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Hochsensibilität als Gabe: einen neuen Weg bereiten

In den ersten Teilen wurde darüber gesprochen, 

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Teil sechs handelt von jenen,

…die einen neuen Weg bereiten

Illustration: Christiane Rösch Bildmaterial von www.pixabay.com

Illustration: Christiane Rösch
Bildmaterial von www.pixabay.com

Hochsensible, die zu sich selbst gefunden haben und ihre Hochsensibilität souverän vertreten, sind jetzt wie die älteren Geschwister, die den jüngeren Geschwistern den Weg bereiten. Indem wir zu Botschaftern werden, miteinander über uns sprechen, werden wir gemeinsam und jeder für sich Wege finden, um zu uns zu stehen. Indem wir mit unserer eigenen selbstbewussten Haltung das allgemeine Verständnis der Hochsensibilität gegenüber nach und nach vergrößern, schaffen wir jetzt einen Unterschied im Leben vieler HSPs. HSPs stehen schon um der Gerechtigkeit Willen füreinander ein. Sie vernetzen sich aus Sehnsucht nach Gleichgesinnten und nach Austausch auf Augenhöhe. Weil sie so oft den spirituellen Gedanken des Einsseins leben, fühlen sie sich dem Anderen auch dann verbunden, wenn man kilometerweit voneinander entfernt lebt und sich vielleicht nie gesehen hat. Mit ihrer Empathie fühlen HSPs diese Verbundenheit und erwecken sie mit ihrem Mut zum Leben. Sie werden zu Pionieren, zu Anführern und hörbaren Stimmen, die Kraft aus der Vernetzung ziehen und Kraft in die Vernetzung zurückgeben.

Über alternative Lebensmodelle, spricht Anne Heintze, Coach und führende Expertin zum Thema Hochbegabung, Hochsensibilität und Hochsensitivität, in einem Interview, das auf You Tube zu finden ist. Es sind unkonventionelle Lebensmodelle, die HSPs für ihre Partnerschaften wählen, wenn sie sich wirklich frei fühlen. Wenn sie ihre Besonderheit respektieren, gehen sie zwangsläufig über derzeit gängige Konventionen hinaus und erweitern nach und nach mit ihrer Akzeptanz für sich und Andere das, was in der Gesellschaft möglich ist. Sie erweitern den Raum. In der Folge entsteht mehr Raum für Individualität. Es entsteht mehr Freiheit. Mehr Toleranz wird auch jenen Lebenskonzepten gegenüber möglich, die in den Köpfen der meisten Menschen heute noch als inakzeptabel gelten. Anne Heintze spricht von Ehepartnern, die freiwillig in getrennten Wohnungen, Häusern oder sogar Städten leben. Zu nennen sind auch neue Familienkonstruktionen, in denen homosexuelle Paare Kinder aufziehen, und die den Kindern die familiäre Verbindung zu ihren Vätern, die einstmals Samenspender waren oder zu ihren Müttern, deren Kinder adoptiert wurden, ermöglichen. Zu nennen sind offene Beziehungen, die achtsam und respektvoll funktionieren und den Partnern erlauben, sich über den geliebten Lebenspartner hinaus auch anderen Menschen liebevoll zuzuwenden. Zu nennen sind Partnerschaften, in denen die Partner sich bewusst gegen die Elternschaft entscheiden, nicht, weil sie Kinder nicht mögen, sondern weil sie ihre Konstitutionen zutiefst respektieren wollen, die sich für sie persönlich mit dem Stress einer Elternschaft nicht vereinbaren lassen. Zu nennen sind Menschen, die es vorziehen alleine zu leben, um viel Raum und Zeit für die eigene Entwicklung zu haben und die sich in ihrer Unabhängigkeit glücklich fühlen. Zu nennen sind alle Formen alternativer Wohn- und Lebensprojekte, die auf Kooperation und Ressourcenaustausch basieren. Und zu nennen ist alles, was ich jetzt nicht genannt habe, worin aber Menschen ihre Individualität, von der die Hochsensibilität ein Aspekt ist, ausdrücken. Somit sind HSPs jetzt diejenigen, die für ihr eigenes Wohlbefinden, ihre eigene Lebensqualität eintreten und damit für die freie Zukunft ihrer Kinder sorgen. Sie tauschen “ich sollte…” Schritt für Schritt gegen “ich könnte doch eigentlich…” aus.

Routinen dienen eigentlich der Lebenserleichterung. Mit ihnen schaffen wir Strukturen, die wir automatisch ausführen, ohne über jeden Schritt neu nachdenken zu müssen. Routinen verändern sich nicht, deshalb sind sie Routinen. Aber die Menschen, die die Routinen anwenden, verändern sich. Das Leben verändert sich. Alles ist im Wandel, nur die Routine nicht. Wenn aus der Routine die Bewusstheit entwichen ist, es nicht mehr um sicheres und routiniertes Handeln geht, sondern um unbewusstes und rein automatisches Handeln, können Spannungen entstehen wie bei Erdplatten, von denen eine sich bewegt, wenn auch nur Millimeter, die andere aber festsitzt. Jene Routinen zu entlarven, die uns nicht mehr gut tun, dafür haben Hochsensible eine feine Antenne, weil sie kleinste Veränderungen und entstehende Spannungen wahrnehmen. Auch wenn sie ihre bewusst und mit Genuss ausgeführten Alltagsrituale lieben, stehen Routinen dennoch ständig auf dem Prüfstand – oder sollten dort stehen -, um zu sehen, ob sie noch dem Zweck dienen, zu dem sie eingerichtet wurden. Nur weil man etwas immer schon so gemacht hat, muss das nicht heißen, dass man es immer weiter so macht. Die feine Wahrnehmung für innerliche Veränderungen schützt vor eingefahrenen Mustern, die irgendwann destruktiv, blockierend und lähmend wirken können. In diesem Zusammenhang werden auch die konditionierten Sichtweisen und automatischen Handlungsmuster leichter aufgespürt, wenn ein hochsensibles Gespür darüber wacht. Hochsensible bemerken sensibler, wo sich Wiederholungen mit negativen Folgen häufen, wo limitierende Glaubenssätze immer wieder aus dem Hinterhalt zuschlagen. Einmal auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, gibt es kein Zurück mehr und Hochsensible ruhen nicht eher, bis der Übeltäter aufgespürt wurde. Jetzt kann das Selbstbild ebenso neu definiert werden, wie Routinen überarbeitet werden können. In der Selbstdefinition hinzuspüren ist die Aufgabe der Potenzialanalyse. Ein wunderbares Feld für Hochsensible, denn hier geht es um die individuellen Begabungen, von denen Hochsensible so viele mitbringen.

Der Artikel wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 11. November 2016 in Hochsensibilität im Alltag

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