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lettre méditative: Sich selbst beistehen

Assoziationsarbeit mit Motivkarten.

Ihr Lieben,

gestern und heute trafen in der Facebook-Gruppe “HSP – lebe, liebe anders” gerade mehrere Threads aufeinander, die einen meiner jetzt wohl schon bekannten Text-Kurzschlüsse verursacht haben. Einerseits hatte jemand gestern eine Karte aus einem Orakelset hier gepostet. Andererseits fragte heute jemand, wie man am besten mit beunruhigenden Medienberichten umgehen könne. Und dann gab es noch eine Frage zum Thema Umgang mit hochkochenden Emotionen angesichts von empfundener Ungerechtigkeit. Alle drei Themen zusammengebracht ergibt diesen lettre méditative von mir für euch.

Ich will euch eine kleine Methode zeigen, mit der ihr euch in solchen emotionalen Stresssituationen selbst helfen könnt. Ihr könnt auf diese Art lernen, euch selbst zuzuhören und beizustehen. Mit der Methode holt ihr eure Intuition in euren Raum, eure Präsenz für euer Unbewusstes. So steht euer innerer Erwachsener eurem inneren Kind bei. Denn das, was beunruhigt ist, was Angst hat, was sich nicht zu helfen weiß, ist das innere Kind. Es sind unsere Gefühle, die haltlos herumschwirren. Und was uns beruhigen kann, was die Angst tilgen kann, was uns helfen kann, ist der innere Erwachsene. Das ist unsere Vernunft. Und nur um das gleich zu sagen: Die Vernunft ist nicht die Stimme, die sagt: “Jetzt reiß dich doch mal zusammen.” Das ist der innere Kritiker. Die Vernunft setzt sich zusammen aus unserer Präsenz (weiblicher Energie) und unserer Konsequenz (männlicher Energie) oder andere Begriffe, die es genauso beschreiben, sind: Intelligenz und Verantwortung. Beides zusammengenommen ist unser Verstand. Und es ist nicht das Denken in Gedankenschleifen angesichts von beunruhigenden Nachrichten oder von erlebter Ungerechtigkeit.

Die spezielle Karte, die gestern gepostet wurde, stammte aus dem Set “The Map – Weisheitskarten der Seele” von Colette Baron-Reid. Normalerweise sind die Karten als Orakelkarten konzipiert, aber ich würde euch gerne zeigen, wie ihr sie außerdem noch benutzen könnt. Die Methode ist inspiriert von der Assoziationsmethode C. G. Jungs und dient dem inneren Zuhören und der Neugestaltung von Innerlichkeit, wie auch immer sie sich präsentiert hat. Ihr könnt entweder Weisheitskarten benutzen oder auch eine Sammlung von Postkarten anlegen oder persönliche Gegenstände verwenden. Oder ihr könnt Märchenstellen nehmen oder Fotos oder Songtexte… Ich denke es ist klar geworden. Anything goes. Ganz postmodern.

And here we go.

Als erstes empfehle ich, die Karten in eine Fünfer-Struktur hinein zu sortieren. Die Karten, die ich im Präsenzcoaching verwende, habe ich dazu präpariert. Das sieht ungefähr so aus:

Ich habe Zahlen vergeben und die Begriffe prägnanter gesetzt.

Die Fünferstruktur folgt dem Aristotelischen Spannungsbogen, wie ihr ihn von jeder gut strukturierten Geschichte kennt. Selbst Geschichten, die so tun wollen, als hätten sie keinen Spannungsbogen haben einen. Pulp Fiction zum Beispiel. Die Fünferstruktur folgt der Erzählung des Helden. In Klammern setze ich die narrative Entsprechung und vor die Klammer die Fragen, die wir brauchen:

1. Was ist das Problem? (Ausgangssituation)

2. Wofür steht das Problem oder was steckt dahinter? (Scheitern eines Lösungsversuchs, weil Muster nicht erkannt)

3. Welche Art von Lösung könnte es geben? (Überraschende Wende)

4. Was braucht es konkret, damit die Lösung herbeigeführt werden kann? (Unausweichlichkeit)

5. Und wenn das geschieht, was geschieht dann mit dem Problem? (Lösung)

Selbstverständlich könnt ihr die Fragen für euch umformulieren oder anders wählen oder auch nur mit den narrativen Elementen arbeiten.

Danach sortiert ihr die Karten in diese Struktur hinein. Das macht ihr ganz intuitiv vorab. Wenn ihr stattdessen mit den Karten von Chuck Spezzano arbeiten wollt, speziell mit den “Karten der Erkenntnis auf dem Weg nach innen”, ist diese Struktur schon vorgegeben. Seine Karten sind schon thematisch sortiert. Aber ganz so sehr kommt es auf die Struktur auch nicht an. Das ist nur Hilfestellung.

Was ihr jetzt macht, ist dass ihr Stapel für Stapel durchgeht und euch jeweils eine Karte ganz intuitiv auswählt. Ich würde das nicht mit verdeckten Karten machen, sondern sowohl das Bild als auch den Begriff in euch schwingen lassen, damit ihr merkt, mit welcher Karte ihr in Resonanz steht. Für die richtige Karte wird ein klares Ja in euch sein. Ihr werdet es spüren. Die Kinder sagen an dieser Stelle immer “keine Ahnung, wieso”, wenn sie die Karten rauslegen. Aber es sind immer die richtigen Karten. Hier greift C. G. Jungs Theorie von Resonanz und Synchronizität. Das macht ihr für jede Frage mit jedem Kartenstapel. Wenn ihr die Karten nicht vorher sortieren wollte, müsst ihr den Stapel immer wieder von vorn und komplett durchgehen.

Jetzt habt ihr fünf Karten vor euch liegen, die diesem Spannungsbogen folgen, wie ihn eine gute Erzählung hat. Das sieht ungefähr so aus:

Und jetzt nehmt ihr euch Stift und Papier und 20 Minuten Zeit und schreibt auf die Karten. Karte für Karte. Ihr fragt euer inneres Kind, was ihm zu dieser Karte im Hinblick auf euer Problem einfällt. Dann setzt ihr den Stift auf und lasst euer inneres Kind erzählen. Es wird euch erzählen, wovor es genau Angst hat, was es so beunruhigt und woran es sich da erinnert fühlt und was es eigentlich bräuchte, um sich besser zu fühlen und welche Ideen es da auch schon zu hat und was es sich vorstellt, wie die Sache am Ende aussehen könnte. Vor allem dem letzten Bild könnt ihr viel Raum geben. So schreibt ihr die dunkle Geschichte um in eine heilende Geschichte.

Selbst, wenn ihr nicht sofort losgeht und umsetzt, was das innere Kind euch gesagt hat – obwohl das natürlich das Beste wäre – schwingt jetzt ein anderer Geist in euch. Ein Geist von Gestaltung hat Einzug gehalten, einer von Präsenz (das wart ihr gerade selbst) und von Ruhe (das ist euer inneres Kind jetzt). Und es schwingt auch ein Geist von Konsequenz und Mut in euch. Das seid auch ihr. Diese Seite ist eure männliche Seite und die wurde in der Frage 4 und 5 von eurem inneren Kind angesprochen.

Je öfter ihr dieses Spiel mit euch selbst spielt, desto routinierter werdet ihr darin, euch selbst zuzuhören. Irgendwann wird es kein Schreiben mehr brauchen, sondern nur noch eine kurze Meditation. Und noch später wird es nicht mal mehr das brauchen, sondern ihr erkennt im Moment des Geschehens, welche Muster bei euch gerade aktiv sind. Dann seid ihr in eurer Präsenz angekommen. Und das ist, mit ein bisschen Übung, ehrlich gesagt ein Automatismus für uns Hochsensible, denn wir sind ohnehin mit unserer Wahrnehmung ständig an dem Subtilen dran, das  uns umgibt. Und eigentlich auch an dem, das von uns ausgeht. Aber in der Identifikation dieses Subtilen, das von uns ausgeht, sind wir in der Regel nicht sehr geübt. Das zu üben, das leistet diese Methode.

Sobald ihr die Methode also zu eurer gemacht habt – und kreiert auch ruhig nochmal ganz individuell eure eigene aus diesem Vorschlag hier – seid ihr immer in der Lage, Verantwortung für eure Gefühle zu übernehmen. Und so hilft man sich selbst bei beunruhigender Nachrichtenlage wie auch bei emotionalen Stresssituationen.

Ich hoffe, euch hilft der Tipp weiter und macht euch Freude,

ganz herzlich,

Posted on 9. März 2017 in Hochsensibilität im Alltag, Lettres méditatives

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