loading please wait..

Hochsensibilität und Souveränität: Die innere Familie.

Während die vorherigen Artikel die Einzelprinzipien und -komponenten betrachtet haben, immer in Bezug auf die Hochsensibilität, schafft dieser Artikel hier die Synthese der Instanzen und Verbindungen.

Der innere Erwachsene, weiblicher Teil: Intuition

Der innere Erwachsene, männlicher Teil: Mut

Das innere Kind: Kreativität

Das innere Liebespaar: Magie oder Intelligenz

Die innere Familie: Souveränität oder das Prinzip 

Selbstverantwortung

 

Seit C. G. Jung die Synchronizität als Phänomen entdeckt und beschrieben hat ist eine geraume Zeit ins Land gegangen, bis das Begriffspaar aus Synchronizität und Resonanz schließlich und endlich in unserer Alltagssprache angekommen ist. “Ich sag nur: Synchronizität und Resonanz”, hört man es jetzt so leichthin gesagt, wo früher vom guten alten “Zufall. Reiner Zufall” die Rede war. Der Zufall bleibt der Synchronizität erhalten, denn nach C. G. Jung stehen die Ereignisse, die vom Individuum als in einem Zusammenhang miteinander stehend wahrgenommen werden, nicht tatsächlich in einem Kausalzusammenhang. Das äußere Ereignis, das aufgrund einer inneren Bewegung als bedeutsam wahrgenommen wird, steht selbst in seiner eigenen Ursachen-Wirkungskette und materialisierte sich selbstverständlich nicht losgelöst von einer nachprüfbaren Ursache. Zum inneren Ereignis aber, das der Wahrnehmung vorausgeht aber, steht es in einer zufälligen Beziehung. Die Fähigkeit, das synchronistische Prinzip zu leben (und zu lieben), nennt man Serendipität. Es ist die Beobachtungsgabe, die es braucht, um die Synchronizität überhaupt zu erkennen. Und ich behaupte: Hochsensible sind zur Serendipität hochbegabt. In ihr liegt eine Form von Intelligenz, die direkt mit ihrer Hochsensibilität in Verbindung steht. Es ist ihre Fähigkeit zur Präsenz.

Hochsensible nehmen alles in ihrer Umgebung sehr tief wahr, sehr breit, sehr genau. Sie erfassen die kleinsten Details in jeder Situation. Das führt einiges an Herausforderung mit sich, was die individuellen Kapazitätsgrenzen der Aufnahmefähigkeit angeht. Wenn man die eigenen Kapazitätsgrenzen aber gut kennt und gut handhaben kann, liegt genau in dieser Aufnahmefähigkeit eine große Gabe. Hochsensible bemerken Kleinigkeiten, die normalsensiblen Menschen entgehen. Dem Blick für die Kleinigkeiten ist unter der Voraussetzung der inneren Präsenz auch die Fähigkeit zu eigen, Zusammenhänge herzustellen, wo auf den ersten Blick keine zu erkennen sind. Wie im Beispiel von C. G. Jung, in dem eine Patientin von einem Skarabäus als Traumgegenstand spricht und der lauschende Psychoanalytiker chronologisch gesehen danach einem Rosenkäfer (was über das Kettenglied des Blatthornkäfers der nächste in diesen Breitengraden mögliche Verwandte zum Skarabäus ist) das Fenster öffnet. Es handele sich hier, so hatte Jung konstatiert, nicht um das Auftreten eines Kausalzusammenhangs. Der Rosenkäfer hatte nichts mit dem geträumten Skarabäus der Patientin gemeinsam. Die Aufmerksamkeit des Psychoanalytikers aber, die durch den Bericht der Patientin fokussiert war, macht die Anwesenheit des Rosenkäfers zu einem Fall von Koinzidenz. Und C. G. Jung prägte dafür später den Begriff der Synchronizität. Worum es sich bei der inneren Fokussierung handelt, ist das, was wir jetzt Resonanz nennen. Die Frequenz einer inneren Schwingung, die der Wahrnehmung eines äußeren Ereignisses vorausgeht.

Während man heute die Begriffskombination “Resonanz und Synchronizität” oft hört, meinen die meisten Menschen dennoch, es handele sich um ein Synonym zum glücklichen Zufall. Um ihn werden die Menschen, denen dieser vermeintlich glückliche Zufall begegnet, dann auch heiß beneidet. “Na, dem scheint einfach die Sonne aus dem Hintern”, heißt es dann gerne, und dieser Artikel hier wird beleuchten (wie passend), wie sehr das auch tatsächlich stimmt. Bei der Bewertung eines vermeintlich glücklichen Zufalls oder auch bei dem leicht hingeworfenen Resonanz und Synchronizität, wir die Resonanz leider oft übersehen. Das spürt man deutlich. Denn würde sie berücksichtigt, käme es vermutlich seltener zum Neidgefühl. Würde sie berücksichtigt, wäre der Sprecher sich der inneren Macht bewusst, die der Resonanz und Synchronizität zugrunde liegt. Sie liegt in uns. In jedem von uns. Wenn wir uns ihrer bewusst sind, können wir sie zur Lebensgestaltung nutzen, statt das Leben einfach nur hinzunehmen und Andere um ihre glücklichen Zufälle zu beneiden.

Die Kraft, von der ich spreche, ist die aus der Verbindung zwischen unseren Gefühlen und unserem Verstand. Die scheinbare Profanität wird diesem Begriffspaar genommen, sobald wir uns zu Gemüte führen, dass es sich dabei um nichts weniger handelt als um die Verbindung aus unserem inneren Kind und unserem inneren Erwachsenen. Und dass der innere Erwachsene sich auch noch betrachten lässt als die liebevolle Verbindung aus unserer weiblichen Energie, der inneren Mutter, und unserer männlichen Energie, dem inneren Vater. Diese Verbindung nenne ich Magie oder das innere Liebespaar. Man könnte sie aber auch ganz einfach als unsere wahre Intelligenz bezeichnen. Ein Leben unter dem bewussten Einfluss dieser Energie ist nichts weniger als das: Es ist intelligent und es ist magisch. Es ist voller Erotik, voller Licht, voller Schönheit und Kraft.

Das innere Kind ist im unerlösten Zustand die Ansammlung unserer Konditionierungen. Im erlösten Zustand ist es die Quelle unserer Kreativität. Die Kreativität verläuft über unsere Intuition als Produkt der Verbindung aus Präsenz (weiblicher Energie) und innerem Kind (unbewusstem Geist), und zusätzlich über unseren aktivierten Mut zum konsequenten Handeln (männliche Energie). In der Hinwendung zum inneren Kind, das wiederum nichts weniger ist als unser Wissensbrunnen an Erfahrung (Erleben, Bildung, Reflexion, aber auch Konditionierungen aus Konvention, Erziehung, Tradition, Dogmen und Ideologien) und unserer Anbindung an höhere Quellen der Weisheit (u. a. an das wiederum von C. G. Jung definierte kollektive Gedächtnis der Menschheit, aber auch unser höheres Bewusstsein), wird das innere Liebespaar zum idealen Elternpaar.

Aus der Fähigkeit zum reinen Zuhören, die in unserer weiblichen, empfangenden Energie und damit in unserer Hochsensibilität liegt, entsteht über das innere Kind eine Verbindung zu unserer inneren Weisheit, die der Erfahrung nach nicht mehr alleine auf unserem konditionierten Denken basiert. Ein Fall von Synchronizität ist die Manifestation dieses Vorgangs in unserem Erleben. Sie ist das Ergebnis eines echten und puren Gewahrseins, eines unkonditionierten Lauschens auf die Details der äußeren Umstände und der Gefühle und Impulse aus dem eigenen Innern. Dazu muss sowohl unser Kontrollbedürfnis aufgegeben werden, als auch die naive Idee, wir könnten innovative Lösungen herbeiführen, indem wir den Intellekt per Denkprozess in unseren Datenmengen der Vergangenheit wühlen lassen. Unsere wahre Intelligenz ist unsere Intuition, an der unsere Hochsensibilität maßgeblich beteiligt ist. Aus der Verbindung zwischen dieser Intelligenz (aus Präsenz + Weisheit) und unserer männlichen Energie (Konsequenz) entsteht das Prinzip Selbstverantwortung. In der Selbstverantwortung liegt nicht nur der Mut und die Aktivität, Eigenschaften, die wir dem männlichen Prinzip zuschreiben. In der Selbstverantwortung liegt auch das Wissen darüber vor, wer wir in unserer Essenz sind, was uns ausmacht und was wir brauchen, um unsere Essenz in unserer Existenz manifest zu machen und damit uns mit unserem Selbst in Übereinstimmung zu bringen. Hier liegt das Bewusstsein dafür, wo unsere Stärken und wo unsere Grenzen liegen. Wir kennen die inneren Bilder, die über unsere Potenziale in den einzelnen Lebensbereichen sprechen. Die Selbstverantwortung ist nicht einfach nur los stürmende männliche Energie, die versucht, Ideen in die Tat umzusetzen. Der Selbstverantwortung ist inhärent, dass das Ziel überprüft wird, inwiefern es wirklich unser ureigener Traum ist und nicht etwa der Traum eines Anderen. Unter diesem Prinzip wird hinein gespürt, ob die Verwirklichung des Traums die Ganzheit des Menschen berühren würde. Denn wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, führt bereits der erste Schritt in die Vervollkommnung des Menschen. Dann wird der Weg tatsächlich zum Ziel und es ist gleichgültig, wann das Ziel erreicht wird und sogar, ob überhaupt.

Ein Mensch, der vollständig in seiner Verbindung zwischen Yin und Yang und dem inneren Kind ist – oder auch zwischen seiner Präsenz und seiner Konsequenz und seinem unbewussten Geist – seiner Intelligenz und seinen Emotionen – in der Verbindung also aus Verstand und Gefühl, der wird als souverän und authentisch erlebt. Sobald eine der Instanzen schwach oder ausgeschaltet ist, leidet die Souveränität und die Authentizität. Wir erleben dramatische Auftritte, weinerliche Abwehrreaktionen, emotionale Überreaktionen oder Passivität, Apathie und Depression. Hochsensible Menschen fühlen den Mangel an Authentizität schnell, egal, welche Maske zum Vertuschen des Mangels aufgesetzt wurde. Sie spüren, dass der Mensch unter seiner Arroganz, seiner Blasiertheit, seiner Wut ganz einfach nicht in seiner Kraft ist. Es ist die Schwingung, die den Mangel kommuniziert und die sich in Körperhaltung, Gesten, Mimik, Stimme, Wortwahl und Energie manifestiert. Die Resonanz ist dann ein Mitschwingen, entweder als reines Beobachten und als Mitgefühl oder als Ablehnung und Widerstand.

Die Resonanz ist jene Schwingung, die wir als Ausstrahlung wahrnehmen können. Sie ist stark oder schwach und sie nimmt energetisch die Frequenz von Gemütszuständen an: Ärger, Furcht, Ekel, Traurigkeit, Überraschung, Neutralität, Freude, Angst, Liebe, Depression, Apathie, Verachtung, Stolz, Scham, Schuld, Neid, Gier, Frieden… Im Körper sind diese Gemütszustände sensomotorisch erfahrbar und von sensiblen Menschen auch von außen wahrnehmbar. Diese Gefühle können einen vorübergehenden Gemütszustand bilden oder sie repräsentieren die Bewusstseinsstufe eines Menschen, die als Grundtenor in der Lebenseinstellung und als Grundtonus in der Körperhaltung erlebbar ist.

Diese Resonanz ist beeinflussbar. Und diese Resonanz erzeugt Magnetismus. Sie wirkt anziehend oder abstoßend. Anziehend auf das, was zu dieser speziellen Frequenz der individuellen Resonanz passt. Und abstoßend dem gegenüber, das nicht passt. Man steht also in Resonanz oder nicht in Resonanz mit etwas, das einem im Leben zufällig oder nicht zufällig begegnet. Dabei ist die Emotion der Indikator dafür, ob man in Resonanz steht oder nicht. Eine positive oder negative Reaktion zeigt die Resonanz an. Die innere Ruhe signalisiert das Fehlen von Resonanz. Man schwingt nicht mit, man bleibt außen vor. So kommt es zu der, auf den ersten Blick absurd anmutenden Idee, dass Dankbarkeit der schnellste Weg sei, mehr vom Guten in das eigene Leben zu ziehen. Dagegen sei Widerstand geeignet, mehr vom Unerwünschten anzuziehen. Die Resonanz der Freude hinter der Dankbarkeit fokussiert unseren Blick und lässt uns weiteres Freudvolles bemerken, dass sich schon längst in unserem Raum befindet. Die Resonanz des Widerwillens lässt uns mit dem gleichen Mechanismus weiteren Ärger anziehen. Und es befindet sich immer beides schon in unserem Raum, bereits sichtbar oder noch unsichtbar. Es gibt keine Situation, die nicht der Polarität unterliegt und damit beide Energien beherbergen würde, das, was wir als negativ empfinden und das, was wir als positiv empfinden. Wobei gesagt sein will, dass diese Wahrnehmung höchst individuell unterschiedlich ausfallen kann. Und es sei denn, wir haben die Polarität überwunden, indem wir aufgehört haben, Dinge als positiv oder negativ zu bewerten.

So kreieren wir mit der Resonanz in uns, die – zur Erinnerung – unserem inneren Kind entspringt, unsere Realität. Unsere Gefühle, unsere Erinnerungen, unsere Glaubenssätze, unsere Absichten und Motivationen bilden diese Resonanz. Wenn wir glücklich genug sind, einen inneren Erwachsenen in uns präsent zu haben, nehmen wir mit weiblicher Intuition, (aber es ist die Verbindung und nicht das Weibliche an sich) wahr, welche Resonanz in uns vorherrscht. Sich selbst als negativ denkenden latent aggressiven Miesepampel zu entlarven kann zum Beispiel helfen, um die Ratlosigkeit darüber zu beenden, dass man irgendwie nur negative Menschen und Ereignisse in sein Leben zieht und von vorbeigehenden Hunden angeknurrt wird. Die Selbsterkenntnis wäre der wichtige Schritt vor der höchst relevanten Frage: Wie will ich mich denn stattdessen fühlen? Und die Frage steht vor der Frage: Was hindert mich denn daran, mich so zu fühlen? Und der wiederum folgt die Frage: Und was brauche ich dazu?

All diese Fragen stellt Yin, unsere weibliche Energie, die im Gehirn das entsprechend forschende Denken, das Lauschen, das Verstehenwollen aktiviert. Beantwortet werden die Fragen vom inneren Kind und im Modus des echten, des bedingungslosen Zuhörens werden sie erfasst. Denn wenn konditioniertes Denken auf bedingtes Zuhören träfe, bliebe man in der Konditionierung stecken und es würde nichts Neues produziert. Tatsächlich aber gibt es kein bedingtes Zuhören, sondern es gibt nur Zuhören oder nicht Zuhören. Was wir so oft tun, wenn wir mit dem Kopf voller nächster Gedanken “zuhören” ist in Wahrheit nur ein Abwarten, bis man wieder an der Reihe ist zu reden.

Aber im Modus des echten Lauschens werden die Antworten uns in Erstaunen versetzen. Das ist nicht mehr das Wühlen in den Daten der Vergangenheit, das wir kennen und lange schon satt haben. Dass es sich um eine andere Antwort als die aus dem Denken handelt, bemerken wir daran, dass wir die Antwort nicht sofort erhalten, sondern, wie Rilke es beschreibt, in die Fragen hineinwachsen. Wir erlauben unserer Essenz, sich in die Fragen hinein zu ergießen, so dass die Antworten irgendwann plötzlich erscheinen – als Geistesblitz – oder irgendwann einfach da sind – wie eine glitzernde Muschel im Sand, die immer schon dort lag. Es heißt dann, nicht wir würden die Antwort finden, sondern die Antworten würden vielmehr uns finden. Wir werden gefunden. Wir hören also auf zu suchen und erlauben uns selbst die Freiheit, gefunden zu werden. Das ist übrigens die wahre Meditation.

Das meditative Schreiben, zu dem ich meine Klienten im Schreibspiel anrege, ist ein Weg, der Ungeduld des Wartens zu begegnen und dem Gefundenwerden auf die Sprünge zu helfen. In diesem manchmal fast tranceartigen Fließenlassen von Schrift (besonders von Handschrift) liegt die Energie des Lauschens. In ihr manifestiert sich die erwartungsfreie Stille, die den Raum erschafft, in dem der Mensch über die Schrift von neuen Impulsen überrascht werden kann. Wir befinden uns hier sowohl in unserem Wissensbrunnen aus Erfahrung als auch in der Chance auf transrationale Impulse.

Und dann kommt Yang wieder ins Spiel und Yang ist die Komponente der Manifestation jener Antworten im Leben, die einem zufallen. Yang ist verbunden mit Yin und Yin hat die Antworten vom inneren Kind und es handelt sich um Antworten das Individuum betreffend, die Familie betreffend, die Partnerschaft, alle Beziehungen, den Frieden, die Liebe, die Welt, das Leben.

Wir finden unseren Platz im Leben, wenn wir in unserer Verbindung zu uns selbst sind, der Verbindung zwischen unserem Gefühl und unserer Vernunft. Wir haben eine Vorstellung davon, wie die Qualität dieses Platzes sein soll und über ein Nachhausekommen zu uns selbst in dieser Verbindung kreieren wir die Resonanz in uns, mit der Yang, die handelnde Kraft in uns, unsere Schritte lenkt. Wenn wir diesem Gelenktwerden, dem Yang mit der Energie der zielgerichteten Aktivität folgt, Vertrauen schenken, ganz Yin sind, ganz beobachtend und lauschend im Abgleich mit den Reaktionen des inneren Kindes auf das Geschehen, landen wir schließlich an dem Platz, an den wir ganz einfach passen. Wir erkennen es daran, dass wir uns wohlfühlen in unserer Haut und dass uns alle möglichen Synchronizitäten begegnen, die wir nicht mehr für bloße Zufälle halten können. Wir bemerken, dass uns irgendwie die Sonne aus dem Allerwertesten scheint und Andere bemerken es auch. Selbst dann, wenn wir es uns noch nicht weiter erklären können. Aber die Sonne ist da.

Wir können von uns sagen, wir wissen, wer wir sind. Wir sind jetzt authentisch, identisch mit unserem Selbst. Das Selbst ist unsere Sonne. Und das ist kein unerreichbares Ideal aus einem Bildungsroman des 19. Jahrhunderts, in dem der Protagonist genau an diesem Ideal scheitert und pessimistische Autoren das Ideal mit Titeln wie “Verlorene Illusionen” (Balzac) für illusorisch erklären. Es ist unser Recht und unsere Fähigkeit, die Kräfte in uns zu aktivieren und zu unserer Vollkommenheit zu verbinden.

Aus der Authentizität heraus haben wir den Geschmack von Fülle ständig auf der Zunge und unsere Worte werden sich entsprechend färben. Wir werden anziehend. Wir strahlen Fülle und Reichtum aus und gehen in die Ernte, wenn die Zeit reif ist, denn wir haben unserer Resonanz gemäß vorher gesät. Jetzt vertrauen wir darauf, dass unsere Bedürfnisse sich erfüllen, entsprechend der inneren Bilder, die ihre Erfüllung bereits angekündigt hatten. Alles wird zur rechten Zeit eintreffen und wir werden immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Wir müssen nichts mehr erzwingen. Wir tragen die Welt nicht mehr wie ein Kettenhemd, sondern wie ein locker und luftig sitzendes Kleidungsstück mit viel Bewegungsfreiheit.

Und in diesem Kleidungsstück sind wir so frei von allem Zwang, dass unsere Beziehungen eine ganz neue Qualität annehmen. Wir lieben, aber wir brauchen nicht mehr. Wir haben Präferenzen, aber wir sind nicht mehr abhängig, geschweige denn süchtig nach etwas. Wir brauchen keine Erwartungen mehr an Andere stellen, dass sie auf eine bestimmte Art für uns da sein mögen. Wir sind uns selbst jetzt Familie. In der Verbindung mit uns selbst sind wir präsent für unsere Bedürfnisse und kompetent, sie zu erfüllen. Wir brauchen keinen Retter mehr, keinen Versorger, niemanden, der uns glücklich macht, unsere Probleme löst, uns zuhört und uns sieht. Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht mehr gegenseitig unterstützen oder einander nicht zuhören wollen und sollen. Es bedeutet vielmehr, dass wir genau das jetzt wahrhaft tun können. Wo wir vorher als Energievampire und emotional Bedürftige aufgetreten sind, geht von uns nun eine souveräne Haltung aus, die auf Ausgleich bedacht ist. Weder werden wir ein Gespräch dominieren aus dem dringenden Bedürfnis des inneren fünfjährigen Kindes heraus, bitte, bitte gesehen zu werden, noch werden wir Anderen erlauben, uns für ihr Aufmerksamkeitsbedürfnis zu missbrauchen. Wir werden uns zurückhalten können. Und wir werden Grenzen setzen. Zeitgrenzen. Inhaltliche Grenzen. Grenzen der Form und des Stils. Wir werden Verantwortlichkeiten wieder dorthin verteilen, wo sie hingehören und auch unsere eigenen wieder zurücknehmen. Nicht Andere sind für unser Glück zuständig und wir sind nicht für das Glück Anderer verantwortlich. Ich bin es selbst, wie jeder es für sich ist. Und jetzt, aus der inneren Verbindung heraus bin ich auch kompetent.

Da wir wissen, dass es sich bei der Verbindung nicht um eine Gabe weniger Auserwählter handelt, sondern dass sie jedem zugänglich ist, der sich für die Selbstverantwortung entscheidet (was allerdings nicht in jeder Lebensphase so leicht fällt), werden wir auch die Anderen ab sofort für kompetent halten, für sich selbst zu sorgen. Wir werden niemandem mehr erlauben, seine gelernte Hilflosigkeit in unserem Raum abzuladen und sie dann noch hinter einer Maskerade der Arroganz zu verstecken. Wir erlauben Anderen nicht mehr, nur von uns zu nehmen, ohne etwas zurückzugeben. Auch hier spreche ich nicht von einem Aufrechnen der gegenseitigen Unterstützung. Ich spreche vom energetischen Ausgleich. Wir alle kennen diese Beziehungen, in denen die Energie irgendwann, ohne, dass uns die Ursache bewusst geworden ist, in eine Schieflage geraten ist. Das kann selbst dann passieren, wenn immer penibel aufgerechnet worden ist. Und wir kennen solche Beziehungen, in denen wir de facto alleine die Gebenden sind und doch fühlen wir uns tausendfach honoriert und beschenkt und die Sache befindet sich entgegen dem äußeren Anschein in einer Balance.

Was wir aber auf jeden Fall nicht mehr erlauben, ist ein energetischer Missbrauch. In der intakten Verbindung der Familie in uns haben Glaubenssätze wie “ich muss nützlich sein, um geliebt zu werden” oder “ich muss in Vorleistung gehen” oder “ich muss mich kümmern, sonst…” keinen Platz mehr. Der Familie in uns entströmt das Gefühl bedingungslos geliebt zu sein, gehalten zu werden und einen absoluten Wert zu besitzen und nicht nur relativ zu unseren Leistungen. Wir sind die Liebe und müssen sie jetzt nicht mehr im Außen suchen. Das heißt nicht, dass wir die Liebe im Außen nicht genießen, aber wir sind nicht mehr abhängig davon, von jemandem geliebt zu werden. Solche Menschen genießen jetzt das Alleinsein und fühlen sich keine Sekunde mehr einsam. Ihre Beziehungen verlaufen harmonisch in einem alchemistischen Sinn. Diese Beziehungen werden zu Laboratorien für Wachstum. Denn diesen Menschen mit einer intakten inneren Familie im Innern ist mehr als klar, wozu Beziehungen dienen.

Beziehungen gleich welcher Art werden für bewusste Menschen zum Spiegel. Indem sie sich mit ihrer aktivierten Präsenz in den Beziehungen beobachten, erfahren sie alles über sich selbst. In den Beziehungen lauschen sie ihren konditionierten Reaktionen, beobachten ihre Muster, ihre Limitierungen, aber auch ihre Freiheit und ihre Kreativität. Sie entdecken, wo ihr Geist noch überraschend eng ist und wo er schon weit ist, und entscheiden, wo noch Fenster geöffnet werden müssen und Räume erweitert werden wollen. Sie entdecken noch versteckt liegende Schatten. Und indem sie jedem Konflikt aus diesen Gründen dankbar sind, gelangen sie zu einer grundsätzlich verzeihenden Haltung, die kommuniziert, dass es in keinem Konflikt je etwas zu verzeihen gibt. Die Idee von Schuld wurde zugunsten des Prinzips Selbstverantwortung aufgegeben. Jede Dissonanz, jeder Verlust, jeder Schmerz, jede Trauer wird jetzt als Weg zurück zu sich selbst betrachtet, indem Schatten um Schatten integriert wird. Über den Weg der Präsenz von Yin zum unbewussten Geist des inneren Kindes werden die Schatten erhellt, wird ihr Schmerz geheilt und wird die reflektierte Erfahrung als Weisheit integriert in jenen Wissensbrunnen, auf den unsere Intelligenz wiederum zugreifen kann.

So ein Mensch voller Weisheit strahlt Schönheit aus. Eine lebendige innere Schönheit von der wir im Außen nicht unseren Blick abwenden können und die uns magisch anzieht. Es ist die Schönheit der Weisheit, die der Erfahrung. Es ist Güte und Verständnis und Mitgefühl, das von so einem Menschen ausgeht. Es gibt nur noch wenig, in das er sich nicht zumindest hineinversetzen kann und zu dem er einem anderen Individuum nicht die Freiheit der ganz eigenen Erfahrung gewähren könnte. Von einem Menschen in seiner Verbindung geht Frieden aus. Seine Schatten kommunizieren nicht mehr unbemerkt und unbewusst mit den Schatten anderer Menschen. Eine Projektion oder Übertragung entgeht ihm nur noch selten. Was nicht heißt, dass sie nicht stattfindet. Aber sie findet nicht mehr unbewusst und unbemerkt statt und damit ist ihr die gefährliche und oft verletzende Klinge genommen.

Nein, so ein Mensch, der in seine Kraft hineingefunden hat, erscheint uns wie eine gute Fee, egal ob Mann oder Frau und wir würden staunen, wie sehr manche hochsensiblen Kinder schon diesem Archetyp entsprechen. Aus unserer Kraft heraus helfen wir Anderen, ihre eigene Geschichte eines guten Lebens zu schreiben und zu realisieren. Jeder von seinem Platz aus. So jemand kann auch für die inneren Kinder Anderer präsent sein und hat ein Talent dafür, Andere zu beschenken, so dass deren innere Kinder gestärkt werden und über die Freude in die eigene Kraft hinein finden.

Dieses Talent ist im Grunde unsere Intelligenz. Vor kurzem sagte ich zu jemandem: “So etwas wie Genie gibt es nicht”, und was ich damit meinte, war die Genieästhetik, wie sie im 18. Jahrhundert entstanden ist und seitdem für eine intellektuelle Leistung des Individuums gehalten wird. Manche lassen extra ihren Intelligenzquotienten messen und zählen sich anschließend bei entsprechender Messziffer zu den 3% der Hochbegabten in unserer Bevölkerung. Sie halten ihre kognitiven Fähigkeiten für besonders stark und sich selbst für intelligenter als den Durchschnitt der Bevölkerung.

Ich würde meine Aussage zum Genie noch modifizieren wollen: Ein Genie hat nichts mit den kognitiven Fähigkeiten und dem Denken zu tun. Ein Genie ist jemand, der einen Raum in sich hergestellt hat, in den Innovation einfließen kann. Mag sein, dass so jemand auch Figuren- und Zahlenrätsel gut lösen kann. Aber jemand, der per Geistesblitz Erfindungen und Problemlösungen hervorbringt, sich aber nie den Figuren- und Zahlenrätseln gestellt hat oder sogar an ihnen gescheitert ist, ist dennoch ein Genie. Ein Genie bringt weit entfernt liegende Gedanken an einem Ort zusammen, um neue Ansätze, neue Lösungen, neue Erklärungen zu finden. Es geht dem Genie, das sich selbst gar nicht als Genie bezeichnen würde, um Erklärungen, die die Menschen besser erreichen und ihnen dienen, sich selbst und die Welt besser zu verstehen. Ein Genie ist der, der verstehen will. Ein Genie hat die Verbindung in sich selbst so hergestellt, dass der Mensch in die Präsenz gehen kann, ja im Modus der Präsenz lebt. Er ist präsent. Sein Leben ist gelebte und lebendige Meditation. Dieser Zustand ist weit entfernt von den Klischees der Entrücktheit eines zerstreuten Professors oder eines von der Welt abgehobenen Yogis. Die Meditation eines Genies ist die des wachen Geistes, der seine (Hoch)Sensibilität nutzt, um die Welt wahrhaft zu sehen, zu hören, zu fühlen, wahrzunehmen. Wenn manche Bücher über Hochsensibilität also Statistiken anführen, um eine Übereinstimmung zwischen der Hochsensibilität (20%) und der Hochbegabung (3%) zu dementieren, würde ich gerne Einspruch erheben. Bei den 3% handelt es sich lediglich um eine Zahl von Menschen, die sich dem Erfassen von Zahlen- und Figurenrätseln als Test unterzogen haben. Unter den 20% hochsensibler Menschen sind aber noch viel mehr, die eine Intelligenz aufweisen, die weit über dokumentierbares Denkvermögen hinausgeht. Nicht alle HSP weisen diese Intelligenz automatisch auf. Aber jene HSP, die sich von ihrem konditionierten Denken befreit haben und es schaffen, in ihre Präsenz zu gehen, die erweisen sich als wahrhaft intelligente Wesen. Im wahren Zuhören und wahren Beobachten fließen Impulse für neue Sichtweisen und Durchbrüche ein. Aus der Verbindung heraus finden diese Durchbrüche ihren Weg in die Welt, werden artikuliert, wird nach ihnen gehandelt und so werden sie geteilt.

Er wird allerdings gar nichts anderes gelebt und geteilt, als das Bewusstsein dafür, dass alles Abbild von allem ist, und dass sich die wirkenden Kräfte immer identifizieren lassen als Yin und Yang und unbewusster Geist. Als Mutter (Yin), Vater (Yang), Kind (Geist). Als Körper (Yang), Geist (inneres Kind) und Seele (Yin). Als Mutter Erde (Yin), Vater Kosmos (Yang) und Mensch (Schöpfung). Als Gott/Schöpfer (Yang), Sohn (Schöpfung/Geist) und heiliger Geist (Yin). Als Samen (Yin), Baum (Yang) und Frucht (Kind).

Der in seiner Verbindung seiende Mensch präsentiert sich nur noch als lebendige Verkörperung dieses Dreigespanns und lobpreist es mit der Anmut und der Würde, der Integrität und ganz einfach der Liebe, die von seinem Leben ausgeht. Er muss nicht mehr danach fragen, woher die höhere Weisheit und das tiefere Wissen kommen. Er wird weder von seinem Genie sprechen, noch die Intuition anderer anzweifeln müssen. Er wird ganz wissen, was er weiß und dem Nichtwissen ganz Raum geben und in beidem ganz Liebe und Weisheit sein, indem er Andere einlädt, jenen inneren Raum ebenfalls zu betreten, den er selbst jeden Tag ganz automatisch aufsucht. Nicht durch die gewollte, absichtsvolle Meditation sucht er ihn auf, sondern einfach durch Leben. Der Sinn von Leben ist für den Mystiker Leben. Leben und Liebe. Sich zu verbinden auf den Ebenen von Herz, Seele und Körper ist ein Geist, der manche der digitalen HSP-Communities durchzieht, in denen Menschen sich aktiv einbringen, die in ihre Kraft gefunden haben. Die Menschen strahlen durch ihre Texte hindurch lebendige Freude und unterstützende Weisheit aus. In diesen Gruppen mit vielen Menschen, die mit sich selbst in Verbindung stehen, herrscht ein Geist der Freundschaft, der Bedingungslosigkeit und der Achtsamkeit. Über den Vorwurf, so ein Raum und so ein Geschehen sei nur virtuell und nicht real, können diese freien Geister nur lächeln. Schließlich trifft man in diesem virtuellen Raum ganz empirisch erlebbar auch jene anderen Gruppen an, auch HSP-Gruppen, in denen es dogmatisch und trennend zugeht. Das Wissen aber, dass alle Phänomene nichts Anderes als Produkte des bewussten und des unbewussten Geistes sind, nimmt dem Argument der bloßen Virtualität jeden Wind aus den Segeln. Wenn Virtualität Teil unserer Lebenswirklichkeit ist und Gedanken, die dort produziert werden, Auswirkungen auf unser Sein haben, ist das unter virtuellen Bedingungen Produzierte auch real. Es kommt auf diese heiligen Augenblicke an, in denen ein Ausdruck von Licht – virtuell oder physisch – eine Erstarrung zu lösen vermag und der andere Mensch ebenso in die Verbindung zu sich selbst hineinfindet. Diese Verbindung geschieht über den Körper, das Schreiben, das Sprechen, das Zuhören, das Sehen, das Berühren, das Mitfühlen… und ist immer real. Auf diese Art weben wir Lichtnetze und schlagen Brücken, um Distanzen zu überwinden. Zuerst die in uns. Und dann die zum Nächsten. Wir sind gänzlich souverän darin, ohne eine atheistische Pose einnehmen zu müssen oder einer überdrehten Esoterik anzuhängen. Einfach Meditation. Mit ihr strahlen wir aus, dass wir wissen, wer wir sind (inneres Kind), dass wir unseren Wert schützen werden und zum Ausdruck bringen (Yang) und dass wir mehr wahrnehmen als nur unsere Vergangenheit (Yin). In den Raum des Nichtwissens, dem wir uns so oft wie möglich hingeben und der die Grundlage unserer Präsenz ist, scheint die Sonne aus der Zukunft hinein. Die Sonne aus der Zukunft, die uns in der Gegenwart bereits aus unserem Allerwertesten scheint als klares Indiz dafür, dass wir in unsere Souveränität hineingefunden haben. Unsere Essenz mit unserer Existenz in Übereinstimmung gebracht zu haben, das lässt unsere Sonne scheinen.

Über die Autorin:

Der Artikel wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 3. März 2017 in Hochsensibilität im Alltag

Share the Story

About the Author