geschichte, wenn es nach diesem Helden hier ginge. Kein Verhandeln. Keine Forderung nach Ausgleich für den immerhin entgangenen Gewinn. Der Fischer wird mit leeren Händen nach Hause kommen und es ist anzunehmen, dass die Eheleute für diesen Tag nichts zu essen haben werden. Aber darüber scheint der Mann sich keine weiteren Gedanken zu machen. Er hatte ja geangelt und er hatte etwas gefangen und jetzt hat er halt nichts im Eimer, weil er den Fisch ja wieder hat schwimmen lassen. So erzählt der Fischer es seiner Frau und die mag mit Jean-Jacques Rousseau denken: “Was man Tugend nennt, ist oft nur die Unfähigkeit, ein Vergnügen zu fühlen.” Ob er sich denn nichts gewünscht habe, fragt sie ihren Mann.

Ist dem Mann entgangen, dass der Topf, in dem die beiden leben, kein Vergnügen ist? An dieser Stelle benennt die Frau die Realität für sie beide:

Dem widerspricht der Mann durchaus nicht. Er hält nicht dagegen, dass er den Topf ganz anders wahrnehme und dass diese Umgebung vielleicht aus karmischen oder anderen Gründen ganz ihm entspreche. Er kann sich nur nicht vorstellen, dass man etwas daran ändern könnte, selbst dann nicht, als die Frau ihn bittet, nochmal zu dem Fisch zu gehen und für Ausgleich für den ihnen entgangenen Gewinn zu sorgen.

Die Frau muss ihrem Mann daraufhin erst nahe bringen, wie der gewöhnliche Mechanismus von Geben und Nehmen oder auch von entgangenem Gewinn aufgrund einer barmherzigen Geste und angemessenem Ausgleich funktioniert:

Wer noch immer an Tugend in der Figur des braven Fischers glauben möchte, wird spätestens jetzt seiner Illusion beraubt. Tugend immerhin würde sich selbst vertreten, weil sie von der Rechtmäßigkeit ihrer Haltung aufgrund eines gesunden Bewusstseins für den eigenen Wert überzeugt wäre. Der Mann und die Frau aber sind einander gegenpolige Projektionsflächen. Die Frau agiert das unterdrückte Begehren des Mannes aus. Wir kennen das noch aus unserer Kindheit: Das Kind, das sich aus Angst vor Kritik, Maßregelung und Bestrafung keine Forderungen erlauben konnte, hat eines der jüngeren Geschwister geschickt, um nach Eis zu fragen, und hat selbst so getan, als begehre es nichts. Denn sein Begehren musste in den Schatten verdrängt werden, weil es an ihm eine ungeliebte, kritisierte und abgelehnte Eigenschaft war. Beim Fischer und seiner Frau läuft es zwar überkreuz, aber der psychologische Mechanismus ist dergleiche: Der Fischer erscheint vor dem Butt als derjenige, der ja nur den Wunsch der gierigen Ehefrau vorträgt. Er selbst hat keine Wünsche und er trägt den Wunsch der Frau nur vor, um seiner Frau nicht zuwider zu sein.

Was in der Interpretation des Lesers verbleibt, ist der Aspekt der korrespondierenden Atmosphäre. Schon beim ersten Erscheinen des Fischers ist die See nicht mehr klar. Wessen Emotionen werden hier gespiegelt? Der Butt erscheint eigentlich gänzlich emotions- und urteilslos. Das Meer könnte aber durchaus sein Kommunikationskanal sein. Ist ihm das Nachkarten des Fischers zuwider, weil ihm die Freiheit schließlich bedingungslos gewährt worden war? Oder ist das Meer eine weitere Projektionsfläche des Mannes, der sich seine Gefühle in keiner Lage eingestehen und sie angemessen zum Ausdruck bringen kann? Ist er vor lauter Geiz und Verzicht nicht mit sich im Reinen, weil eine Bitte vorzutragen nicht dem Selbstbild eines Mannes entspricht, der nichts vom Leben erwartet? So schiebt er sein Auftauchen am Seeufer auch ganz klar auf seine Frau. Er selbst gibt zu verstehen, dass das nicht seine Idee war:

Wäre der Butt ein Therapeut, würde er jetzt hellhörig werden und zuerst nach dem einen und dann nach dem anderen Umstand fragen. Was ist es denn, was du willst, lieber Fischer? Aber ganz der Energie des Passivpols entsprechend, zu dem statt Transparenz und Klarheit das Verschweigen und Verstecken gehören, erfahren wir das ganze Märchen lang nichts darüber, was es ist, was der Mann gern will. Aus seinem Zögern gegenüber Frau und Butt ist lediglich abzuleiten, was er nicht will. Auf jeden Fall will er keine Wünsche aussprechen und will nicht sagen, was er vom Leben will.

Der Butt aber ist ein verwunschener Prinz und kein Therapeut und so fragt er nach dem Offensichtlichen:

Die Antwort des Mannes ist wieder ganz Projektion, ganz alle Verantwortung von sich weisend. Was er jetzt vortragen wird, ist nicht seine Meinung, sondern nur die seiner Frau:

Auf die Frage der Ehefrau, ob die kleine Hütte, die die beiden daraufhin vom Butt erhalten haben, nicht nett sei, stimmt der Fischer immerhin zu:

Mit dem Satz versucht der Fischer sich gleich wieder in den Passivpol zurück zu ziehen, damit das Leben – oder seine Frau – nicht noch mehr Forderungen an ihn stellen, denen er sich nicht gewachsen fühlt und auch nicht erwachsen genug, ihnen eine Grenze zu setzen. Gleichzeitig liegt auf einer tieferen Ebene in dieser Aussage aber durchaus Zustimmung. Obwohl ihm das Vorstellungsvermögen gefehlt haben mag, sich selbst eine andere Zukunft als die in einem ekligen, stinkenden Topf vorzustellen, gefällt ihm die neue Gegenwart gut und er würde nicht etwa sagen: Ach, Ilsebill, der alte Topf war doch das bessere Wohnen für mich und hat besser zu mir gepasst, meinst du nicht? Dieses Häuschen hier scheint doch völlig überdimensioniert und überflüssig für uns zwei. Stattdessen stimmt er Ilsebill zu, ja, es sei nett, und er stellt sich vor, vergnügt darin wohnen zu können.

Jetzt verschiebt sich der Fokus des Märchens, das ja vom Fischer UND seiner Frau handelt, auf die Ehefrau, die völlig überraschend und doch für ihre Positionierung innerhalb der Paardynamik vorhersehbar antwortet:

Übersetzt bedeutet diese Antwort so viel wie: “Mal sehen.” Wenn Kinder, denen man gerade einen Wunsch erfüllt hat, auf die Frage nach ihrer Zufriedenheit “mal sehen” antworten, gehen bei den Eltern alle Alarmglocken an. Neben den Alarmglocken würde bei verantwortungsvoller Führung auch die Frage gestellt werden, die vom Butt immer wieder gestellt wird: “Na, was will sie denn?”, in der Bedeutung: Worum geht es dir denn wirklich?

Acht oder vierzehn Tage, heißt es im Märchen, glaubt die Frau, mit ihrem Profit zufrieden zu sein und offenbar ging es in dieser Zeit so, wie auch der Fischer gern wollte. Dann aber sind der Ehefrau Häuschen und Hof und Garten zu klein. Sie will ihren Raum ausdehnen und zwar, weil sie ja schon einmal erfahren hat, dass es grundsätzlich möglich ist. In einer therapeutischen Praxis würde man jetzt die Frage stellen, was dieser Raum denn bieten sollte. Ziel wäre es, aus den genannten Aspekten auf das wahre Anliegen schließen zu können, das, was wahrhaft zum Ausdruck gebracht werden soll und was vielleicht nicht in einer Ausweitung des Raum, sondern nur in einem Verlassen des Raums und Aufsuchen eines ganz neuen Raums zu finden sein mag. Die Frau jedenfalls will ein Schloss. Es soll aus Stein sein. Vielleicht will sie Sicherheit verwirklichen. Mit einem Ehemann, der einen verwunschenen Prinzen ohne Gegenleistung wieder aussetzt und stattdessen an diesem Tag ohne einen Fang nach Hause kommt, fühlt sie sich vielleicht nicht besonders sicher in ihrem Leben. Sie übernimmt aber offenbar auch keine Verantwortung dafür, in ihrem Innenleben das Gefühl von Sicherheit herzustellen und im Außen zu einer Situation, die ihr entsprechen würde, beizutragen. So wünscht sie sich jetzt, wie die literarisch ähnliche Figur der Emma Bovary es tun würde, ein steinernes Schloss. Und wie Charles Bovary, Emmas Ehemann, reagieren würde, schwach und profillos, so ist auch die Weigerung des Fischers der Forderung gegenüber, die Bitte dem Butt vorzutragen, keine entschiedene Ansage. Es sind weiche, unpositionierte Ausflüchte:

Von einem erwachsenen Menschen würde man eine Ansprache über Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit erwarten und einen Hinweis darauf, dass ihr Wunsch ausreichend erfüllt wurde. Wenn es nicht der richtige Wunsch war, muss sie die Verantwortung für ihre jetzige Realität dennoch tragen, denn sie ist das Produkt ihrer eigenen Wahl. Außerdem könnte man eine Absage an die Forderung erwarten, sich weiter als Bote einspannen zu lassen. Nichts würde die Frau daran hindern, jetzt selbst aktiv zu werden, außer, die Passivität des Mannes, die es ihr gestattet, nicht für sich selbst eintreten zu müssen. Für sie scheint, wie für Emma Bovary, die Forderung nach einem romantischeren, werthaltigeren Leben ausreichen zu müssen. Sie wird an den Mann gestellt und der soll sie erfüllen. Wahlweise werden Gelüste nach Reichtum, Genie und Ruhm auch an eine höhere Macht übergeben, die die Verwirklichung von Lebensträumen bewerkstelligen soll. Das ist das Wesen des Bovarismus, wie er aus der Literatur entlehnt in die Psychologie eingegangen ist. Nichts spricht gegen den Traum von Fülle, von Sinn und von Wohlstand, und dabei auf eine höhere Macht zu vertrauen oder irdische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn es in einer liebevollen Interdependenz geschieht, ist in Ordnung. Vergessen werden darf dabei aber nicht, dass auch die höhere Macht, die das Individuum zur Hälfte mit Genialität beehrt, zur anderen Hälfte auf ganz handfeste Kompetenz zugreift, durch die das Genie sich ausdrücken oder der Reichtum realisiert werden kann. Ein gefeierter Künstler oder wahlweise eine Schlossherrin, ein König, ein Kaiser oder ein Papst wird man durch innere und äußere Arbeit, durch die Identifikation von Fähigkeiten und die Ausbildung von Fertigkeiten und ein stetiges Verfeinern und Erweitern der Kompetenzen. Im Prozess der Heranreifung selbst erfährt der Mensch dann, wenn er sich dem Prozess mit der Hingabe absoluter Überzeugung für seinen Weg widmet, jene innere Fülle, nach der die Frau des Fischers wie auch Emma Bovary eigentlich suchen.

Genau wie Charles Bovary es formulieren würde, sind aber auch alle folgenden Repliken des Fischers weich und konturlos:

Mit der Einschätzung, was der Fisch nicht könne, projiziert der Fischer seine eigene Hilflosigkeit und seine Ohnmachtsgefühle auf den But. Denn statt der Ehefrau eine Grenze zu setzen, trabt er los und hat die Gedanken, die der Frau gelten sollten, nur in seinem Kopf:

Der Fisch aber dient gar nicht als Projektionsfläche. Er ist viel mächtiger als der Fischer vermutet und entgegen der Mangelvermutung, es könne im Reich nur einen Kaiser geben, hat der Butt die Macht, die Ehefrau zum Kaiser zu machen und dann auch noch zum Papst, von dem es nun wirklich nur einen auf der Welt geben sollte. Der Butt aber hat mit solch einem limitierenden Denken nichts am Hut und seine Macht ist ausreichend groß. Und zwar in beide Richtungen.

An der Stelle, an der in Gustave Flauberts Klassiker aus dem 19. Jahrhundert die Protagonistin Emma Bovary den Bogen überspannt und die Familie finanziell ruiniert hat, so dass sie keinen anderen Ausweg als den Selbstmord mehr sieht, nimmt der Butt den Fischersleuten alle gewährten Reichtümer wieder ab. Es ist vergleichbar mit dem Motiv des Selbstmordes, denn es ist das neue Leben, das den Leuten wieder genommen wird. Die Ehefrau wollte werden wie Gott. Sie überspannt, wie Emma, den Bogen.

Dafür, werden zu wollen wie Gott, gibt es jetzt allerdings mindestens zwei Lesarten: Der Entelechie nach ist die Frau wie jeder Mensch im Kern göttlich, und wie der liebe Gott zu werden ist an sich kein unvernünftiger Wunsch, zumal diesmal das Verb “werden” verwendet wird, den Prozess also meint und nicht das Verb “sein”. Die andere Lesart ist die von purer Hybris, und Hochmut kommt vor dem Fall. Die zweite Lesart geht von einem Gott außerhalb unserer selbst aus. Egal, welche Lesart zugrunde gelegt wird, nach beiden Lesarten muss die Frau wieder im alten Topf landen. Als Konsequenz auf ihre Hybris ist es ihre Strafe. Als Antwort auf ihren potenziell ernstzunehmenden Wunsch aber, muss sie am Anfang anfangen und den ganzen Weg gehen. Sie muss ihre Göttlichkeit durch Erfahrung und innere Arbeit entwickeln.

Jetzt ist es allerdings so, dass das Märchen „Von dem Fischer und seiner Frau“ das andere Märchen ist, das nicht „gut“ ausgeht. Das erste war “Das tapfere Schneiderlein”. Zwar haben wir hier nicht, wie in der Figur des tapferen Schneiderleins, am Ende einen Hochstapler auf dem Thron sitzen, den keiner leiden kann oder hätten in diesem Fall sogar einen gierigen Papst in der Welt, aber per Definition ist es dennoch kein gutes Märchenende. Ein Märchen, dessen Ende wir als “gut” empfinden, hat uns von der Reise des Helden erzählt, von seinem vernommenen Ruf, von seinem Aufbruch, von seiner Reifung, von seinem errungenen Schatz oder dem Bezwingen des Gegners und dann von seiner Rückkehr. Der gereifte Held, der während des Abenteuers eine Menge über sich selbst erfahren hat, macht seine neue Weisheit in der Welt geltend, aus der er aufgebrochen ist. Er kehrt also auf einem höheren Bewusstseinsniveau zurück oder übernimmt ein fremdes Königreich, das er fortan zum Gedeihen bringen wird. Vielleicht liegt es daran, dass die Selbstwertunsicherheit in unserer Mitte entspringt, dass wir ihr von außen einfach nicht beikommen können. Alle Reichtümer, Schlösser und Paläste helfen nicht über einen tief empfundenen Mangel an Selbstwert hinweg. Die Aufgabe der Vernunft, und zwar der eigenen, ist es, den Raum zu halten und sich selbst immer für wertvoll zu halten, egal was passiert, und Veränderungen einzuleiten, falls der aktuell erlebte Kontext den empfundenen Wert nicht mehr spiegelt. Geiz und Gier, die beiden Phänomene, um die es hier im Märchen geht, sind in dieser Erzählung mit der Selbstwertunsicherheit verbunden. Der Mann wertet sich selbst ab, indem er sich jeder Verbesserung seines Lebens enthält und die Frau überhöht sich selbst, indem sie voller Gier verlangt und verlangt. Dem Narzissmus der Frau steht der Mann in der Haltung des Märtyrers gegenüber. Im modernen Leben lägen hier das Cinderella-Syndrom und das Phänomen des Workaholics vor.

In diesem Sinne eines guten Märchenendes geht das Märchen also nicht gut aus. Die Fischersleute landen wieder im alten Topf und es heißt am Schluss:

Es machen sich eben viel zu wenig Menschen aktiv auf den Weg zu sich selbst und hinein in ihr Leben, das für sie gedacht ist. Gedacht von sich, ihrem höheren Selbst. Denn es ist ein Irrtum, zu denken, der alte, eklige, stinkende Topf, der Pisspott, sei von irgendwem für die beiden Leute gedacht, außer von ihnen selbst. Der zugrunde liegende Gedanke, sie seien nur eines stinkenden Topfs würdig, entspringt ihrem Wertlosigkeitsempfinden. Tatsächlich wäre für sie, wie für jeden Menschen, Fülle und Glück gedacht. Aber sie kommt nur zur Hälfte aus einer höheren Macht oder einem Zufall. Und der Zufall war dem Mann in Form des Butts immerhin über den Weg gelaufen. Jetzt hätten die beiden mit Vernunft, also Präsenz und Angemessenheit, etwas daraus machen müssen. Das hätte zunächst ein Erschaffen sein müssen, das nicht auf Gier basiert, sondern im Einklang mit ihrer Essenz geschieht, und dann hätten sie ihren Garten bestellen müssen, wie es am Schluss des französischen Romans “Candide” von Voltaire heißt, in dem auch die Frage nach dem Anteil von Schicksal und persönlicher Macht gestellt wird beim Erschaffen des eigenen Lebens. Ganz sicher liefert das nicht beeinflussbare Schicksal Gelegenheiten, in denen die Angel auf Grund geht. Unsere persönliche Macht liegt dann darin, mit der so entstandenen Situation weise und ruhig auch ein wenig närrisch umzugehen. Maßvoll, aber dennoch kühn. Fantasievoll und darin schöpferisch mitwirkend, statt nur zu konsumieren, was das Schicksal einem hinstellt.

So eine Haltung würde die Enge beider Räume verlassen, für die der Topf symbolisch steht, und würde einen dritten Raum eröffnen, ja neu erschaffen sogar, in dem Ausgeglichenheit und Wohlstand herrschen.

Posted on 15. April 2018 in Märchenmeditationen

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