loading please wait..

Hochsensibilität als Gabe: das Leben aus einer höheren Perspektive sehen

In den ersten Teilen wurde darüber gesprochen, 

.

Teil fünf handelt von jenen,

…die das Leben aus einer höheren Perspektive sehen

Wenn hochsensible Menschen lernen, so erläutert es  Kathrin Sohst in ihrem Interview in der Vielfühler-Lounge, sich vor der eigenen Reaktion auf ein Ereignis einen Moment Zeit zu nehmen, verschaffen sie sich den Raum, sich aller bereits wahrgenommenen Informationen, auch der subtilsten, bewusst zu werden. Dann können sie alle Positionen wie aus der Vogelperspektive überblicken und das ist dann ihre Basis für ihre eigene Reaktion. Tatsächlich wird das eigene Handeln sogar zu einer neuen Aktion, statt bloß eine Reaktion zu sein. Aus der Vogelperspektive wählen HSPs die passendste aus den vielfältigen Optionen, die sie in diesem kleinen Moment der Pause erfasst haben. Es wird diejenige mit einer eigenen Note sein, diejenige, die das Geschehen voranbringt, selbstverständlich je nach Zielsetzung, die man verfolgt. Hier geht es um Klarheit, zu der man am besten gelangt, wenn der Blick nicht eindimensional gerichtet bleibt, sondern schweifen darf und aufnehmen kann. Dann haben HSPs die Fähigkeit, Umstände und Menschen und Beziehungen immer wieder mit neuen Augen zu sehen. Mit hochsensiblem Blick sehen sie neue Details, neue Bedeutungen, auch solche, die durch tiefe Selbstreflexion entstanden und im Unterbewusstsein abgelegt sind oder solche, die zuvor ganz einfach übersehen wurden. Nicht das déjà-vu ist ihr Spezialgebiet, sondern das jamais-vu. Den Gegenstand absichtlich als fremd zu betrachten, um so sein wahres Wesen zu erfassen, das schaffen Hochsensible mit natürlicher Neugier, ja mit Forschergeist und einem tiefen Interesse daran, mehr zu sehen und zu erfahren. Nur wer mehr erfahren will in seinem Leben, erfährt auch mehr.

Illustration: Christiane Rösch

Illustration: Christiane Rösch

Das gilt auch für die Vergangenheit, die eines neuen Blickwinkels würdig ist, wie uns Ben Furman, Autor des Ratgebers “Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben” verrät. Neue Gedanken über alte Begebenheiten können uns zutiefst befreien und wiederum lehren, das Leben aus einer höheren Perspektive zu sehen, aus der heraus wieder neue Gedanken über alte Begebenheiten möglich sind…und so weiter. Hochsensible sind für die neuen Energien aus jenen neuen Gedanken so empfänglich, dass es ihnen leichter fällt als Anderen, limitierende Glaubenssätze zu überwinden und über beschränkende Selbstbilder hinauszugehen.

In einer Situation der Interaktion gelangen wir zu einer höheren Perspektive, indem wir uns eben jene von Kathrin Sohst erwähnte Zeit nehmen, unter anderem, um die Wahrheit des Anderen anzuhören. So können wir auch auf die Wahrheit hinter der Wahrheit achten, die ganz sicher eine weitere Wahrheit aufdeckt. Indem wir auf die mitkommunizierten Details achten, uns erlauben, die Situation immer wieder in einem neuen Licht zu sehen, gelangen wir nach und nach zu einer höheren Perspektive über das Leben und erkennen, dass Ursache und Wirkung ein zutiefst gültiger Mechanismus für Beziehungen ist. Sobald wir den Mechanismus eben aus einer höheren Perspektive erfasst haben, fängt das Leben an wirklich spannend zu werden. Dann gibt es keine schuldigen Lügner mehr ohne die, die zugeben müssen, dass sie nicht bedingungslos lieben und die Wahrheit des Anderen niemals akzeptieren würden. Es gibt keine Diebe mehr, ohne die, die sich eingestehen müssen, dass sie nichts und niemandem und nicht mal sich selbst einen Wert zuschreiben. Es gibt keine Enttäuschung mehr ohne das Eingeständnis, dass es die eigenen Erwartungen sind, die Anderen keine Wahl lassen, als zu enttäuschen. Und derjenige, dem Kontrollsucht vorgeworfen wird, kann aus der höheren Perspektive danach fragen, aus welchen alten und unbewussten Rollen heraus die Machtausübung der Kontrolle denn überhaupt möglich ist. Einen Moment der Pause, empfiehlt Kathrin Sohst, um zuzuhören.

Wer die höhere Perspektive einnehmen kann, ist aufgerufen, über sein Gewahrsein zu sprechen. Manche Hochsensible spüren das in sich und suchen nach geeigneten Wegen des Ausdrucks. Sie finden sie in der Kunst. In allem, was für sie ein künstlerischer Ausdruck ist und darin lassen sie sich nicht mehr limitieren von Märkten, die Zugangsbeschränkungen erschaffen. Sie schreiben, sie malen, sie zeichnen, sie drehen Filme. Sie performen in Fußgängerzonen, slammen poetry und veröffentlichen als Selfpublisher. Sie schreiben in Foren oder beteiligen sich an Communities zu Themen, die sie bewegen. Es gibt Therapeuten, die sehen ihre Art, Menschen zu helfen, als Kunst an. Aus der höheren Perspektive verdichtet sich der Ausdruck des Wissens auf das, was bedeutsam ist und es wird beiseite gelassen, was es nicht ist.

Der Artikel wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 4. November 2016 in Hochsensibilität im Alltag

Share the Story

About the Author