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Lettres méditatives: Abgrenzung

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Liebe HSP-Community,

seit gestern diskutieren wir gemeinsam einen Artikel, der auf mymonk.de erschienen war und den ich gestern Morgen geteilt hatte (es wird später egal sein, um welches Gestern es sich handelete). In diesem Artikel ging es darum, dass wir uns jeden Morgen neu für eine Lebensbetrachtung entscheiden müssten. Im Artikel stand das Albert-Einstein-Zitat: “Unsere wichtigste Entscheidung ist, ob wir das Universum für einen freundlichen oder einen feindlichen Ort halten.” Dazu hatte ich die Skizze gezeichnet und das Zitat eingebettet und ihr sagt: “So einfach ist das überhaupt nicht.” Bei dem, was sich an der Supermarktkasse abspielt, über den Büroschreibtisch hinweg passiert, über den Messenger kommuniziert wird ist es nicht damit getan, sich dafür entschieden zu haben, dass das Universum ein freundlicher Ort sei, sagt ihr. Denn diese Entscheidung zerberste an der Realität, sagt ihr. Die Entscheidung werde an dem nächsten Mitmenschen umgekehrt, der eine gegenteilige Entscheidung getroffen habe, ohne mit der gelebten Realität seiner Entscheidung genug Abstand zu uns zu halten. Und ich weiß, was ihr meint. Der mies gelaunte Zeitgenosse, der keine Verantwortung für seine Gefühle übernimmt, sie stattdessen auf uns projiziert, kann uns den Tag ordentlich vermiesen.

Da fällt mir das Zitat aus dem Kinderbuch “Sara und die Eule” ein. Die weise Eule Salomon ist die, die spricht:

Zitat aus: Esther Hicks: "Sara und die Eule"

Zitat aus: Esther Hicks: „Sara und die Eule“

Und wie richtet man die Aufmerksamkeit aus?

Indem man kontinuierlich und konsequent innere Arbeit leistet. Nicht nur einmal im Schreibspiel oder in einem anderen Coaching oder in einer Therapie. Sondern kontinuierlich. Coachings und Therapien können als Initiatoren dienen, auch als Katalysatoren, vor allem aber als Schulen, in denen Methoden gezeigt werden, um anschließend weiterarbeiten zu können. Weiterzuarbeiten an den eigenen Schatten. Denn solange wir noch in negativer Resonanz stehen mit den Ereignissen in unserem Leben, solange sind noch Schatten im Unbewussten vorhanden, kommunizieren die Schatten der Anderen mit unseren. Solange haben wir Angst, Grenzen zu setzen, trauen uns nicht, Nein zu sagen, fürchten uns vor Konflikten und fühlen uns verletzt, beleidigt, wütend über Verhaltensweisen, die im Grunde nichts mit uns zu tun haben. Und die Arbeit, um die es geht, ist dabei die Emanzipation von alten Selbstbildern, die wir uns haben auferlegen lassen in einer Zeit, in der wir sie nicht hinterfragen konnten. Ich spreche von der Kindheit. Auch in der Kindheit gab es schon keine alleinige Wahrheit über die Wahrnehmung von Handlungen Anderer, selbst wenn es rein beobachtbare Fakten gegeben hat. (Ein Argument, das mir von Eltern gerne entgegengehalten wird, wenn die Wahrnehmungen über die Kommunikation zwischen ihnen und ihren Kindern auseinandergehen.) Die Auslegung der Fakten unterlag schon als Kind unserem Wesen, unserem Gemüt und Geist, den Themen, die ganz die persönlich Unsrigen waren. Darum haben Geschwister, die miteinander aufgewachsen sind, dennoch nicht die gleiche Kindheit erlebt. Ein alter Hut. Das weiß jeder, der sich schon mal in wahrhaft wahrhaftigen Momenten mit seinen Geschwistern ausgetauscht hat.

In dem Kinderbuch “Sara und die Eule” von Esther Hicks (das Buch wurde übrigens dankenswerterweise von einem Communitymitglied empfohlen) übernimmt die Eule Salomon der kleinen Sara gegenüber die Stimme des wahrhaft Erwachsenen, ja des Weisen. Saras Eltern hingegen – auch die Eltern von Saras Freund Seth – verhalten sich eben wie Eltern. Sie projizieren ihre Schatten auf die Kinder, hegen Erwartungen an die Kinder, bereiten ihnen eine Welt, die begrenzt ist durch ihre eigenen Limitationen im Denken und Fühlen. So entstehen Glaubenssätze in den Kindern, die zu deren inneren Kritikern werden und sich in Schuldgefühlen und Selbstzweifeln äußern. Schon für die Kinder spiegeln sich die eigenen Glaubenssätze im Verhalten ihrer Umwelt. Salomon spricht an dieser Stelle von “Vögeln gleichen Gefieders” und meint Resonanz und Synchronizität.

 Der innere Erwachsene

Wie im Kinderbuch haben nur wenige von uns als Kinder das Glück gehabt, in unseren Eltern wahrhaft authentische Erwachsene, ja sogar Weise gefunden zu haben. Ich behaupte zwar meinem Mann gegenüber immer, man könne auch ohne innere Arbeit seinen Weg gehen und den inneren Erwachsenen und sogar Weisen irgendwann finden und lebendig werden lassen, das Leben lasse ihn uns finden, behaupte ich, aber ich vermute auch, dass es ohne innere Arbeit bis weit in die letzten Jahrzehnte des Lebens dauern wird. Schneller geht es auf jeden Fall mit innerer Arbeit und das Gute daran ist: Dann hat man noch eine Menge Zeit, um sich und Anderen das Leben weniger zur Hölle zu machen. Ich will jetzt nicht gleich vom Himmel sprechen, zumindest nicht für die gesamte restliche Zeit. Da kommt die Schleife von oben ins Spiel, die Lemniskate, die ihren Sinn hat. Wo nur Licht ist, wird man irgendwann auch blind. Und erst durch die Erfahrung dessen, was man nicht ist, erkennt man, wer man stattdessen ist. Das Schreibspiel beginnt – ihr wisst es – mit der Frage: „Was ist… und was soll stattdessen sein?“ So liegen die beiden Pole der Schleife gleich zu Beginn auf dem Tisch. Der innere Schatten und die innere Sonne. Sich auf der Schleife zu bewegen und immer wieder den Punkt der Balance aufzusuchen, dahin können wir uns führen lassen und zwar von uns selbst, von dem Erwachsenen, der wir inzwischen sind.

Wenn also kein Erwachsener im Außen zu unserem heutigen Erfahrungsschatz gehört, wir ihn aber brauchen,  um uns auf dieser Schleife zwischen Angst und Liebe nicht in den Extremen zu verlieren, wo kommt er dann her? Erinnert ihr euch an das Instanzenmodell, das wir im Laufe des Schreibspiels individuell erarbeiten und an eurem persönlichen Leben festmachen oder schon festgemacht haben? In dem Modell ist der innere Erwachsene ja die Verbindung aus eurem männlichen und eurem weiblichen Wesensanteil und die beiden Anteile bilden zusammen die Vernunft. Empathie und Logik sind die physischen Manifestationen dieser Idee. Und dann geht es entscheidend um die Verbindung zwischen dem inneren Erwachsen und eurem inneren Kind, das unter anderer Begrifflichkeit eure innere Weisheit ist. Soweit in Kürzen skizziert. Oder noch kürzer:

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Diese Skizze kennen jetzt manche von euch schon. Sie ist erst kürzlich entstanden, als mich wiederum ein Community-Mitglied überhaupt erst auf die Idee gebracht hat, den inneren Erwachsenen einmal genauer anzuschauen, und nicht nur das innere Kind. Und die Verbindungen noch mal skizziert:

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Auf dem Weg zu innerer Freiheit

Vertrauen und Mut und die innere Weisheit bilden, wenn sie wirklich verbunden sind, automatisch die Grundlage für Akzeptanz, weil wir uns in dieser Verbindung in unserem höheren Selbst befinden. Die Akzeptanz ensteht dadurch, dass wir, indem wir uns durch unsere innere Arbeit für eine Haltung der Freundlichkeit entschieden haben (des Universums oder unserer eigenen), in der Lage sind, zu verstehen, was vor sich geht, zu erfühlen, was gebraucht wird und zu entscheiden, was wir erbringen wollen und was nicht. Über die letzte Entscheidung gibt es nie ein Muss, sondern in ihr liegt unsere Freiheit. Aus dem höheren Selbst heraus, das Leben absolut akzeptierend nehmen zu können befreit uns, so dass wir immer wählen können, in welcher Handlung oder Nichthandlung wir unser wahres Selbst und wie wir es gerade wahrnehmen, ausdrücken wollen. Mal sagen wir ja und geben und mal lehnen wir ab und halten uns zurück und jede Handlung ist ein gültiger Ausdruck unseres Selbst. Das muss uns erst mal klar sein. Und das uns unserer innerer Erwachsener. Es macht uns frei, ganz die Liebe zu sein, die wir in Wahrheit sind, jeder in seiner eigenen Individuation mit individuellen Wesenszügen, die er (hoffentlich) auslebt. Die Liebe schließt die Selbstliebe mit ein. Der Fürsorge für Andere geht unsere Selbstfürsorge immer voraus.

Und das ganze im Alltag, in dem wir auf Menschen treffen, die…

Jetzt erzählt ihr von Menschen am Arbeitsplatz, die ungebremst ihre schlechte Stimmung verbreiten und ihr leidet unter der Atmosphäre im Büro. Ihr erzählt von Menschen, die sich unaufgefordert selbst bei euch einladen, sich aufdrängen und ein subtil oder auch höflich kommuniziertes Nein nicht akzeptieren. Ihr berichtet von nörgelnden Menschen, die andere bekritteln, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Von unhöflichen Menschen in der Öffentlichkeit sprecht ihr, die euch rüde für irgendetwas angehen, das kaum der Rede Wert sein sollte. Ich könnte Erzählungen über Nachbarn ergänzen, die über den Gartenzaun hinweg kritisieren und bemängeln, von Familienmitgliedern berichten, die Forderung der Fürsorge stellen, weil man doch Familie sei, von Menschen, die ständig glauben, Dinge besser als Andere zu wissen und sich belehrend und hochmütig gebärden. Von Menschen, die sich in alles einmischen könnte ich noch berichten und die damit Andere ihre Erfahrungen nicht machen lassen oder die einen stundenlang zutexten und gar nicht merken, dass sie den Gesprächspartner nur als Resonanzboden missbrauchen. Von Menschen, die ständig zu spät kommen, die lügen, die kontrollieren, manipulieren… Und so weiter. Ihr wisst, worum es geht: Um die Grenzüberschreitung.

Für Andere einzutreten ist leicht

Ihr berichtet davon, wie leicht es euch fällt, für Andere einzutreten, für Gerechtigkeit zu sorgen, euch schützend vor Andere zu stellen und deren Rechte und Grenzen zu verteidigen. Aber für euch selbst fällt es euch schwer, und ich hatte die These aufgestellt, dass wir in der Verteidigung Anderen gegenüber einen anderen Stil anwenden, als notwendigerweise in dem Fall, dass wir für uns selbst eintreten. Einzutreten für Andere, so beobachtet ihr es auch selbst, wird als gerechter Zorn, als Edelmut und Heldentat angesehen, selbst wenn wir dabei heftig auftreten. Sich auf die gleiche Art für sich selbst einzusetzen wirkt nach ungesunder Aggressivität, weil es nach Verteidigung, also nach Defensive riecht. In der Defensive befindet sich jemand, der glaubt, dass der Andere Recht habe mit seinem übergriffigen Verhalten. Der es zumindest unbewusst glaubt. Sich selbst zu verteidigen setzt den Angreifer in eine überlegene Position und uns in die Position des Opfers. Einen Anderen zu verteidigen aber versetzt denjenigen, der von uns verteidigt wird… eigentlich auch in die Opferposition. Ja, doch, ich fürchte, der Mechanismus ist der gleiche.

Vor kurzem las ich in einem Facebookpost von einer Empfehlung, wie man sich idealerweise verhalten sollte, falls man einmal Zeuge von rassistischen Vorfällen werden sollte. Dort wurde empfohlen, sich nicht an den Täter zu wenden und nicht zu versuchen, das Opfer zu verteidigen, weil es dann nur erst Recht wie ein Opfer dastehen würde. Stattdessen sollte man sich dem Angegriffenen zuwenden und ihn durch ein Gespräch stärken. Dadurch würde dem Angreifer die Aufmerksamkeit und damit die Energie des Ärgers oder der Angst entzogen. Ideal ist dabei vielleicht, stelle ich mir gerade vor, eine ironische oder humorvolle Bemerkung zu machen, über die man miteinander lachen kann. Das würde dem Angreifer die Energie des Angriffs vollends entziehen, wenn sein Angriff zum Gegenstand einer gekonnten Eulenspiegelei würde. Also keine Verteidigung?

Und wenn wir uns jetzt nochmal um 180 Grad umdrehen und wieder bei uns sind? Wie sieht es da aus mit der Selbstverteidigung? Auch da ist Humor die beste Waffe von allen. Ein selbstgebasteltes Stoppschild für die Schwester, schnell gezückt oder gesendet. Ein humorvoller Kommentar an die Kollegin, die schlechte Laune konsequent ignorierend und dasjenige findend, mit dem sie doch hinter dem Ofen hervorzulocken sein könnte. Ich erinnere mich an so eine Atmosphäre letztes Jahr (Winter 2015) in einer Berliner Notunterkunft. Die Chefin der Security machte den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern zu schaffen mit ihrer chronischen Unfreundlichkeit. Der Unfreundlichkeit war auch mit keinem Mittel beizukommen, außer: mit einem Weihnachtsstern und einer Karte, in der stand, dass ihre Arbeit gesehen und wertgeschätzt werde. Die unfreundliche Mitarbeiterin dankte und sie knickste sogar wie ein junges Mädchen und änderte für Wochen gänzlich ihre Haltung. Nach Wochen war sie wieder die Alte, aber gut, ich sage ja eh, dass Kontinuität der Schlüssel zum Erfolg ist.

Jetzt war es allerdings so, dass ich auch nicht persönlich betroffen war. Mir war ihr Verhalten gänzlich gleichgültig und ich hatte den Weihnachtsstern mitgebracht im Versuch, jemand Anderen, der unter der eisigen Atmosphäre sehr gelitten hatte, zu unterstützen. Man könnte jetzt versucht sein, zu sagen: Ja, na bitte, wenn du nicht involviert bist, fällt dir sowas natürlich leicht. Der Punkt ist aber: Nicht mehr involviert zu sein ist genau das Ziel, ihr Lieben! Das ist es, worum es geht.

Wo ist denn euer Yin hin?

Denn warum traut ihr euch nicht, der miesepampeligen Kollegin zu sagen, wie es euch mit ihrem Verhalten geht, das keiner angemessenen Umgangsform entspricht? Warum kann Bruder oder Schwester nicht gesagt werden: “Jetzt nicht. Bitte kümmere dich um dich selbst”? Warum kann hier eurer Yang nicht in die Aktion gehen und eine präzise Grenze setzen, wenn jemand euch ungefragt umarmt und ihr das nicht wollt? (Das ist ein Beispiel von mir: Alter Mann, Nachbar, ließ sich bis zur letzten heftigen Erkältung auch durch nichts davon abhalten, seine Umarmung zu erteilen).

Das ist so, weil dem inneren Kind niemand zuhört, das zu sagen versucht, an was es die Situation erinnert. Weil niemand mit dem inneren Kind in die erlebte Situation zurückgeht und ihm dort beisteht und die Energie der Hilflosigkeit transformiert und so den Schatten auflöst, den die Kollegin antriggert. Weil niemand da ist, der Yang sagt, was jetzt gebraucht ist, um sich stark und beschützt zu fühlen und die Angst vor der Aktion, die nötig ist, abzulegen. Solange das so ist, kann Yang im Grunde nicht wissen, was er tun soll. Solange ist auch keine innere Weisheit aktiv, die eine kreative Idee zur Gestaltung der Situation anbietet, denn die innere Weisheit ist gebunden und blockiert im inneren Kind, das aber Angst hat. Wo aber ist euer Yin, das zuhören kann? Wir sind hochsensibel. Yin ist eigentlich unsere größte Stärke. Yin oder die Empathie. Yin oder das Empfangende. Yin oder das Fließende, das Fühlende, das Wahrnehmende.

Handeln oder nicht handeln ist gar nicht die Frage

Ich will nicht mal darauf hinaus, dass unbedingt und auf jeden Fall gehandelt und etwas unternommen werden muss. Zu entscheiden, die Dinge auf sich beruhen zu lassen, ist kein Nichthandeln. Nichts zu tun ist ebenso ein Handeln und wenn es im Verein zwischen den beiden Instanzen des inneren Erwachsenen mit dem inneren Kind entschieden wurde, ist es eine Lösung, die Zufriedenheit hervorruft. Wird allerdings nur deshalb nicht gehandelt, weil das innere Kind Angst hat, dann ruft das Nichthandeln die größte Frustration hervor. Das Zweite ist eine angstgesteuerte Entscheidung (wenn auch eine Entscheidung) und das Erste eine vernunftgesteuerte. Und zwar eine von echter Vernunft gesteuert, nicht von jener Vernunft, die wir so oft für Vernunft halten, die aber in Wahrheit eine Imitation der Elternstimme ist und sich als Vernunft tarnt: “Es wäre nun wirklich vernünftiger, wenn du…”

Was wir brauchen ist, dass Yin präsent ist und mit Yang  kommuniziert. Und ich führe das einmal vor an dem Beispiel des alten Mannes, der alle Welt umarmen will, während die Welt sich seiner Umarmung bisher eher subtil und erfolglos zu erwehren versuchte. Das Beispiel lässt sich hoffentlich leicht auf aufdringliche Schwestern und launische Kollegen und unfair agierende Vorgesetzte und alle Arten von Grenzüberschreitungen übertragen. Falls es Schwierigkeiten gibt, gibt es ja die Hangouts. Wir können uns das noch mal in einer kleinen Skizze individuell anschauen.

ein Beispiel

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Mein Gefühl sagt mir, dass es bei dieser vor Jahren ergaunerte Umarmung bei der einmaligen Ergaunerung hätte bleiben sollen. Seitdem versuche ich ihr auszuweichen, trete zurück, bleibe ein paar Schritte entfernt stehen, hebe die Hand, umarme niemals aktiv, nehme eine geschlossene Körperhaltung ein. Das innere Kind fühlt sich bedrängt. Zu viel unangemessene Nähe. Für die Nähe gibt es keine Grundlage und damit ist sie nicht authentisch, sondern übergriffig. Es erinnert mich an eine Familienfeiersituation in der ich als Kind von einem mir unbekannten erwachsenen Cousin über mein Tun und lassen ausgefragt wurde und der sogar seine Beobachtung, dass mir die Befragung unangenehm war, mit keineswegs rüdem Spott belegt hatte. Interessanterweise weiß ich gar nicht mehr, ob mich jemand der anwesenden Familie verteidigt hatte. Ich selbst hatte es nicht und die Übergriffigkeit habe ich bis heute gespeichert. Das innere Kind sagt, es will nicht umarmt werden. Es fühlt sich nicht wohl in der Umarmung eines Fremden, die sich wie eine Umklammerung anfühle.

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Ich lasse von Yin an Yang kommunizieren, dass wir Maßnahmen brauchen, Vorschläge, was wir tun können. Yang schlägt vor:

  1. Dem Mann einfach sagen, dass er das lassen soll.
  2. Jedes Mal Nein, danke sagen, wenn der Mann auf der Umarmung besteht.
  3. Ein Gespräch suchen und erläutern, dass wir keine Umarmung wünschen.
  4. Dem Mann konsequent aus dem Weg gehen.

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Ich lasse Yin die Vorschläge zusammen mit dem inneren Kind prüfen und mein Gefühl sagt mir, nichts von dem ist so einfach umsetzbar. Immer würden wir den alten Mann verletzen und beschämen. Für ihn ist es nur ein Begrüßungsritual, das ihm Freude macht, auch wenn er dabei nicht auf die Resonanz achtet. Er umarmt jeden, den er im Wald des morgens trifft, wenn er mit seinem Hund geht. Ihm zu sagen, dass wir uns aus der Riege herausstehlen wollen, ist extrem schwierig. Das innere Kind kann sich für keine der Maßnahmen entscheiden. Yin muss das innere Kind also fragen, was es braucht, um doch eine der Handlungen umzusetzen, falls es nicht noch weitere Alternativen gibt, die es nicht zu geben scheint. Kann es sich mit dem Umarmtwerden vielleicht doch arrangieren? Nein, das kann es nicht. In diesem speziellen Fall kam mir dann eine Erkältung zu Hilfe. Ausgerechnet der alte Mann hatte mich durch seine Umarmung mit seiner Erkältung angesteckt, über die er mich erst nach der Umarmung informiert hatte. Jetzt ist es so, dass die Erkältung bei dem Erkältungsinhaber “nur ganz leicht” sein mag, ich aber stecke mich jedes Mal an und bin danach eine Woche todkrank. So war es auch diesmal. Und der Virenüberträger war einwandfrei dingfest zu machen und hatte keine Wahl als die Verantwortung zu übernehmen. Unter dieser Konstellation konnte sich das innere Kind nun doch für einen der Vorschläge entschließen und es wählte Nummer drei mit dem Zusatz: “Wer mich einmal mit einer Erkältung angesteckt hat wird nie wieder umarmt. Das ist für mich eine Frage des Prinzips.” (Was immer das auch heißen mag.)

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Seitdem trete ich weiterhin nicht näher als auf Armlänge an den Mann heran, wenn ich ihn mit freundlichem Hallo begrüße, beginnen sofort ein Gespräch, so dass mein inneres Kind sich beruhigen kann, denn die peinliche Pause, die so leicht Einladung zu bieten scheint, durch eine Umarmung überbrückt werden zu wollen, entsteht gar nicht erst.

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Und das innere Kind sagt, so sei es in Ordnung. Ich habe erreicht, was ich wollte und konnte diplomatisch und liebevoll bleiben. In diesem Fall haben Yin und Yang noch die Komponente der Geduld und des rechten Augenblicks eingesetzt, um die vom inneren Kind gewünschte Form zu erreichen. Es fühlt sich jetzt frei und sicher, ist fröhlich und offen und ganz es selbst auch im Gespräch mit dem alten Mann, zu dem es seinen notwendigen Abstand jetzt zuverlässig gewahrt sieht.

Und im Ganzen sieht die zerstückelte Skizze so aus:

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Einige von euch, liebe Community, werden sie kennen. Und falls ihr jetzt fragen habt oder es einmal begleitet für euren eigenen Fall ausprobieren wollt, meldet euch bitte. Ansonsten wünsche ich euch, dass ihr eure Verbindungen herstellt bekommt und die Dinge bald auf eure entschiedene Haltung antworten, dass das Universum sehr wohl ein freundlicher Ort ist.

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Der Brief ist eine Antwort auf eine Diskussion, die auf Google+, in der Community für Hochsensible stattgefunden hatte.

Posted on 7. Dezember 2016 in Lettres méditatives

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