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In sich selbst zuhause sein: Hochsensibilität in den Chakren

Wo in uns sitzt eigentlich…

  • der innere Erwachsene?
  • das Sonnenkind?
  • das Schattenkind?

Wo genau sind Yin und Yang zu finden? Und wo die Hochsensibilität? Wo die Kreativität? Und wo die Intuition und die Inspiration?

Mal angenommen, man könnte diese Prinzipien überhaupt im Körper lokalisieren, wo ungefähr müssten wir unsere Aufmerksamkeit hinlenken, wollten wir die zugehörigen Archetypen durch unsere Fokussierung mit Energie versorgen und nähren und stärken?

Selbstverständlich gehe ich in diesem Artikel nicht von einer wissenschaftlichen Sicht aus, komme aber auch nicht aus einer rein esoterischen Ecke. Meine Sicht ist die der Phänomenologie. Meine Erkenntnisse gewinne ich aus den wahrnehmbaren Erscheinungen, den Phänomenen. Es ist die Empirie, die mich leitet, so wie jedem Autor, egal welcher Textsorte, geraten wird, nur über Dinge zu schreiben, mit denen er Erfahrung hat. Und dann seine Fantasie fließen zu lassen. Die Inspiration ins Spiel zu bringen und so über sich selbst und die eigene zwangsläufig beschränkte Erfahrungsmöglichkeit hinaus zu gehen.

Es sind also meine fünf Sinne, die ich beieinander habe, mein Verstand, der beobachtet, meine Fantasie, meine Imagination und meine Inspiration, die über meinen Horizont hinausgehen, eine Mischung, in der jeder Autor, wenn er sie zulassen kann, sich wie ein Fisch im Wasser, eben ganz zuhause fühlen dürfte. Zuhause in seiner Gabe.

Aus meinen bisherigen Artikeln wird bei Inspiration jetzt auch niemand an Übersinnlichkeit denken, sondern an das, was ich unter Genialität verstehe: Das reine und damit hochsensible echte Lauschen. Und ich lausche aus der Sicht der praktischen Philosophin in der reinen Liebe zum Erkennen und Verstehen. Gerade mein Nachdenken, so mag ich es dem inneren Kritiker zurufen, spricht von meiner Liebe zum Leben, davon es nicht nur trocken und knöchern und in seiner Schönheit unbeachtet vorbeigehen zu lassen, sondern es im Nachsinnen zu würdigen und gerade forschend vorzudringen in jene Systeme, die sich der Logik nun gänzlich entziehen. Ich bin eine hochsensible Autorin und schreibe für hochsensible Leser.

Was ich erfasse, muss aber dennoch durch die Prüfung des Verstandes, der Logik, der Empirie und es muss dort bestehen. Was ich behaupte, muss sich bewahrheiten lassen. Ich lege meine Hand auf mein Herz und nur, wenn es sich tatsächlich wie die Wärme einer Umarmung anfühlt, erzähle ich davon, dass man, indem man die Hand auf sein Herz legt, sich selbst umarmen kann und es sich reich und füllend anfühlt. Und nur, wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass Bauchwärmer mich zuverlässig von diesen lästigen Bauchschmerzen befreit haben und mir dabei zu helfen scheinen, die fremden Energien, die nicht zu mir gehören, abzuschirmen, erzähle ich von Bauchwärmern und ihrer Wirkung, die ich beobachtet habe. Und für diesen Artikel hier spreche ich über genau das: den Körper. Ich spreche von Energiezentren in ihm: das Schambein, der Bauch, der Solarplexus, das Herz, der Hals, die Stirn, der Scheitel. Von den sieben Chakren spreche ich, für die ich die Modelle der inneren Instanzen und Archetypen über die Vorstellung einer Lokalisierung im Körper mit dem erlebbar Möglichen verbinden will. Und meine zentrale Frage für diesen Artikel lautet:

Unsere Hochsensibilität findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist erfahrbar. Sie ist Teil unserer Vernunft, unseres Verstandes, unserer Intelligenz. Sie definiert unsere Wahrnehmung. Und sie wird ergänzt von unserem Prinzip zu Handeln, im Idealfall von unserer Konsequenz, unserer Selbstverantwortung. Dem übergeordnet, flankiert und von ihm umgeben empfinden wir einen Geist, unseren Geist, der teilzuhaben scheint an einem größeren Geist und der unsere Kreativität speist, unsere Schöpferkraft. Es finden also zusammen: das weibliche Prinzip, das männliche Prinzip und das schöpferische Prinzip. Wenn wir die Kräfte aktivieren und sie miteinander in eine Balance bringen wollen, damit sie fruchtbar in unserem Leben wirken können, fällt uns das Vorhaben leichter, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf einen Teil unseres Körpers lenken können, mit dem wir nunmal da sind in der Materie. Auch wenn es manchen Hochsensiblen schwer fällt, die Gültigkeit der Materie anzuerkennen, weil sie lieber in höheren Sphären schweben, sich lieber ganz in spirituellen Dimensionen aufhalten, glaube ich, dass wir mit dem Leben an sich und seinen Herausforderungen besser zurechtkommen, wenn wir uns in unserem Körper und mit ihm in der Materie wohlfühlen. Aber für viele Hochsensible scheint es so, als würde eben jene Materie, die Konstitution ihres Körpers, sie so leicht im Stich lassen. Der Körper scheint zu leicht überfordert zu sein, wenn die Sinne überflutet werden und das Nervensystem überreizt wird. Die Sinne scheinen überhaupt als Kanäle viel zu offen zu sein, viel zu viel aufzunehmen. Die Kraft scheint nicht auszureichen, um den täglichen Anforderungen gewachsen zu sein und das hohe Maß an Empathie scheint es unmöglich zu machen, sich gegen Übergriffe zu verteidigen. Eine Energie der Hilflosigkeit erlebe ich oft zu Beginn meiner Arbeit mit Klienten im Schreibspiel. “Ich würde so gerne…, aber ich weiß nicht wie… Mir fehlt die Kraft.” Von fehlender Kraft ist so oft die Rede, wenn man sich mit Hochsensiblen unterhält. Und stattdessen wird Müdigkeit genannt. Erschöpfung. Ausgelaugtsein.

Wie also lässt sich unter einer hochsensiblen Konstitution mit der Begrenztheit der Materie umgehen? Das scheint so oft die Frage, die gestellt wird, wenn es um Erschöpfung und Überforderung geht, um mangelnde Abgrenzung und Reizüberflutung, um Geräusch- und Lichtempfindlichkeit und ein viel zu hohes Mitfühlen mit allem Seienden.

Wenn wir ein Prinzip in uns würdigen und mit Wertschätzung versorgen, wird es genährt und gestärkt. Einen Archetyp aktivieren und stärken wir, indem wir uns vorstellen, wir agierten im Prinzip dieses Archetypen: der König/die Königin, der Krieger/die Kriegerin, der Magier/die Magierin, der/die Liebende. Das göttliche Kind. Am wirksamsten gelingt uns die Stärkung und Aktivierung, wenn wir wissen, wohin wir unsere Aufmerksamkeit konkret lenken können. Unsere Energiezentren sind dankbare Abnehmer für die Energie einer wertschätzenden Aufmerksamkeit, die wir uns selbst zuteil werden lassen können und sollten. Zum Beispiel in einer Umarmung für unser Herzchakra. Aber auch, in einer Selbstreflexion, in der wir uns klar machen, welches Wesen der innere Erwachsene in uns eigentlich hat, wie wir ihn in unserem Leben wahrnehmen können, wie er sich zeigt. Oder was unser inneres Kind ausmacht, das Sonnenkind, wie wir seine Lebendigkeit in uns erfahren können und auf welchem Weg es mit uns kommuniziert. Welche Inhalte im Schatten liegen, welche Verletzungen und Ängste, und in welchen Mustern und Automatismen sie sich manifestieren. Das zu erforschen stärkt die Prinzipien in uns, weil sie durch die Aufmerksamkeit, durch die Würdigung und Wertschätzung und unser liebevolles Annehmen mit Energie versorgt werden.

Wenn wir unseren Körper, wie er so da ist von einem spirituellen Standpunkt aus betrachten, können wir in dem, was in verschiedenen spirituellen Traditionen dem Wesen der sieben Chakren oder Energiezentren zugeordnet wird auch einen Platz für die Hochsensibilität erkennen. Für meine Begriffe sind es vor allem drei Plätze: das Sakralchakra, das Herzchakra und das Stirnchakra. Die Wahrnehmbarkeit dieser Behauptung manifestiert sich in einer tieferen Wahrnehmung über die Sinne, die dem Sakralchakra zugeordnet sind, die Empathie und ein umfassendes Mitfühlen, das man dem Herzchakra zuschreibt und eine Verbundenheit und zugleich Offenheit, ja Durchlässigkeit potenziell medialem Kontakt gegenüber, die sich als Intuition und Inspiration zeigt und dem Stirnchakra zugeordnet wird.

Ich werde im Verlauf des Artikels allerdings zu zeigen versuchen, dass auch die anderen Chakren – Wurzelchakra, Solarplexus und Kehlkopfchakra von einer hochsensiblen Konstitution beeinflusst werden. Und doch meine ich, dass die Hochsensibilität originär in jenen drei, der weiblichen Energie zugeordneten Chakren angesiedelt sein müsste. Denn die Wahrnehmung, das Empfangen von allem, was an Informationen fließt, ist ein weibliches Prinzip.

Das Sakralchakra ist nach dem Wurzelchakra das zweite Chakra und energetisch zuständig für unsere Sinneserfahrungen. Über die Sinne erfahren wir die Welt, das Leben und seine Phänomene. Mit ihm fühlen wir. In der wissenschaftlichen Hochsensibilitätsforschung wird betont, dass die physischen Sinne hochsensibler Personen keine sensorischen Leistungsunterschiede zu den Sinnen normalsensibler Personen aufwiesen. Unsere Augen, Ohren, Nase, unsere Haut und Geschmacksnerven seien nicht besser im Sinne von leistungsstärker. Keine menschliche Nase lässt sich plötzlich mit der eines Hundes vergleichen, was die Nervenbahnen und damit die Leistungsfähigkeit des Organs angeht. Das olfaktorische Gebiet ist 2 x 5 qcm groß, beim Hund 2 x 25 qcm und enthält eine bestimmte Anzahl von spezialisierten Sinneszellen und nicht mehr als das, was für einen Menschen normal ist. Aber: An den Chakren sitzen Drüsen und diese Drüsen sind für die Hormonproduktion zuständig. Die Hormonproduktion wird ihrerseits durch Energie gesteuert und wenn Energie der Aufmerksamkeit folgt, haben wir möglicherweise einen energetischen Schlüssel in der Hand, zu erklären, wodurch sich die Sensibilität oder Aktivität eines Organs erhöhen könnte. Ein hoher Östrogenspiegel hat eine erhöhte Geruchssensibilität zur Folge. Das ist wissenschaftlich belegt. Bei Frauen verändert sich die Geruchssensibilität während des weiblichen Zyklus mit dem sich verändernden Östrogenspiegel. Und dann verändert er sich nochmal unter der Einnahme der Anti-Baby-Pille und in der Schwangerschaft. Östrogen ist ein weibliches Hormon, das nach der taoistischen Lehre der Yin-Energie zugeordnet wird. Hochsensible Persönlichkeiten wirken der Beobachtung nach weich, sanft und feminin, selbst männliche hochsensible Persönlichkeiten, wenn sie nicht auch ihre männliche Energie, ihr Yang ausgleichend aktiviert haben. Mir ist allerdings noch kein männlicher Hochsensibler begegnet, der es geschafft hätte (oder auch nur Wert darauf gelegt hätte) seine Ausstrahlung von Sanftheit gänzlich mit einem extrem maskulinen Auftreten zu maskieren.

Annette Greiner

Der Chakra-Lehre nach ist das Sakralchakra der weiblichen Energie zugeordnet, zwischen dem männlichen Wurzelchakra und dem männlichen Solarplexus gelegen. Und hier sitzt für meine Begriffe ein energetischer Teil der Hochsensibilität. Im Sakralchakra. Wird hier unsere Aufmerksamkeit hingelenkt, ganz gleich ob intendiert in einer Meditation oder unbewusst durch unsere Persönlichkeit (weil wir zum Beispiel ein Sakralchakra-Typ sind und unser Reaktionsmuster der Energie des Sakralchakras folgt), erhöht sich die Sensibilität für jede Art von sinnlicher Wahrnehmung. Wir fühlen und empfinden tiefer.

In der Arbeit des Schreibspiels stolpern Klienten manchmal über ihr Sakralchakra und finden es ganz überraschend und unerwartet aktiviert, je stärker ihre Achtsamkeit für die Themen dieses Energiezentrums wächst: die Hingabe, die Leidenschaft, die Achtsamkeit, die Sinnlichkeit. Sie berichten, dass sich ihre Freude am reinen Dasein erhöhe, dass sie noch mehr wahrnähmen und sogar lustvoll erführen, was vorher im Alltag nur achtlos und unbewusst nebenher gelaufen sei.

In meiner Arbeit beobachte ich, dass hochsensiblen Klienten der Zugang zu ihrem inneren Kind in der Regel sehr leicht gelingt, wesentlich leichter jedenfalls als normalsensiblen Menschen, und die meisten Klienten berichten dann, sie spürten eindeutig, dass es dort im Unterbauch sitze. Das Sakralchakra sei es, wo sie das innere Kind ausmachten. Dort spürten sie eine Energie, die sie lebendig sein ließe. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich dieses Lebendige zunächst als das Schattenkind. Nachdem sie das, was dort im Schatten liegt, in einer sauberen Schattenarbeit befreit haben – Verletzungen integriert, sich Ängste und Muster bewusst gemacht, Gaben und Talente für sich zurückgewonnen und Energien transformiert haben – entdecken sie, dass dort irgendwo auch ihr Sonnenkind sitzt. Ein inneres Kind, das wie ein Seismograph zu agieren scheint, was Stimmungen und Ahnungen angeht und zugleich kreativ und schöpferisch wirkt.

Menschen, die sich aus medizinischen Gründen mit der Sensibilität ihres Bauches beschäftigen mussten, sind vermutlich auf die Forschung gestoßen, die davon ausgeht, dass wir im Bauch ein zweites Gehirn beherbergen. Die Bauchintelligenz ist für viele HSP ebenso selbstverständlich wie sie für die Forschung bisher legendär war. Wenn wir uns dem Thema des Sakralchakras nähern, wird uns die Verbindung klarer: Es ist die Schönheit, die Harmonie, die Kreativität, die Ästhetik, die Zärtlichkeit und Sinnlichkeit. Es ist die Leidenschaft, die Hingabe, die reine Freude am Dasein, an der Lebendigkeit und es ist die alchemistische Magie der Sexualität. Der Akt selbst, die Zeugung, gehört zum Wurzelchakra. Aber die Alchemie, die in der Lage ist, die sexuelle Energie in Schöpferkraft umzuwandeln und die Wahrnehmung der Welt in Lebendigkeit, findet hier im Sakralchakra statt.

Ich glaube aber, dass der Ansatz, Wurzelchakra und Sakralchakra in einer Allianz zu betrachten, fruchtbar sein könnte. Rein intuitiv würde ich sagen, was in der Wurzel sitzt, ist unsere Wurzel. Es ist unsere Verankerung im Leben und entpuppt sich nach der Befreiung der Schatteninhalte und der Beruhigung der drängendsten Emotionen als unsere Essenz. Hier befindet sich auch der Instinkt, der uns die Schwingungen der uns umgebenden Welt aufnehmen lässt und der, wie es heißt, eine niedrigere Oktave der Intuition und der Inspiration sei. Hier ist dieses ganz Ursprüngliche zu finden, das wir auch an Säuglingen und Tieren entdecken könne, dieses Reagieren aus dem Bauch heraus, ohne jede Reflexion. Menschen in Stresssituationen erleben sich manchmal, wie sie instinktiv das Richtige tun. Sie sagen später, es sei ein Reflex gewesen. Und wenn man sich erst mal so vieler Konditionierungen wie möglich bewusst geworden ist, erhalten Menschen meistens einen Zugang zu dem, wer sie wirklich sind und das hat mit ihrer Seele zu tun. Es ist ihre Essenz, zu der wir unser ganzes Leben lang versuchen, unsere Existenz in Übereinstimmung zu bringen. Bei Hochsensiblen also ist auch das Wurzelchakra hochsensibel, funktioniert der Instinkt feiner und zuverlässiger. Wenn wir Glück haben oder die innere Arbeit geleistet haben, erreicht uns unser Sonnenkind und versorgt uns über den Instinkt und über seine Anbindung an Intuition und Inspiration mit lebendigen Impulsen, die wir im Sakralchakra in Erleben und Erfahrung umsetzen: in kreative Einfälle, in unerhört neue Verbindungen von Altem und in unseren ganz eigenen Sinn für Witz und Humor.

Dem Sakralchakra dient jede Art bewusster Sinnlichkeit, um die Energie zu veredeln und in den Geist aufsteigen zu lassen. Der Geist in diesem Kontext scheint sich in einen bewussten und einen unbewussten Teil aufzuteilen. Der unbewusste mag jene Kraft sein, die wir Schöpferkraft oder Kreativität nennen können und in dem zugleich unsere unbewussten Anteile verborgen liegen, Wesenszüge, Erinnerungen, Einstellungen. Dieser unbewusste Teil, so offenbart es sich in jeder der schriftlichen Arbeiten meiner Klienten, hat außerdem einen Zugang zu einer Inspiration, die manche göttlich nennen wollen, manche auch schlicht liebend, universal, kosmisch oder mit dem All-Einen verbunden. Der bewusste Teil dieses Geistes mag, wenn wir uns mental darin geschult haben, jenem unbewussten Teil lauschen und zu Erkenntnissen gelangen, die zuweilen über die reine Erfahrung, Erinnerung und Bildung des Menschen hinausgehen. Je sensibler der Mensch, je durchlässiger sein System, desto leichter gelingt dieses Lauschen, das Empfangsbereitschaft voraussetzt und desto stetiger ist die Verbindung zwischen unbewusstem und bewusstem Geist. Die Literatur spricht von höherem Selbst, wenn sich das Selbst und das Ego miteinander verbinden. Die Verbindung ist das, was das Attribut höher erhält. Das Ego entspricht demnach dem Schattenkind, das zuweilen mit abenteuerlichen Konstruktionen zur Schmerzvermeidung aufwartet und deshalb keinen sehr guten Ruf genießt. Wobei hinter dem Schattenanteil des Egos der Lichtanteil liegt. Das Selbst scheint jenem empfangsbereiten Teil der Vernunft zu entsprechen, der sich nicht mit dem Zugriff auf konditioniertes Denken zufriedengibt.

Wenn die Energie über den Geist im System aufsteigt, erhöht das die Sensibilität des Systems weiter, wie meditativ geübte Menschen berichten. Eine Erdung ist dringend notwendig für Hochsensible, um das Maß der Sensibilität ihrer fünf Sinne auf einem verkraftbaren, gesunden Niveau zu halten. Was bedeutet: Das Wurzelchakra muss von Zeit zu Zeit aufgesucht und gestärkt werden. Laufen in der Natur, Schwimmen, Radfahren, Aufräumen, Putzen, Gartenarbeit, den eigenen Impulsen folgen und Ideen umsetzen. Ganz Yang sein. Ganz in die Handlung gehen. Oder Sex haben und sich mit dem Yang eines Anderen oder dem im Akt freigesetzten Yang verbinden. Und falls es noch nicht aktiviert oder noch schwach ist, lohnt es sich, ihm, dem Wurzelchakra wertschätzende Aufmerksamkeit zu schenken, um es zu stärken. Das kann ein Song sein, den man mit der geistigen Fokussierung auf das Wurzelchakra bewusst anhört. Oder es kann eine intendierte Aktion sein, die explizit dem Wurzelchakra und seiner Stärkung gewidmet wird. “Ich gehe jetzt Holz hacken. Für mein Wurzelchakra.” Zum Beispiel.

Das Herzchakra ist meiner Meinung nach der zweite Ort, an dem wir unsere Hochsensibilität lokalisieren können. Das Thema des Herzchakras ist die Empathie und das Mitgefühl, das Verstehen und das Verständnis von Mensch zu Mensch, wie auch das Verzeihen, das sich daraus ergeben kann. Das alles fällt einem Menschen schwer, dessen Herzchakra blockiert oder verschlossen oder geschwächt ist. So ein Mensch wirkt oft erstarrt, starrköpfig auch, unflexibel und seltsam kämpferisch. Ein geöffnetes Herzchakra allerdings lässt den Menschen überfließen vor Liebe mit allem Lebenden, lässt ihn zutiefst mitfühlen und subtile Dynamiken erfassen, die den meisten Menschen verborgen bleiben. Ängste, die in einer Situation dominieren und die die Haltungen und Äußerungen der Menschen leiten, werden erfasst. Diese Fähigkeit nehmen wir so sehr an Hochsensiblen wahr. Mit dieser Fähigkeit mögen sie andere Menschen unterstützen und beglücken, wenn sie sich in ihrem Herzchakra zuhause fühlen.

Annette Greiner

Das Sinnesorgan, mit dem die verborgenen Motivationen wahrgenommen werden, ist individuell verschieden. Sie werden gefühlt, innerlich gehört, gesehen. Eine Klientin berichtete mir einmal davon, sie könne die Energien riechen. Selbstverständlich, warum sollte das nicht so sein? Es ist unbestreitbar etwas Wahrnehmbares vorhanden, sonst würden wir feinfühlige Tiere nicht darin beobachten können, wie sie auf Ambivalenz und subtile Aggressivität reagieren. Hier im Herzchakra findet die Verbindung von Mensch zu Mensch statt, während ich dem Sakralchakra in der Allianz mit dem Wurzelchakra die Verbindung zwischen Mensch und Natur zuordnen würde. Einfach, weil die Natur mit dem Instinkt betrachtet und erfasst werden kann und der Mensch in seiner Komplexität die Empathie braucht, um sich verstanden zu fühlen und zu verstehen.

Hochsensible Menschen berichten außerdem, dass es ihnen oftmals schwer falle, zwischen ihren eigenen Gefühlen und denen der Anderen zu unterscheiden. In ihrer Empathie fühlen sie, was Andere fühlen. Sie hören, dem Ideal des kleinen Prinzen gemäß, mit dem Herzen und sehen das Wesentliche, das für die physischen Augen unsichtbar ist.

Dem Herzchakra lässt sich die Präsenz zuordnen, jene innere Haltung, aus der heraus wir nicht nur von Informationen überschwemmt werden und uns hilflos ausgeliefert fühlen, sondern aus der heraus wir unterscheiden können zwischen relevant und irrelevant, das heißt zwischen “zu uns gehörend” und “nicht zu uns gehörend”. Was Hochsensiblen allerdings nicht immer gelingt, ist manchmal die Unterscheidung, aber noch weniger, aus der Unterscheidung eine angemessene Konsequenz zu ziehen. Zu lernen, das Irrelevante wahrnehmend durch sich hindurchfließen zu lassen, ohne, dass es sich verhaken könnte, wäre da eine lohnenswerte Aufgabe. Der innere und so oft nach außen transportierte Aufruhr Anderer verhakt sich bei uns selbst an den Schatten, an den Unsicherheiten und an den Ängsten. Konkret heißt das: Die Emotionen der Anderen verhaken sich in unseren Emotionen, solange keine innere Instanz hervortritt und Verantwortung übernimmt. Man könnte sich vorstellen, sie unternähme es wie ein Verkehrspolizist, der die Passanten weiterwinkt und dazu erklärt: “Hier gibt es nichts zu sehen.” Meistens aber gibt es etwas zu sehen. Die Emotionen entströmen dem Sakralchakra, sagen die Klienten und berichten manchmal von Schmerzen im Bauch, dort, wo das Schattenkind sitzt, das dringend unsere Unterstützung braucht. Dort aber sitzt auch unsere Grundangst, die unsere liebevolle Akzeptanz braucht und die sich zwar vom Schatten unterscheidet, in ihrer Wirkung aber ganz ähnliche Haken bietet, an denen die Handlungen und Emotionen Anderer hängen bleiben können. Die erste und wichtigste Allianz, die darum in diesem Fall stattfinden muss, ist die zwischen unserem Herz und unserem Sakralchakra.

Energetisch sind die beiden Chakren weiblich konnotiert und bilden zusammen unsere Anima, das weibliche Prinzip in uns. Wenn wir uns selbst aus dem Herzchakra heraus wahrnehmen, haben wir die Chance, das in den Ängsten und Schatten gebundene positive Potenzial freizusetzen. Es sind unser Mitgefühl und unsere Selbstliebe, die das Potenzial ans Licht holen. Betrachten wir die Angst und den Zorn und die Wut und den Neid und die Eifersucht und den Hochmut mit liebevollen inneren Augen und hören mit liebevoller Aufmerksamkeit zu, statt dieses innere Kind voller Abscheu als Ego zu beschimpfen und es abkanzeln zu wollen, tritt zutage, was sich hinter den Emotionen verbirgt und was in ihrem Schatten gebunden liegt: Kompetenz, Hingabe, Ausdauer, Fürsorgebereitschaft, Effizienz und die Fähigkeit zu einer tiefen Verbundenheit mit der Welt.

Für das gebundene Potenzial in sich und Anderen aufmerksam zu sein, ist die vordergründige Aufgabe des Herzchakras. Statt Andere für ihren Hochmut, ihre Starrköpfigkeit, ihre Habgier und alle anderen Schwächen zu verurteilen, versetzt die Präsenz uns in die Lage, tiefer zu blicken und mehr zu sehen und dem Anderen spiegeln zu können, wessen wir sonst noch gewahr geworden sind. Dieses Spiegeln erfolgt unter der Anwesenheit der Vernunft oder des inneren Erwachsenen als reine Mentalisierung, ohne, dass wir uns mit dem Anderen, mit seinen Emotionen und mit seinen Ängsten und Schmerzen identifizieren würden. Mit der Fähigkeit der Mentalisierung nehmen wir wahr, was ist, wir wissen um die Emotionen, Schmerzen, Ängste im Anderen, aber wir leiden nicht mit. Wir sehen auch das Potenzial, aber es macht uns nicht verrückt, wenn es nicht genutzt wird und brach liegen bleibt. So können wir dann vielleicht auch Verantwortung für unsere eigenen Emotionen übernehmen, indem wir zu kommunizieren versuchen oder uns zumindest darüber klar werden, was dahinter steckt, wenn wir zuvor differenziert haben, was überhaupt zu uns gehört und was nicht.

Wie bei der erdenden Allianz zwischen Sakral- und Wurzelchakra dient dem Herzchakra eine Allianz mit dem Chakra am Solarplexus. Siedeln wir im Herzchakra die Empathie bzw. die Mentalisierung und die Fürsorge an, ist das Thema des Solarplexus, Grenzen zu setzen, die sich aus unserer Ich-Konzeption ergeben und auch der Mut, konsequent und angemessen zu handeln. Hier in dieser Verbindung der beiden Chakren entsteht das Gefühl der Verantwortung für uns und für Andere. Ganz zu Ende gedacht entspringt dem Solarplexus die archetypische Energie des inneren Königs, der weise herrscht. Dem Herzchakra entspringt die Energie des Archetyps der inneren Königin, die mitfühlend wahrnimmt, wie es ihrem Volk geht. In diesen beiden Energiezentren lässt sich für mein Empfinden der innere Erwachsene lokalisieren, das innere Königspaar, das dem inneren Reich zu Prosperität verhilft. Der innere Erwachsene bildet  unsere Mitte, die es nach chinesischer Tradition vor allem Anderen zu stärken gilt, um innere Balance herzustellen und sich gegen äußere Stürme zu wappnen. Für dieses Wappnen hat der Archetyp des inneren Königs seine Untertanen: den inneren Krieger im Wurzelchakra und auch den inneren Magier, der mit dem Kehlkopfchakra verbunden ist, das seinerseits zuweilen von Stirn und Krone mit Einfällen versorgt und sogar über längere Zeiten hinweg inspiriert wird. Der Krieger schreitet höchst selten noch zum Kampf. Er wird als zivilisierter Mensch häufiger den Befehl erhalten, Abstand zu wahren oder auf Distanz zu gehen. Der Magier aber dürfte aufgefordert werden, verbal Grenzen zu setzen oder die Realität mit der Wirkung von Worten zu gestalten. Das ist die zeitgemäße Art, unsere Kämpfe auszutragen und hoffentlich sind es häufiger gute Kämpfe, die einer Sache dienen, statt Kämpfe, die aus purem Widerstand geleistet werden. Stattdessen zeugen die Produkte des Denkens, die der Magier in seinem individuellen Ausdruck zur Verfügung stellt, von der Liebe des gesamten Menschen zu sich selbst und zum Leben.

Marsch- oder Kampfbefehle werden vom inneren König, der mit der inneren Königin in Verbindung steht und sich mit ihr berät, weise erteilt. Den Umweg über das Sakralchakra nehmend, erteilt das Herzchakra die Information, was im System Mensch tatsächlich gebraucht wird. Unter Abwägung aller Möglichkeiten und Konsequenzen – was bei Hochsensiblen oft länger dauern mag, weil sie viele Möglichkeiten sehen und viele Konsequenzen erkennen – wird zwischen Herz- und Sakralchakra die beste Wahl getroffen.

Es mag beim Lesen jetzt überraschen, aber meiner Logik nach ist das eine Entscheidung zwischen Vernunft und Gefühl. Das bedingungslose, unkonditionierte Wahrnehmen ist ein Teil der Vernunft. Das angemessene und konsequente Handeln ist der andere Teil der Vernunft. Wenn eine der beiden Komponenten fehlt, lässt sich pure Unvernunft beobachten. Die kommunizierten Wünsche, Sehnsüchte, Bedürfnisse, also das, was tatsächlich gebraucht wird, entspringt unseren Empfindungen. Die Allianz zwischen Vernunft und Gefühl ist eine der fruchtbarsten, der konstruktivsten, der wertvollsten für das System Mensch, aber auch für die größeren Systeme wie Familie, Unternehmen, Gesellschaft.

Hier in dieser Allianz steckt Intelligenz, und die Hochsensibilität ist ein Teil dieser Intelligenz. Nach meinem Dafürhalten ist sie sogar ein bedeutender Teil. Hier wird unter der Haltung von Präsenz und dennoch in einem sehr persönlichen Modus vorsichtig oder ausdauernd oder zurückhaltend oder auch fragend forsch oder leidenschaftlich forschend wahrhaft zugehört. Und hier wird unter dem Einfluss eines Bewusstseins für den eigenen Selbstwert, der mit dem persönlichen Lebenssinn und -ziel zusammenhängt, angemessen und konsequent gehandelt. Wenn wir mit dem Sakralchakra als Ort der sensiblen Wahrnehmung die Verbindung zur Natur im weitesten Sinne sehen, (das Wurzelchakra schafft sie im engeren Sinne), stellen wir im Herzchakra eine Verbindung von Mensch zu Mensch her. Zu uns selbst und zum Anderen. Im dritten Ort der Hochsensibilität gehen wir noch darüber hinaus.

Mal angenommen, es gäbe etwas, das größer ist, als wir es sind. Eine Intelligenz, die weiser ist als unser derzeitiges Alltagsbewusstsein, warum sollten wir keine Informationen von dieser höheren Intelligenz erhalten können? Warum sollte diese Intelligenz nicht von einem Inspirierungswunsch beseelt sein, mit dem uns Führung zuteil werden könnte, falls wir bereit und fähig sind, sie anzunehmen? Warum sollte diese Intelligenz mit Informationen geizen, die uns dienlich sein könnten, ein sinnvolles Leben zu führen?

Wenn wir nicht von einer höheren Intelligenz ausgehen, kann der Artikel spätestens an dieser Stelle weggelegt werden. Jede weitere Überlegung hat dann einfach keine Grundlage. Wenn wir aber von der Existenz einer höheren Intelligenz ausgehen – und der Artikel demnach weiter gelesen wird – ist es gleichgültig, welchen Namen wir dieser Intelligenz geben und welches Etikett wir der Empfangsbereitschaft einiger Individuen, seien es Menschen oder Tiere, verleihen. Namen und Etiketten werden abhängig sein vom jeweiligen Glaubenskonstrukt oder von der Befreiung davon. Die Verbindung, die, soweit ich weiß alle Glaubensrichtungen zwischen dem Individuum und der höheren Intelligenz sehen, ist ein wie auch immer geartetes höheres Selbst, das als zum Menschen gehörig betrachtet wird. Es wird sogar als zum Tier gehörig betrachtet, wenn man also konsequent davon ausgeht, dass der Instinkt in einer Linie liegt mit der Intuition und der Inspiration. Intuition und Inspiration als tieferes Lauschen oder als Lauschen auf höhere Frequenzen wären dann nur höhere Oktaven des Instinkts. Es geht um die Verbindung von Mensch oder Tier und Kosmos.

In meiner Vorstellung handelt es sich bei der Verbindung aus individueller und höherer Intelligenz um die Seele, die sich als Energiekörper um unseren manifesten Körper befindet. Sehr sensitive Personen sehen diesen Energiekörper oder sie erfühlen ihn, so dass dessen Existenz kein Streitpunkt mehr sein dürfte. In der Aura-Theorie geht man davon aus, dass die Aura, der feinstofflliche Körper also, für alle Vorgänge im physischen Körper verantwortlich sei. Vom Erscheinungsbild bis zu Symptomen und Krankheitsbildern scheint es eine Verbindung und einen direkten Einfluss des feinstofflichen Körpers auf den physischen Körper zu geben. Der Weg der Informationsübermittlung scheint wiederum über die Chakren zu verlaufen. Sieben Auraschichten sollen mit den sieben Energiezentren verbunden sein, auch wenn über die Zahl und die Zuordnung unter den Sensitiven noch keine Einigkeit zu herrschen scheint.

Nehmen wir also an, es gäbe eine höhere Intelligenz, die noch dazu motiviert ist, uns Beistand zu leisten, statt uns hier alles mit beschränktem Horizont alleine machen zu lassen und nehmen wir auch noch an, die Kommunikation dieses Beistandes liefe über unsere Seele – Geist – Körper – Verbindung, dann könnten die übermittelbaren Informationen aus unserem höheren Selbst über unser Stirncharka in unser System hineingelangen. Mit der Hochsensibilität hat dabei wieder die Komponente des Zuhörens zu tun.

Die meisten Menschen kommen nicht auf die Idee, ihrer Seele zuzuhören, weil sie gar nicht davon ausgehen, dass es dort etwas zu hören geben könnte. Im Grunde verschenkt man damit Potenzial an Intelligenz und Resilienz. In Untersuchungen hat man zumindest für die Resilienz festgestellt, dass sie in der Verbindung zu unserem höheren Selbst liegt. Sie liegt im Vertrauen in unsere Ressourcen. Wenn Menschen als Ressource benennen, dass sie sich geführt fühlten oder dass ihnen im entscheidenden Moment immer etwas einfiele und dass sie sich darauf verlassen könnten, dann ist das höhere Selbst Teil der menschlichen Ressourcen. Solche Menschen sagen gerne, sie wüssten nicht, woher sie ihr Wissen hätten, es sei vielleicht Begabung. Es sei ihre Kombinationsfähigkeit, sagen sie. Oder sie sagen, sie hätten gelernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören oder auf ihre Intuition oder ihrer Inspiration und ihren Impulsen zu folgen. Ihnen fallen zur richtigen Zeit die richtigen Bücher in die Hände. Ihnen begegnen im richtigen Augenblick die richtigen Menschen. Sie haben ein Händchen für… und hier folgen alle möglichen Dinge, die mit Trends und Prognosen zu tun haben wie der Kunstmarkt, der Aktienmarkt, der Konsumgütermarkt, die Bewerberauswahl und so weiter. In Wahrheit handelt es sich um eine Alllianz der Chakren Kehlkopf und Stirn.

An diesem Zuhören ist allerdings nichts Übersinnliches festzustellen. Es geschieht mit allem, was uns zur Wahrnehmung zur Verfügung steht, je sensibler, desto mehr Wahrnehmung. Wir lauschen lediglich nicht mehr nur nach außen, sondern auch nach innen. Wir lesen nicht nur im Außen, sondern auch in unserem Innern und sehen und fühlen innere Bilder und Empfindungen in uns. Hochsensible berichten über Töne, Farben, Temperaturempfindungen, die sie zusätzlich in ihrem Inneren wahrnähmen und die ihnen zusätzliche Informationen über das Außen einer konkreten Situation oder einer Person übermittelten. Verstand und Gefühl sind auf die Art miteinander in jener Verbindung, die wir höheres Selbst nennen. Über sie geht die Wahrnehmung offenbar zu jener höheren Intelligenz, die über unsere Erfahrung, unsere Bildung und unser konditioniertes Denken hinausgeht. Sie liegt höher als das und sie gibt uns Geistesblitze ein, wenn wir sie brauchen, neue Ideen und Impulse, Richtungsvorgaben, Warnungen. Einige Menschen sagen von sich, sie dienten dieser höheren Intelligenz, um sich zum Beispiel an der Aufgabe und Herausforderung zu beteiligen, die kollektive Bewusstheit zu erweitern, indem sie heilten oder therapierten oder beratend, erziehend oder lehrend tätig seien oder als Künstler im Leben stünden.

Eine Klientin berichtete mir einmal von ihrem Weg, wie sie zu ihren Chakren gefunden habe. Es war ein langer und turbulenter Weg, der nach seinen Beginn über die Stationen Lernen und Pausieren, Abstand nehmen und Wiederannäherung verlief, bis es zu einer Art von Nachhausekommen kam. Die Lokalisierung der Instanzen war ihr nach und nach selbst gelungen, zu einem Teil sogar im Schreibspiel, ohne dass es mir aufgefallen wäre. Ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht bei den Chakren angekommen, nicht tiefer jedenfalls, als von ihnen gehört zu haben. Aber die Klientin brachte mich darauf, dass wir diese Zentren wie Räume in einem Haus betrachten müssten, die wir einzeln betreten könnten. Jeder Raum hat sein eigenes Thema. Die Klientin berichtete mir von ihrer täglichen Praxis, sich in jedem Raum umzusehen und zu erfühlen, wo etwas in Unordnung geraten sei. Manchmal mag es sich um ein oder zwei Kissen handeln, die achtlos auf dem Boden liegen. Vielleicht müsste mal wieder staubgewischt werden oder die Fenster brauchen neue Klarheit. Zu einem Raum, in dem sie Unordnung wahrgenommen habe, kehre sie zurück und stifte Ordnung allein durch ihre Präsenz in diesem Raum. Es ist die liebevolle, wertschätzende Aufmerksamkeit, die nichts weiter tut, als urteilslos zur Kenntnis nimmt, welche Gefühle von diesem Raum ausgehen. So werden Ordnung und Ruhe wieder herstellt. Die Impulse für notwendige und mögliche Veränderungen im Außen erhielte sie durch das reine Lauschen. Blitzartig, erzählte mir die Klientin, wie blitzartige Eingebungen. Jetzt während der Meditation kann dieser Impuls erfolgen oder später im Alltag. Es genügt, die Fragen zu stellen: Wie geht es dir? Was brauchst du? Was kann ich tun? Und dann stürmen wir nicht los und verfallen in Aktionismus, unser Leben zu verändern, sondern tun zunächst nichts, warten ab bis die Antwort uns erreicht. Sie erreicht uns über eine der drei Chakren der (Hoch)Sensibilität.

Eine Meditationspraxis also, in der wir mal in Achtsamkeit unsere inneren Räume betreten, um nach dem Rechten zu sehen und Ordnung und Ruhe wieder herzustellen und mal unsere Stärken im Wesenszug der Hochsensibilität zu kräftigen, müsste besonders die drei Chakren Sakralchakra, Herzchakra und Stirnchakra einbeziehen. Zwei Finger oder beide Hände auf das jeweilige Chakra gelegt und die Stärken dieser Orte fokussiert, müssten zu ihrer Energieanhebung beitragen, weil die Energie immer der Aufmerksamkeit folgt. Wenn wir diesen Orten der Hochsensibilität regelmäßige Entspannungspausen gönnen, ihnen lauschen und sie mit der positiven Energie unseres Wissens um ihre Kapazitäten und unsere Ressourcen versehen, haben wir wieder ein Stück mehr für uns getan, um in unserem Alltag präsent sein zu können für das, was in uns, mit uns und durch uns geschieht. Lassen wir diese weiblich konnotierten Orte ihre Allianzen mit den männlich konnotierten Orten in unserem System eingehen, stärken wir uns zugleich für ein konsequentes, in der Allianz erwachsenes und vernünftiges Auftreten in unserem Leben und im Leben Anderer.

Anstelle einer Meditation kann auch praktisches Tun die Energiezentren stärken. Dazu müssen wir wissen, was wir in unserem ganz persönlichen Alltag den Chakren zuordnen können und was sie auf welche Weise stärkt. Es könnte Nahrung sein die zu uns passt, eine Tasse Tee oder Kaffee, eine Süßigkeit, auf die man wirklich Lust hat, hochwertige, gesunde Nahrung, die unserem Typ entspricht (Wurzelchakra). Die Produktion von Schönheit und der Ausdruck von Leidenschaft könnten es sein wie im Tanz, einen schön gedeckten Tisch zu kreieren, eine Party zu geben, Kunst zu produzieren, sich selbst oder jemand Anderem ein Geschenk zu bereiten (Sakralchakra). Es könnte das Lesen sein, um das Leben und seine Dynamiken besser zu verdauen oder ein freundschaftliches oder therapeutisches Gespräch (Solarplexus). Es könnte ein Waldspaziergang sein, das Zusammensein mit Kindern oder die Fürsorge für ein Tier und die Wahrnehmung von Schönheit, jemandem ein Kompliment zu machen, das Erleben von Wärme (Herzchakra). Falls unsere Arbeit uns erfüllt und wir unsere Gaben dort einbringen und uns selbst zum Ausdruck bringen können, kann auch die Arbeit stärkend auf uns wirken (Kehlkopfchakra). Es könnte der Kunstgenuss sein, ein Museumsbesuch, ein Konzert, ein Theaterstück, Ballett oder ein guter Film, der uns inspiriert (Stirnchakra). Und eine Praxis, die uns mit uns selbst in Kontakt bringt, wie das Tagebuchschreiben, das Schreiben von Morgenseiten, das Führen von Notizbüchern oder auch das inspirierte meditative Schreiben, Malen, Tanzen könnte uns stärken, indem es uns mit unserem höheren Zuhause verbindet, was aber auch das nährende Zusammensein mit der eigenen Familie oder mit Freunden leisten kann (Kronenchakra).

Annette Greiner

Was uns auf diesem Weg gelingen kann, ist, dass wir unsere ganz individuellen Gaben entdecken und es schaffen, uns in ihnen einzurichten. Wir können dort, im Raum unserer Gaben unser inneres Zuhause zu finden. Ganz gleich, um welche Gabe es sich handelt, in der Fokussierung auf sie können wir uns wohl und sicher fühlen. Wir können uns in ihr bewegen, sie leben, so viel Zeit wie möglich in diesem Raum verbringen. Wir können uns in den Raum unserer Gabe zurückziehen und ganz bei uns sein. Auch wir Hochsensiblen können das schaffen in einer Welt, in der wir derzeit zahlenmäßig eine Ausnahmeerscheinung sind und so gut wie nichts darauf ausgelegt zu sein scheint, unserer Konstitution zu entsprechen. Der Weg raus aus dem Gefühl von Fremdheit und Überforderung geht über das Wissen, an welchen Ort in unserem System wir uns zurückziehen und sammeln können, um wieder zu uns selbst zu finden. Und er geht über die Achtsamkeit, mit der wir fragen, welcher Raum unserer ordnenden Hand bedarf. Das können alle sieben Orte gleichermaßen sein oder nur die drei der Hochsensibilität oder die drei der männlichen Allianz oder nur der innere Erwachsene aus den beiden Orten der Mitte oder das innere Kind in der Beruhigung der Emotionen und Ängste im Bauch.

Es ist die Wärme der Hände, der fließende Atem und die innere Stille, die uns mit dem jeweiligen Raum verbinden, in dem jeweils eine wichtige Instanz wohnt, die uns hilft, das Leben zu meistern. Das “Ich bin” in der Wurzel, mit wir wissen, was wir können und wo unsere Grenzen sind. Das “Ich fühle” im Sakralchakra, mit dem wir die Welt lustvoll lebendig wahrnehmen. Das “Ich will”, das uns unsere Welt aus der Energie von Kraft und Engagement erschaffen lässt. Das “Ich liebe”, das uns tief vertrauen lässt und jedem Mangelgefühl ein Gefühl von Fülle und Haben entgegensetzt. Das “Ich lausche und spreche”, das uns zu inspirierenden und inspirierten Menschen macht. Das “Ich sehe”, das unseren Blick, unser Gehör, unser Fühlen lenkt und uns mehr wahrnehmen lässt, als auf den ersten Blick zu sehen, zu hören und zu fühlen war. Und das “Ich weiß”, dass unsere Selbstzweifel aufhebt und uns mit dem Wissen verbindet, dass wir eingebunden sind in etwas, das größer ist als wir selbst. Menschen mit diesem Wissen uns einem ausbalancierten Chakrensystem strahlen eine königliche Souveränität aus. Wir erkennen sie sofort, wenn wir sie sehen.

Die Diskussion dieses Artikels findet im geschützten Raum der geschlossenen HSP-Communities statt entweder auf Facebook in der Gruppe „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ oder auf Google+ in der Gruppe „Eulennest„.

Posted on 18. August 2017 in Hochsensibilität im Alltag

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