loading please wait..

Hochsensibilität und Magie: Das innere Liebespaar.

Wer sind eigentlich Yin und Yang oder die weibliche und die männliche Energie in uns?

In den letzten beiden Artikeln, „Hochsensibilität und Intuition“ und „Hochsensibilität und Mut“ habe ich die theoretische Basis des inneren Erwachsenen dargestellt. Für mich muss sich Theorie – und erst Recht psychologische oder auch spirituelle Theorie – in der Realität greifbar machen lassen, damit die Theorien relevant sein können. Alles braucht seinen Sitz im Leben, sonst bleibt es im Esoterischen stecken, eine Geheimlehre, die nur den Eingeweihten zugänglich ist. Mit diesem Artikel hier möchte ich zunächst die Brücke schlagen zwischen Theorie und Leben und zeigen, wie man den inneren Erwachsen erleben kann, wie er sich manifestieren könnte mit seinen beiden Prinzipien, der männlichen und der weiblichen Energie. Vielleicht fällt es so leichter, ihn im eigenen Erleben zu identifizieren.

 

Im Schreibspiel ist eine der wichtigsten Etappen, durch die ich meine Klienten führe, den inneren Erwachsenen kennenzulernen, jenes Liebespaar, das in jedem erwachsenen Menschen lebt oder leben sollte. Zur Beruhigung sei gleich gesagt: Es lebt, wenn auch meistens leider nur unbemerkt und unbeachtet vor sich hin. Da mag etwas sein, das sich manchmal regt und ohne, dass wir wissen, wie uns geschieht, meldet es sich auch und zeigt sich ganz unerwartet in unserem Leben. Plötzlich setzen wir uns durch, wenn wir die Faxen schon lange dicke haben. Wir springen auf und setzen eine Idee ganz einfach um, jetzt, sofort, obwohl wir sie schon seit 10 Jahren in uns herumtragen und ständig nur davon geredet haben. Wir sind an einem Tag voller Mitgefühl für uns selbst, wo wir sonst ständig auf unserem so dem Verteufeln werten Ego herumgehackt haben. Wir hören plötzlich einmal auf unser Gefühl und siehe da, es erweist sich als die goldrichtige Entscheidung. Wir fühlen uns ein und bringen jemanden wahrhaft weiter, allein durch unser Zuhören und die Art, wie wir es machen oder wir sind voller Verstehen und nehmen jemanden einfach in den Arm, der uns gerade einen Wutausbruch geliefert hat. Das waren Momente voll erwachsener männlicher und weiblicher Energie. Sie reichte in diesen seltenen Augenblicken der kindlichen Energie die Hand, dem Kind, das sonst immer zaudert, sich nicht traut, sich selbst verurteilt, aufbrausen und sich empören will. Doch da war etwas präsent und etwas konsequent. Der innere Erwachsene war da für das innere Kind. Die Vernunft ist in eine Verbindung eingetreten mit dem Gefühl. Der Verstand geht eine Verbindung ein mit dem Geist und heraus kommt ein Akt wahrhaftiger Intelligenz. Emotionaler Intelligenz. Auf einmal blitzt das Prinzip der Selbstverantwortung auf, wo sonst das innere Kind alleine auf weiter Flur steht und sich mit den Mitteln zu helfen versucht, die ihm halt eben zur Verfügung stehen: Projektion, Übertragung, Schuldzuweisung, Selbstsabotage, Blockade, Selbstkritik, Nörgelei, Selbstverleugnung, Abschottung, Rückzug, selektive Blindheit, Ignoranz, Angriff, Hass in jeder Couleur von Phobien bis Diskriminierungen. Und dann: Zerstörungswut. Mord- und Rachegedanken. Egoistische Verhaltensweisen. Verzweiflung. Kriegerische Akte. Wir beschimpfen das fiese Ego und sehen gar nicht hin, was wir da beschimpfen: ein alleingelassenes und dadurch so oft traumatisiertes Kind in unserem Innern, das in Wahrheit nach Lösungen sucht und zu kooperieren versucht. Und das seit unserer frühesten Kindheit.

Alleingelassen wurde dieses innere Kind, das sich als Schattenkind zeigt und in dämonenhaftem Verhalten, aber auch mit selbstzerstörerischen und depressiven Zügen manifest werden kann, zu einer Zeit, als es noch das Sonnenkind in uns war, unsere Quelle der Kreativität, der Fantasie und der Freude. Es wurde allein gelassen von den äußeren Erwachsenen, denen, die dieses Kind eigentlich hätten lieben und schützen sollen. Die Erwachsenen waren zumeist in der Eltern- und Erzieherrolle und standen ungefähr da, wo jene heutigen Erwachsenen, die damals Kinder dieser Eltern waren, stehen, solange sie den Kreislauf nicht durchbrechen. Sie hatten keine Ahnung von ihrem inneren Erwachsenen und ließen ihre inneren Kinder wiederholen, was an ihnen ausagiert, man könnte sogar sagen versäumt oder verbrochen wurde. “Das hat mir auch nicht geschadet” sind Sätze, die unsere Erziehungsberechtigten wahrhaftig geglaubt haben, und zwar der innere Kritiker in ihnen, die Imitation der Stimme, die zu ihren eigenen Eltern gehört hatte. “Da lernst du was fürs Leben.” “Du wirst mir noch dankbar sein.” Und so fort.

Der innere Erwachsene bildet sich nicht weiter aus. Da ist eine männliche und eine weibliche Energie, die auch im Kind aktiv ist und es empathisch und sensibel sein lässt oder mutig und aktiv, aber die Energie bleibt auf einem bestimmten kindlichen Niveau der Entwicklung stehen, wenn sie nicht weiter kultiviert wird. Dann verteilt sie sich auf die inneren Schutzinstanzen, den Wächter, den Rebellen, den Kritiker und auch auf die helfenden Instanzen der Kreativität, des Mitfühlens und der vielleicht auch tieferen Wahrnehmung, aber sie bleiben stecken im Misstrauen, im Verlangen nach Kontrolle, im Manipulieren und Überstülpen, in der Opposition gegen alles, was nach Konvention riecht, im Helfersyndrom, im Einmischen, in der Besserwisserei, in der Bedürftigkeit, jemand möge kommen und die Dinge für sie regeln, möge sie glücklich machen. Sie suchen das Glück im Außen. Sie suchen danach, gesehen zu werden, gehört zu werden, geliebt zu werden. Sie suchen nach Sicherheit und landen so oft in der Abhängigkeit zu anderen Menschen. Und manchmal kommt es zu Verdrehungen, aus denen heraus alles abgelehnt wird, was nach Erwachsensein riecht. Da wird nicht nur der eigene innere Erwachsene mit Misstrauen belegt, schließlich hat man mit Erwachsenen noch nie gute Erfahrungen gemacht, sondern auch im Außen werden die Fühler sicherheitshalber nach den kindlichen Energien ausgestreckt, den potenziellen Partnern, die sich als bindungsunfähig erweisen, nicht für sich selbst sorgen können, die alberne und verrückte Dinge unternehmen, anderen schaden und keine Verantwortung übernehmen. Immer und immer wieder und plötzlich steckt man jenem kindlichen Partner gegenüber in so etwas wie einer Elternrolle, die man doch nie wollte. Da hat die eigene kindliche Bedürftigkeit die kindliche Bedürftigkeit eines Anderen angezogen und die Elternrolle, die erkennt man eben doch wieder. Es war die, die man eingenommen hatte als man noch ein Kind war, und zwar den zur (Selbst-)Verantwortung unfähigen Eltern gegenüber. Im Schreibspiel sprechen wir da manchmal vom kleinen Yin und vom kleinen Yang, die es nicht besser wissen als das. Ihnen fehlte das Vorbild, als nur ein abwesender Vater und eine hilflose Mutter zur Verfügung standen. Und jetzt fehlt ihnen jemand, der sie an die Hand nimmt und einen echten Überblick hat.

Manchmal ist uns noch klar, dass es sich bei dieser Instanz, nach der wir an irgendeinem Punkt unseres Lebens dringend verlangen, um die Vernunft handelt. Und zwar wahrhaft unsere Vernunft und nicht ihre Pseudo-Imitation durch unseren inneren Kritiker. Wir sagen Vernunft oder Verstand und rufen nach ihm, sobald die Dinge ins absolute Chaos abzugleiten drohen oder schon abgeglitten sind, egal ob in unserem persönlichen Leben oder auf gesellschaftlicher Ebene. Aber wer oder was in uns diese Vernunft ist, das wissen wir eigentlich nicht und landen deshalb so oft doch wieder beim inneren Kritiker, der uns niedermacht, weil er ja nur ein inneres Kind ist, hochemotional und von alten Mustern geprägt.

Die Vernunft aber ist das Gleiche wie der innere Erwachsene. Er ist anwesend oder abwesend. Wenn er abwesend ist, sind wir nicht bei uns, nicht bei unserem inneren Kind, sind nicht verbunden mit uns selbst und unseren Gefühlen. Wir handeln gegen uns selbst und nehmen nicht wahr, wie sehr wir uns schaden und uns selbst übergehen. Ist er anwesend haben wir Glück. Und wir haben sogar das Glück, dass er durchaus öfter anwesend ist als abwesend. Wenn wir ihn kennenlernen wollen – und das sollten wir wollen, um bewusst auf ihn zugreifen zu können – könnten wir uns ansehen, wie er sich bisher in unserem Leben gezeigt hat und was er noch alles kann, welches Potenzial er also hat, dieser innere Erwachsene.

Der Frage, wer diese innere erwachsene Instanz ist, gehen die vorherigen Blogartikel auf den Grund. Diese Instanz setzt sich demnach zusammen aus unserer weiblichen und unserer männlichen Energie, die wir nach dem altchinesischen Prinzip auch als die Urkräfte Yin und Yang bezeichnen können.

Viele Hochsensible zeigen sich vor allem ihrer Yang-Energie gegenüber skeptisch oder im Laufe eines Coachings sehr überrascht von ihrer Existenz im eigenen Energiesystem. Bisher hatten sie oft gar nichts von dieser Instanz gewusst, nicht, weil sie sich nie gezeigt hätte, sondern weil sie alles, was diese Instanz je für sie bewerkstelligt hatte, für selbstverständlich genommen haben. Indem allerdings das Bewusstsein für eine Kraft fehlt, beraubt man sich selbst des Vertrauens und auch der Möglichkeit, sich ihrer gezielt zu bedienen. Sie zeigt sich dann zwar mehr oder weniger willkürlich im Leben. Echte Macht aber entsteht daraus, dass wir wissen, was wir können, dass wir unsere Stärken kennen und wissen, wie sie zu aktivieren sind, wenn wir sie brauchen. Dazu müssen wir wissen, was die jeweilige Stärke potenziell alles kann und auch, wo ihre (oder unsere)  Grenze liegt, um sie sowohl identifizieren als auch anwenden zu können.

Starten wir damit, die weibliche Energie kennenzulernen, indem wir betrachten, wie wir sie in unserem Leben erfahren könnten.

Das feminine Prinzip ist das des Empfangens. Informationen werden unter diesem Prinzip gesammelt, ganz wertfrei und neutral. Interesse und Neugierde sind also Eigenschaften, die zum Yin-Prinzip gehören. Die fließende Yin-Energie macht den Menschen offen für Neues, neugierig auf neue Perspektiven. Yin will erfahren, unter welchen Bedingungen andere Menschen leben, was sie bewegt, was sie motiviert, welche Last sie zu tragen haben und welche Freuden sie erleben dürfen. Yin will andere Kulturen kennenlernen und will alles wissen, über Neues, das in seinen Raum tritt.

Die Kunst diesem Neuen und damit der Veränderung zu vertrauen, gehört ebenfalls zum Yin-Prinzip und zur Offenheit. Unter Yin-Einfluss können wir Dinge geschehen lassen, ohne eingreifen zu müssen. Wir können uns darauf beschränken, zuzuhören, zu beobachten, können ganz präsent sein und alles darf sein, was sein will und wie es will. Wir bewerten es nicht, hinterfragen nicht, zeigen uns weder skeptisch noch misstrauisch noch zweifelnd. Ein souveräner Ausdruck dieses Prinzips ist es auch, sich zu gestatten und dazu zu stehen, dass man etwas noch nicht beurteilen kann oder etwas noch nicht weiß, weil einem noch Informationen fehlen. Sich des Urteils bewusst zu enthalten ist ebenfalls ein Yin-Ausdruck, ein Ausdruck der inneren fließenden Stille.

Eine Kommunikation als echten Dialog  zu führen ist unter dieser Voraussetzung mehr als möglich und gehört zu einem Menschen, dessen Yin stark ist. Also nicht das so oft beobachtete Reden, um zu reden und die Pause nur als Abwarten zu sehen, bis man wieder reden kann, sondern das Fragenstellen und den Antwortenlauschen, um etwas zu erfahren. Das ist etwas Anderes als ein Gespräch zu führen, um Antworten zu geben, etwas (endlich) loszuwerden oder um zu überzeugen oder zu überreden und darin gesehen zu werden. Die erste Art von Gespräch verbindet, die zweite missbraucht den Gesprächspartner. Die erste Art wird von einem inneren Erwachsenen unter Yin-Einfluss geführt, die zweite von einem bedürftigen inneren Kind.

Die Kommunikation unter Yin-Einfluss ist eine, die sehen will. Den Anderen. Die Welt. Aber auch sich selbst in der Welt und im Bezug zum Anderen. Sie hat verstanden, dass sich das Ich nur im Du spiegelt, dass es die Relativität braucht statt des Absoluten. Ihr Ziel ist es, jeden Tag etwas mehr über sich selbst zu lernen im Beobachten des eigenen Selbst in der Interaktion mit der Umwelt.

Flexibilität ist zutiefst feminin. Man stelle sich fließendes Wasser vor, das sich sanft seinen Weg bahnt, auslotend, wo es weitergeht und wo nicht. Damit gehört die geistige Offenheit zum weiblichen Prinzip, die Fähigkeit Möglichkeiten zu sehen, Situationen zu sondieren, Chancen zu erkennen. Nicht, sie zu ergreifen, sondern zunächst nur, sie zu erkennen. Menschen mit ausgeprägtem Yin schaffen es mit Leichtigkeit, Dingen auf den Grund zu gehen, das wahre Wesen einer Situation und ihren Kern zu erfassen. Dazu setzen sie ihre fünf Sinne ein und über sie ihre immense Beobachtungsgabe, mit der sie die kleinsten Details einer Situation erfassen. In der Auswertung dieser wahrgenommenen Details verhalten sie sich nicht strikt und festgelegt, sondern bleiben offen und flexibel dafür, dass weitere erfasste Details einen neuen Rahmen für vorherige Beobachtungen liefern können. Dabei erhält Yin Unterstützung vom inneren Kind, das heißt, von unserem inneren Wissensbrunnen, was manche als den 6. Sinn bezeichnen (oder den 7. Sinn, falls der Gleichgewichtssinn mitgezählt wird). Die Auswertung der wahrgenommenen Details im Abgleich mit der im Wissensbrunnen gespeicherten immensen Erfahrung führt dazu, dass Menschen mit starkem Yin wie Propheten wirken können. Man mag sie für medial begabt halten, aber ich persönlich finde auch das tiefe Lauschenkönnen schon faszinierend genug. Auch ohne das Prädikat der Übersinnlichkeit.

Hochsensible Menschen haben dieses starke Yin, diese ganz starke Fähigkeit zu empfangen. Hochsensible nehmen deutlich mehr wahr und werten die wahrgenommenen Informationen tiefer aus. Sie erfassen viel mehr Details als Menschen ohne das Phänomen der Hochsensibilität. Solange sie sich der Kapazität der Hochsensibilität nicht bewusst sind, wirken Hochsensible allerdings als würden sie im Dunkeln herumirren. Sie leiden unter einem Zuviel, Zulaut, Zuintensiv, ohne die Vorteile der hochsensiblen Antennen gezielt nutzen zu können. Um die Kraft zu erschließen müssten sie stehenbleiben oder sich hinsetzen und es in sich selbst still werden lassen. Je öfter ihnen das gelingt, desto entspannter fühlen sie sich, desto besser gelingt ihnen jenes Lauschen, das ihnen tiefere Einsichten bringt. Entspanntheit und Gelassenheit sind die Schlüssel, die diese Kraft für uns erschließen. Im Hier und Jetzt zu sein ist dazu nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg. Ganz im Moment präsent zu sein, das ist das Yin. Das ist sein authentischster Ausdruck. Ihm dient, immer nur einen Tag nach dem anderen zu leben, nur den aktuellen Augenblick für wichtig zu nehmen und so alles zu bemerken, was gerade jetzt vor sich geht.

Jemand, der mit seinen Gedanken ständig im Gestern verweilt und sich Sorgen um das Morgen macht, schneidet sich ab vom Fluss des Lebens und vom eigenen Fließenwollen. Er blockiert das Yin. Was nicht zu verwechseln ist mit der kreisenden Bewegung, die so typisch ist für die Yin-Qualität. Hochsensible kennen das Phänomen des langen Nachhalls von Ereignissen. Die Ereignisse beschäftigen den Geist, das innere Kind also, unsere Emotionen und erzeugen Gedanken oder färben sie, sich wieder und wieder zu wiederholen und die Stellen erneut abzulaufen, deren Bedeutung sich einem noch nicht erschlossen hat. Ihm entspricht das Prinzip des Flusses, der Bewegung in Wellen und Kreisen, das nicht nach einem Ziel strebt, nicht nach einem Ankommen oder dem Erreichen eines Höhepunkts, sondern das sich fortbewegen will, weitergeht und den Stillstand vermeidet. Auf diese Art wird eine Sensibilität gelebt, die dem Leben gegenüber zur Haltung wird, zur inneren Einstellung und die sich oft äußert in einem Ausdruck der Zärtlichkeit allen Lebewesen gegenüber, die einem jetzt über den Weg laufen, vor allem Kindern, Tieren und Pflanzen gegenüber. Hochsensible spüren mit dem, was wir weibliche Intuition nennen, und was eine Verbindung aus Geist und Verstand ist, aus innerem Kind und innerem Erwachsenen, was das Gegenüber jetzt bewegt.

Dabei ist Yin oder das weibliche Prinzip zutiefst akzeptierend. Von hier geht kein Urteil aus und auch keine Bewertung. Vom inneren Kind schon und die Kooperation zwischen den beiden Instanzen führt auch zu einem begrüßenswerten, weil gesunden Unterscheidungsvermögen, das ein erwachsener Mensch braucht, um für sich sorgen zu können. Ein Erwachsener muss in der Lage sein zu unterscheiden, welche Situationen ihm dienen und welche nicht. Das können heute andere sein als es morgen sein werden oder als es gestern waren, aber ein wacher, aufnehmender, bewusster Verstand in Kooperation mit einem ebenso wachen und gesunden inneren Kind oder unbewussten Geist verhelfen dem Individuum dazu, für sich zu erfassen, wie lange eine Situation dient und wann es genug ist. Die Akzeptanz bezieht sich vor allem auf die tiefe Kenntnis des Prinzips von Ursache und Wirkung. Das weibliche Prinzip erkennt die Ursache zu einer Wirkung, derer es im Heute gewahr wird. Oder es akzeptiert, dass sie jetzt noch nicht erkennbar ist. Wenn es dem Yin gelingt, das innere Kind an die Hand zu nehmen, wird man von diesem Menschen selten Schuldzuweisungen erfahren oder Nörgeleien über die Ungerechtigkeit des Lebens hören. Mit voller Vernunft, die den Namen verdient, wird so jemand seinen Teil der Verantwortung an einem Geschehnis akzeptieren, weil er oder sie alle Teile sieht und wie eins zum anderen geführt hat.

Was die weibliche Energie dabei leistet, erinnert an das Momo-Prinzip und die Art, wie Momo in Michael Endes gleichnamigem Märchenroman als Zuhörerin beschrieben wird. Über ein vorurteilsloses Zuhören und Wahrnehmen spiegelt jemand mit starker weiblicher Energie, die souverän gehandhabt wird, sein Gegenüber auf eine Art, dass jener seine eigene Wahrheit erkennt. Yin muss dazu nie dozieren oder auf jemanden einreden oder sich maßregelnd und belehrend über ihn erheben.Yin ist einfach präsent. Yin ist präsent in Blicken und Gesten, im Lächeln und im Ausdruck von Verstehen und Verständnis, im Nachfragen und sanftem Hinweisen und Fragenstellen. So verhilft ein Mensch mit einem Bewusstsein für seine Yin-Energie einem Anderen dazu, dessen Thema für sich selbst zu erhellen, alleine dadurch, dass ihm auf diese besondere Art und Weise zugehört wird. Es ist das unvoreingenommen Gewahrsein, das diesen Spiegel bereit hält.

Der seiner Yin-Energie gegenüber bewusste Mensch hat dabei die Liebe und die Ebenbürtigkeit als Schlüssel zur Heilung von Schatten längst erkannt. Nicht nur als Schlüssel für andere, sondern auch für sich selbst. Denn wie die Spiegelbilder funktionieren, wird auch in Momo erzählt. Was einem gefällt und einem gemäß ist, wird behalten, die anderen Spiegelbilder werden zurückgeschickt. Zumindest von Prinzessin Momo in dem Märchen, das Gigi Fremdenführer seiner Freundin Momo erzählt. Indem wir mit unserem weiblichen Prinzip auch uns selbst liebevoll betrachten, das innere Kind lieben, statt es zu dämonisieren und als egoistisch abzulehnen, bauen wir Brücken. Die Verbindung in uns wird zur Chance für Verbindungen im Außen, die frei werden von Dramen und Verstrickungen, wenn wir das Außen als Spiegel zu deuten verstehen. Denn dann wird das Außen zur Quelle von Inspiration und innerer Wahrheit. Wir lernen im Umgang mit dem Außen dann etwas über uns selbst. Auf diese Art kann Yin, der weibliche Teil unserer Vernunft, alles Problematische in Fülle verwandeln. Davon ausgehend, dass in jeder Situation stets alles vorhanden ist, brauchen wir lediglich das zu tun, wozu diese Energie uns am meisten befähigt: beobachten und lauschen und dazu in die Stille gehen, bis wir entdeckt haben, wonach wir suchen. Es ist das Licht, das in jedem Dunkel geborgen liegt und das mit weiblicher Energie entdeckt wird.

Das männliche Prinzip, der Animus im Menschen, entspricht also der Yang-Energie.

Es ist das Prinzip von Aktivität, von Handlung, von Mut und dafür zu sorgen, dass Dinge geschehen. Wenn ich Klienten, die ihr Yang, ihren Animus, gerade kennengelernt und in ihrem Leben dingfest gemacht haben, nach ihren Metaphern frage, wird der Baum genannt, der Löwe, der Tiger, der Magier, der Held, der Krieger, der Beschützer. Manche nennen auch den König, wenn sie für ihr Yin die Königin als Archetypen gewählt hatten.

Die  Yang-Energie in uns ist die des Pioniers. Sie treibt uns an – vorausgesetzt, wir erlauben es ihr – unsere Träume zu verfolgen und sie umzusetzen. Yang ist nicht die Instanz, die die perfekte Welle nur wahrnimmt. Über die Perfektion der Welle wurde Yang zuvor von Yin informiert. Nein, Yang springt auf, die Welle zu nehmen. Während in Yin die Präsenz lag, liegt in Yang die Selbstverantwortung. Die Verantwortung für das Gelingen unseres Lebens. Mit dieser Kraft wird das schöne Leben, das wir uns wünschen, wahrhaft geschrieben, wird der Mensch zum Regisseur seines Films,  den wir Leben nennen. Unsere Macht, das Drehbuch, über das unsere Sehnsucht erzählt, zu realisieren, liegt in den Händen unseres inneren Pioniers. Es werden neue Wege beschritten. Die alten, die ausgetrampelten, die betonierten Wege werden verlassen. Wenn die Kraft des Yin mit ihrer Hochsensibilität erfühlt hat, dass die alten Wege uns nicht mehr dienen, ist Yang aufgefordert, nach neuen zu suchen. Als Konsequenz wird der Selbstverleugnung und der Illusion der Rücken gekehrt. Die Situationen werden nicht mehr schön geredet, sondern verändert. Dazu findet die Veränderung zuerst in uns selbst statt. Wir verlassen unsere Komfortzone, jenen Ruhebereich, der wenig Energieaufwand bedarf. Die Veränderung, auch schon die innere, aber erst Recht die Umsetzung der Veränderung im Außen, braucht Energie. Pure Yang-Energie. Es herrscht der Wille zur Klarheit, zur Prägnanz und zur Transparenz. Unehrlichkeit in jeder Form wird von einem gesunden, souveränen Yang eine Absage erteilt. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit zur Veränderung liegt im Yin. Aber die Kraft für die Umsetzung und die Einleitung der Veränderung kommt aus der Yang-Kraft.

Yang reklamiert Freiheit und zur Not sorgt die männliche Energie für diese Freiheit, indem sie aktiv von der Last befreit und dasjenige aus dem Haus fegt, was für Wachstum und Entwicklung nicht länger gebraucht wird und nicht länger dient. Was das ist, was nicht länger gebraucht wird und was hinausgefegt gehört, darüber informiert Yin in Kooperation mit dem reinen Geist, dem inneren Kind. Yang zieht die Konsequenz und leitet in die Wege, was zur Befreiung beiträgt, damit sich das Individuum frei von Zwängen authentisch zeigen kann. Dabei handelt Yang nicht nur bewusst nach unserem Willen. Verluste können auch unbewusst herbeigeführt werden, wenn die Zeit reif ist und Dinge, Situationen oder Beziehungen uns nicht mehr dienen. Dann liegt das negative Verhalten scheinbar im Anderen, die Aussagen, die nicht mehr hinnehmbar sind, treffen uns und kommen doch wohl vom Gegenüber. In Wahrheit werden Konflikte unbewusst, aber dennoch von unserem eigenen Yang inszeniert, um ein Ende herbei zu führen, wo uns vielleicht der bewusste Wille und die Entschlusskraft fehlt, wo das innere Kind sich festklammert und nicht loslassen will. Darüber Bescheid zu wissen in Kombination mit dem Vertrauen der weiblichen Energie und ihrem mitfühlenden Gewahrsein kann das innere Kind unterstützen, Verluste besser zu akzeptieren und den Schmerz zu überwinden. Verluste dienen dem Leben, denn Leben ist Veränderung und muss es sein. Manchmal berühren Verluste sogar große Themen, wie zum Beispiel die Freiheit. Der innere Erwachsene übernimmt Verantwortung für den Verlust und leitet so Integration und Wachstum ein. Er übernimmt die Verantwortung für seine Gefühle, indem er mit Yin für sie präsent ist und mit Yang beschützt oder handelt.

Im aktiven Loslassen allerdings, findet Yang eine bewusstere Variante dieser Selbstverantwortung. Yang ist dafür zuständig, Situationen und Beziehungen zu beenden. Wenn es Zeit ist zu gehen – und wann es soweit ist, dass weiß Yang von Yin und Yin weiß es vom inneren Kind, dann übernimmt Yang die Verantwortung und geht. Der Mensch, der sich seiner Yang-Energie bewusst ist, spricht das Ende einer Beziehung aus und wartet nicht darauf, dass der Andere es übernimmt. Er kündigt eine unpassende Arbeitsstelle und er verlässt eine ungesunde zwischenmenschliche Verbindung, selbst wenn er damit zunächst einen Traum aufzugeben scheint. Er wird, ganz Yang, die Konflikte vorher angesprochen haben. Er wird gesagt haben, womit er sich nicht wohlfühlt und was er stattdessen braucht. Wenn seinen Bedürfnissen nicht entsprochen werden kann, wird er nicht schmollen (das wäre Sache des inneren Kindes), sondern wird das explizite oder implizite Nein akzeptieren, das der Äußerung seiner Wünsche und Bedürfnisse gegenüber erteilt wurde. Wenn sich die Schwierigkeiten gemeinsam nicht lösen ließen, wird Yang akzeptieren, dass die gemeinsame Zeit zu Ende ist. Der erwachsene Teil in uns wird das innere Kind an die Hand nehmen, damit es den Bruch nicht alleine durch kindliche Sabotageakte herbeiführen muss. Auch der andere Teil dieses Erwachsenen wird sich an der Seite des inneren Kindes einfinden und den Schmerz wahrnehmen, damit er sein und heilen darf. Yang wird die Konsequenzen ziehen ohne mit einem Sterben auf Raten sich und andere zu quälen.

Yang ist aber auch für den neuen Anfang zuständig, der auf jedes Ende folgt. Dafür, den dann notwendigen ersten Schritt zu gehen. Wieder den ersten Schritt heraus aus der Komfortzone zu nehmen, um neue Möglichkeiten umzusetzen, neue Chancen zu ergreifen und Verluste durch etwas Größeres und Schöneres zu ersetzen, durch etwas, das der neuen Bewusstseinsstufe entspricht. Denn jeder Verlust, wenn er reflektiert und integriert wurde, bringt uns auf unserer persönlichen Leiter der Bewusstseinsstufen weiter. Wieder einen ersten Schritt zu gehen und dann die ganze Strecke zu überwinden, das ist die elementare Kraft von Yang in uns. Die ganze Strecke, um die eigenen Träume nach und nach zu realisieren. Schritt für Schritt. Jedes Scheitern als Erfahrung zu integrieren und darüber hinaus zu gehen. So geht es, das Leben, das gelingt. Yang ist dabei unserer innerer Häuptling und die Aufgabe des Häuptlings ist es, Dinge zu planen, vorzubereiten, die Aktion einzuleiten. Die Aufgabe des Häuptlings in einem Stamm ist es aber auch, sich mit dem Schamanen zu beraten und der Schamane in uns ist unser Yin in Verbindung mit unserem Geist. So weiß Yang, wann der richtige Zeitpunkt für den ersten Schritt gekommen ist und in welche Richtung der erste Schritt zu tun ist und auf welche Art, in welchem Tempo, mit welcher Schrittlänge.

Yang ist nämlich nicht nur die Power-Instanz, die in die Aktion geht. Auch die Entscheidung für das Gegenteil muss bei unserer männlichen Instanz liegen, denn dort liegt alles, womit wir im Außen sichtbar werden. Auch die Entscheidung für die Nichtaktion. Für das Nichthandeln. Für das Abwarten. Für die Geduld. Geschieht die Nichtaktion allerdings aus der Abwesenheit des inneren Erwachsenen heraus, ist sie aus der Angst heraus geboren, dann liegt die Entscheidung dazu beim inneren Kind, das sich nicht traut. Das Nichthandeln aus der Angst des inneren Kindes heraus lässt uns unzufrieden und frustriert zurück. Wurde allerdings eine reflektierte Entscheidung getroffen, als Ergebnis aus einer Konsultation zwischen unserem Geist und unserem Verstand, dann kann eine konsequente Entscheidung des männlichen inneren Erwachsenen auch die zur Ruhe sein, zu atmen, zu meditieren, eine Pause einzulegen, nicht zu reagieren. Im männlichen Teil der Vernunft liegt die Handlungsvollmacht, für das zu sorgen, was das Individuum braucht, was es braucht, unsere Essenz zum Ausdruck zu bringen. Die konkrete Wahl zu treffen im Spiel des Lebens, in dem man immer die Wahl hat, liegt bei unserem Yang. Auch keine Wahl zu treffen, ist eine Wahl und sie kann stark sein, wenn sie reflektiert getroffen wurde. Sie ist schwach, wenn sie aus mangelnder Bewusstheit unterbleibt. Das Leben zu gestalten, statt es nur zu erdulden, ist Yang, ist Ausdruck der männlichen Energie in uns. Und dazu gehört manchmal die Willenskraft, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten und das Handeln bis dahin auszusetzen, also Geduld zu haben. Bewusste, reflektierte Geduld ist auch Yang. Die notwendige Stille dahinter ist dagegen Yin.

Ein starkes Yang in sich zu wissen, sich dieser Kraft bewusst zu sein, bedeutet nicht, ein einsamer Cowboy zu sein, der alles alleine schaffen muss. Um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen, zu sagen, was man jetzt braucht und von wem und in welcher Form, ist ebenfalls ein Ausdruck von Selbstverantwortung. Dabei ist auch die Fähigkeit zu delegieren in der Souveränität der Yang-Energie enthalten. Alles an sich zu reißen und es selbst machen zu wollen mag dem dunklen Archetyp des Märtyrers zugehörig sein oder von einem kontrollsüchtigen oder größenwahnsinnigen inneren Kind gespeist werden oder von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zeugen, aber mit Reife hat es nichts zu tun. Was auch immer seine Quelle ist, dass jemand glaubt, alles allein tun zu müssen, obwohl er kompetente Menschen um sich herum hat, die ihm Unterstützung anbieten, ist eine unerlöste kindliche Energie, die im Alleingang am Werk ist. Anderen zu erlauben, einen zu unterstützen, ist Ausdruck eines erwachsenen Selbsts im vollen Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten aus der Yang-Energie heraus, aber auch für die eigenen Grenzen.

Natürlich gehört zur Yang-Energie ganz archetypisch und elementar auch der Mut. Die Angst, etwas nicht zu schaffen, wird überwunden, indem man es trotzdem macht. Man schreibt die Bewerbung, auch auf die Gefahr hin, dass man tatsächlich eingeladen werden könnte und obwohl man sich vor dem Vorstellungsgespräch fürchtet. Man führt das Vorstellungsgespräch ohne es zu sabotieren, auch wenn man das Risiko fürchtet, dass man den Job wirklich bekommen könnte und man Angst hat, ihm vielleicht nicht gewachsen zu sein. Man geht das Risiko ein, vielleicht sogar tatsächlich auf diesem Job zu scheitern, weil einem noch eine Erfahrung gefehlt hat. Aber man geht es eben ein, das Risiko zu scheitern, weil man sonst auch nicht die Chance erhält, erfolgreich zu sein. Wenn das geschieht, hat Yang übernommen, die erwachsene Energie der Vernunft, die das ängstliche Kind, das sich in die Selbstsabotage flüchten will, nicht mehr alleine lässt. Man tritt dem Unbekannten mutig gegenüber, wissend, dass das Unbekannte schon das ganze Leben lang gelauert hat.

Der innere Erwachsene erinnert uns an unsere Erfahrung, dass wir dieses lauernde Unbekannte bis jetzt im Grunde immer gemeistert haben. Das erste große Unbekannte war doch immerhin das Schwerste. Auf die Welt zu kommen. Oder soll das vielleicht einfach gewesen sein? Und wir haben es geschafft. Natürlich, für das Gebären an sich ist Yin zuständig. Für den Akt, auf die Welt zu kommen aber, ist Yang zuständig. Und so haben wir immer die Verbindung von Yin und Yang von Anfang an und bis zum Schluss in jedem Moment unseres Lebens.

Die Begeisterung zu fühlen, sie aus unserer Essenz heraus aufsteigen zu lassen und das Gefühl, begeistert zu sein, wahrzunehmen, ist Sache von Yin. Der Begeisterung Ausdruck zu verleihen, sie sichtbar zu machen, sie hinauszutragen in die Welt, ist Sache von Yang. Zu Gebären ist Yin. Auf die Welt zu kommen ist Yang. Sich nicht zu verkriechen, sich nicht sein Leben lang zu verstecken in der Metapher von Mutters Schoß, sondern sich zu zeigen, das ist der innere Krieger, der als Archetyp aktiviert werden muss, bewusst aktiv oder automatisch durch das Leben. Dann steht Yang auf und setzt sich für sich selbst und andere ein. Ein Mensch mit Yang-Kraft setzt Grenzen. Er sorgt konsequent dafür, dass sie beachtet werden. Er hält jeden Energievampir auf Abstand. Und natürlich ist er das, was wir klassischerweise (wenn auch komplett irreführenderweise) unserer linken Gehirnhälfte zuschreiben: analytisch, logisch denkend. Denn in der Kooperation mit Yin hat der Yang-Anteil in uns alle Informationen, die er, jener männliche Teil der Vernunft braucht, um entscheiden und handeln zu können. Und zwar im Sinne unserer Essenz, die unsere ganz eigene Wahrheit beinhaltet.

Mit der Verbindung zwischen der weiblichen und der männlichen Energie sind wir in unserer Yang-Energie ganz gebend und in unserer Yin-Energie empfangend. Yang ist schenkend auf Augenhöhe und Yin nimmt mit Anmut an. Wir geben aus der Yang-Energie heraus auf eine Art, die andere Menschen stärkt und sie erhebt. Gebend andere glücklich zu machen, aus der eigenen Fülle heraus, liebend und voller Mitgefühl den anderen in seinem Bedürfnis zu sehen und zu verstehen geschieht aus der Verbindung aus Yin und Yang. Diese Verbindung aus Kunst und Wissenschaft, Yin und Yang jongliert im reifen Stadium eines Menschen oder einer Seele mit den Kräften von Liebe, Wahrheit und Erfolg. Darin erfüllt sich der Archetyp des inneren Magiers oder der Magierin. Und dieser Archetyp widmet die erreichte Ebene von Macht und Leidenschaft der Menschheit.

Wenn in der HSP-Community das Phänomen der Übersinnlichkeit und der Magie im Zusammenhang mit der Hochsensibilität diskutiert wird, ist mein Diskussionsbeitrag ganz der der Künstlerin: Und warum eigentlich nicht? Brechen wir es doch herunter auf das, was es in Wahrheit ist, das Phänomen, dass ein Mensch magisch wirkt: Es ist die innere, tiefe Verbindung zu sich selbst. Diese Verbindung äußert sich darin, dass diesem Menschen ein Leben gelingt, nach dem andere sich nur sehnen, ein Leben der puren Fülle und Erfüllung. Wer aus der Fülle heraus leben, lieben, geben und nehmen kann, der bewirkt einfach mehr als andere Menschen, die ohne Bewusstheit für ihre Kraft ihrer Routine nachgehen.

Indem das innere Kind, unser Geist, sich in diesem Raum geborgen fühlen kann, der aus der weiblichen und der männlichen Energie geschaffen wird, kann das Sonnenkind hervortreten. Unsere Essenz kann sich entfalten. So ein Mensch wirkt, als habe er seine innere Sonne geweckt und als würden fremde Schatten nicht länger mit seinen Schatten kommunizieren. Er trägt kaum noch Konflikte im Außen aus. So jemand lässt bei seinem Gegenüber, was zu jenem und nicht zu ihm selbst gehört. Ohne zu leugnen, was ist, nimmt die Vernunft die höchst mögliche Perspektive ein, um ein Geschehen zu beobachten. Und die Vernunft ist der innere Erwachsene, die Verbindung aus Yin und Yang. Solche Menschen denken konsequent in Möglichkeiten. Sie blicken tiefer. Sie akzeptieren, was sie erkennen.

Ich möchte an dieser Stelle nochmal den Eingang des Artikels aufrufen. Yin und Yang sind – bevor sie Eltern für das innere Kind sind – ein Liebespaar in uns. Wenn wir uns im Spiegel zulächeln, ist es Yang, der (ich personifiziere diese Kraft jetzt mal) Yin ein Kompliment macht. Und wenn wir stolz über etwas sind, das wir gewagt haben, das wir unternommen haben, wo wir Grenzen gesetzt haben oder konsequent waren, dann ist es Yin, die Yang wertschätzt und ihre Anerkennung ausspricht.

Yin und Yang gemeinsam in den Archetypen Königin und König leuchten auf diese Art in uns und sie werden sich weigern, das Licht verlöschen zu lassen. Stattdessen übernehmen sie Verantwortung für sich und für das Allgemeinwohl. Sie herrschen über das Königreich in einer Haltung des Dienens und der Führung. Die Weisheit zu seiner Stärke erhält das männliche Prinzip vom weiblichen Prinzip. Und jenes weibliche Prinzip erhält das Wissen aus seiner Verbindung mit dem inneren Kind, dem Geist, der Essenz. Aus der Verbindung heraus ist das innere Kind jenes Königreich von dem Frieden ausgeht und in dem die Bewohner glücklich sind. Und wenn wir im Archetyp von König und Königin also denken, dann wird das Königreich blühen und seinen Glanz entfalten, je unverbrüchlicher die Liebe ist zwischen König und Königin.

Über die Autorin:

Der Artikel wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 10. Februar 2017 in Hochsensibilität im Alltag

Share the Story

About the Author