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Hochsensibilität als Gabe: für den Frieden eintreten

In den ersten Teilen wurde darüber gesprochen, 

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Teil sieben handelt von jenen, 

…die für den Frieden eintreten

Illustration: Christiane Rösch

Illustration: Christiane Rösch

Vergeben meint nicht Vergessen und es meint nicht, Unrecht zu ignorieren oder Leid hinzunehmen. Vergeben meint Abgeben, etwas nicht länger auf den eigenen Schultern zu tragen oder im eigenen Herzen, wo es die eigene Lebendigkeit beschwert. Wahres Vergeben begreift, dass Worte und Taten, die man von seinen Mitmenschen nicht erwartet hätte und die einen verletzen, dennoch mit einem selbst zu tun haben. Es sind nicht die Taten selbst, die gemeint sind und die zu Verletzungen führen, sondern die persönlichen Bewertungen der Taten Anderer, die immer so oder anders ausfallen können. Betrachtet wird hier empfundenes Unrecht, nicht schwere Untaten, die der Gesetzgebung unterliegen. Nein, es geht um den inneren Angeklagten, den inneren Verteidiger und den inneren Richter, der Urteile fällt, unter denen sowohl der Urteilende als auch der Beurteilte leidet. Denn aus diesen Urteilen entsteht die Haltung “mir wurde Unrecht getan” und auch die “ich habe Schuld auf mich geladen”. Hochsensible haben die Fähigkeit, die innere Haltung des Verstehens einzunehmen. Von Mensch zu Mensch zu begreifen, aus welchem Grund jemand dieses oder jenes getan hat, unterliegt eben jenem Forschergeist, der mit hochsensiblem Einfühlungsvermögen mehr sieht, als das Vergehen. Hochsensible sind in der Lage, sich in die eigenen Untiefen des Unbewussten zu begeben und dort  zu entdecken, in welchem Zusammenhang mit dem eigenen Innern das stehen könnte, was zunächst im Außen verurteilt und verdammt worden sein mag. Wir Hochsensible haben ein Gespür für jene Energien, die zu Resonanzen werden und in anderen die Spiegelfunktion aktivieren zu unseren eigenen nicht bewussten und nicht bearbeiteten Themen.

Es geht aber auch um den Blick für die Vergebung, die Andere uns zuteil werden lassen. Nicht immer erreicht uns ein “ich vergebe dir”, insbesondere dann, wenn wir gar nicht um Vergebung gebeten haben. Ohne eine sensible Achtsamkeit entgeht uns vielleicht, welche innere Arbeit der Andere geleistet haben muss, der nach einem Streit ohne Groll wieder auf uns zugehen und freundlich mit uns umgehen kann. Vielleicht sagen wir dann leichthin “ach so schlimm wird es für ihn nicht gewesen sein” und verkennen die Vergebungsleistung, die uns gerade als Liebesdienst erwiesen wurde. Das Übersehen solcher Feinheiten entspricht nun eigentlich nicht dem Wesen hochsensibler Menschen. Die Feinheiten zur Kenntnis zu nehmen, ist eher ihr Ding und aus der gegenseitigen Anerkennung, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen hat, Verbundenheit entstehen zu lassen. Für den hochsensiblen Geist, der für Gerechtigkeit eintritt, wird es zu einem inneren Bedürfnis, so oft wie möglich nachzuvollziehen, was jemanden zu einer Tat oder einer Äußerung veranlasst haben mag. Und in der Konsequenz geht es auch darum, sich selbst aus genau dieser Verständnisbereitschaft für die Fehlbarkeit der Menschen nicht mehr auszusondern.

HSPs sind darum die prädestinierten Anbieter von Friedenspfeifen. In der Kombination aus Gerechtigkeitssinn und Empathie empfinden HSPs in Konfliktsituationen schneller das Bedürfnis nach neuem Frieden. Wo Andere sich noch lange nicht bewegen und keine Notwendigkeit sehen, sich um Klärung und Frieden zu bemühen, können HSPs Situationen voll Spannung nur schwer aushalten. Sie suchen darum – solange ihnen die Beziehung wichtig ist – nach einer neuen Kontaktmöglichkeit und finden sie in der Regel – solange auch dem Anderen die Beziehung wichtig ist – im Dialog. Sie verleihen ihrer Empathie Ausdruck, indem sie über ihr Gewahrsein sprechen, darüber, was sie wahrgenommen haben, als sie die Perspektive gewechselt und sich in die Emotionen und Motivationen des Anderen eingefühlt haben. Und manchmal sprechen sie auch über die Wunden, die zunächst in ihnen selbst geheilt werden mussten, bevor der äußere Konflikt sich auflösen konnte. Genau hier setzen sie ihre Ahnungen und Gefühle für den Frieden ein. Friedliche Lösungen zu finden und Brücken zu bauen, sind zwei der wichtigsten Stärken von HSPs. Gäbe es mehr als 20 Prozent Hochsensible auf der Welt, gäbe es deutlich weniger Kriege.

Der Artikel wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 18. November 2016 in Hochsensibilität im Alltag

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