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Hochsensibilität als Gabe: Zugang zur inneren Weisheit

In den ersten sieben Teilen wurde darüber gesprochen, 

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Der achte und letzte Teil handelt von jenen,

…die Zugang zu ihrer inneren Weisheit haben

Illustration: Christiane Rösch

Illustration: Christiane Rösch

 

Hochsensible berichten manchmal von prophetischen Träumen, von Vorausahnungen, von einem Zugang zu ihrer inneren Stimme oder zu ihrer Intuition, von Hellsichtigkeit, Hellfühligkeit oder Hellhörigkeit und fragen sich dann, ob es sich um Einbildungen und Zufälle handelt oder um echte Fähigkeiten. Sir Arthur Conan Doyle ließ seinen berühmten fiktiven Detektiv, Sherlock Holmes, erläutern, dass seine Gabe die der detailgenauen Beobachtung in Kombination mit einer reinen, also emotionslosen Schlussfolgerung sei. Psychologen erläutern, auch unbewusst aufgenommene Daten könnten in die Auswertung hineingelangen und so werde manchmal der Eindruck erweckt, es handele sich um eine übersinnliche Wahrnehmung. Aber was soll das Wort übersinnlich eigentlich bedeuten? In der Tradition von Naturvölkern wurden und werden jene Stammesmitglieder verehrt, die die Fähigkeit haben, mit ihren nächtlichen Träumen dem Stamm Führung und Weisheit zu bringen. Ihnen wurde und wird zugetraut, die Energie der aufkommenden Ereignisse schon in der Gegenwart aufzufangen und die Ereignisse so vorauszuahnen. Ihre Funktionen sind zu allen Zeiten die der Visionäre, der Schamanen, der Orakel, der Propheten gewesen. In ihren Funktionen wurden und werden sie zu Heilern. Ereignisse, die ihre Energie vorausschicken, können durch die Voraussagen angemessen empfangen werden. Sie werfen den vorbereiteten Menschen, den sie betreffen, nicht mehr aus der Bahn. Das kann bedeuten, dass man in einer schwierigen Situation gelassen bleibt, einen kühlen Kopf behält und zügig sondieren kann, was jetzt ist, welche Optionen vorliegen, um handlungsfähig zu bleiben. Es könnte ebenso bedeuten, dass man Vorkehrungen trifft. Es könnte auch sein, dass man jemandem beisteht, bei dem man sich gerade zum richtigen Zeitpunkt meldet, “als hätte man es geahnt”, dass etwas vorsichgeht. Das ist es, wozu Voraussagen aller Art dienen: Im entscheidenden Moment bei sich bleiben zu können, statt vor Schreck außer sich zu geraten. Therapeuten, die die Traumdeutung in ihr Methodenportfolio einschließen, empfehlen ihren Klienten, ein Traumtagebuch zu führen. Zuweilen enthalten diese Träume tiefe Botschaften, die ermutigend, warnend oder sogar lebensverändernd wirken können.

Meditationsformen haben zum Ziel, die innere Stille zu befördern, damit Kontakt zu unserer inneren Weisheit möglich wird. Obwohl die Meditation oft mit dem Ziel der Entspannung und des Stressabbaus betrieben wird, liegen die Ziele der Meditation eigentlich woanders. Ursprünglich lagen sie darin, sich selbst zu erkennen und darin wiederum liegen die Ziele, Ideen hervorzubringen, Beziehungen zu heilen, den Willen der Seele zu beobachten, um aus allem etwas zu machen, das das Leben glücklich macht und die Menschen zufrieden. Zufriedenheit entsteht, indem der Mensch sein wahres Selbst, wenn er es erkannt hat, verwirklicht. Dazu ist nicht unbedingt eine Meditation notwendig. Das Leben selbst lässt den Menschen erkennen, wer er in Wahrheit ist. Die Antworten aber, so heißt es in psychologischen, therapeutischen, spirituellen, religiösen und oft sogar ganz alltäglichen Kontexten, liegen in uns selbst und es sei durchaus notwendig, hinzuhören, um sie zu erfassen. Hochsensible haben eine besondere Fähigkeit, sie zu erlauschen.

In meinen Schreibspielen fällt mir auf, dass Hochsensible in höherem Maße als andere Menschen einen Zugang zu der Instanz haben, die die Psychologie das innere Kind nennt. Es handelt sich um eine in den Zellen gespeicherte Erfahrung, die sich oft in Mustern und Glaubenssätzen äußert und sich nicht selten als Selbstsabotage manifestiert. Mit kinesiologischen Diagnose-  und Therapieverfahren lässt diese gespeicherte Erfahrung sich als Energie in Form von Muskelspannung sichtbar machen. Mit der Kontaktaufnahme zu seinem inneren Kind ist ein Zugang zu den eigenen Bedürfnissen möglich, um sich selbst seelisch nähren zu können. Indem wir wissen, was uns nährt, können wir passenden emotionalen Reichtum in unserem Leben erschaffen. Hochsensible wissen sehr gut, was es da braucht, weil sie Zugang zu diesem inneren Wissen haben, das viele Namen hat. Es kommuniziert mit jedem Menschen, aber Hochsensible hören besser zu. Und je nachdem, zu welchem ihrer Sinne die Rezeptoren aufnahmefähiger sind oder wie viele Rezeptoren über die gewöhnliche Anzahl hinaus zu einem Sinnesorgan gebildet wurden, hören, sehen, fühlen, ahnen wir Hochsensiblen mehr. Manchmal sogar unerklärlich viel mehr.

Um an die innere Weisheit zu gelangen, braucht es Fokussierung. In ihr liegt auch die Stärke, die Stärken ans Licht zu bringen. Wenn Hochsensible ihre Schwierigkeiten überwunden haben, die sich aus Ablenkbarkeit, Prokrastination und Erschöpfbarkeit ergeben, haben sie eine unvorstellbare Kraft, zu geben. Der Trick besteht darin, sich zu fokussieren und auch das kleinste bisschen Kraft, das vielleicht zunächst nur vorhanden sein mag, auf eine Sache zu lenken, die einem wirklich wichtig ist. Wenn wir alles andere sein lassen, schaffen wir Unvorstellbares. Das bedeutet als allererstes: Nur eine Sache zu tun. Die aber wirklich. Wirklich heißt: Mit Hingabe. Hochsensible glauben so oft, sie könnten keine Hingabe in sich finden. In Wahrheit aber entsteht sie automatisch. Sie muss gar nicht gefunden werden. Sie findet uns. Sie findet uns, indem wir konsequent dem folgen, wo unsere Freude uns hinführt. Der Freude folgen an den einen Ort. Nicht an fünfundzwanzig Orte zur gleichen Zeit. Für manche mag vielleicht auch gerade darin die Erfüllung liegen, zum Beispiel für die Sensation Seeker oder Scannerpersönlichkeiten unter den Hochsensiblen. Sie brauchen viele Eindrücke und eine Menge Gelegenheiten, Erfahrungen zu machen, um sich ausgeglichen zu fühlen. Für die meisten Hochsensiblen aber genügt es, sich für eine einzige Leidenschaft zu entscheiden, um den Sinn und den Zweck ihres Lebens zu fühlen. Dabei handelt es sich um etwas, das sich bereits im eigenen Leben befindet: Familie, Karriere, eine Gemeinschaft, ein Hobby, eine Fähigkeit, eine Vision… Ganz selten nur muss man sich tatsächlich noch extra auf die Suche begeben. Wenn dann alles weggelassen wird, was nicht wesentlich ist im Hinblick auf das Ziel, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich Wunder zeigen. Und nicht wesentlich bedeutet: Alles, was nicht deine Seele nährt. Die Freude ist der Kompass. Das, was uns mit Jubel erfüllt, entspricht dem Willen der Seele und in dem, was wir diesem Seelenwillen folgend tun, sind wir automatisch erfolgreich. Denn in der Fokussierung werden alle unsere Stärken freigesetzt. Jede einzelne, die in uns schlummert, als wäre sie Dornröschen.

Der Artikel wird in den Communities „Eulennest“ auf google+ und „Hochsensibilität als höchste Form von Intelligenz“ auf Facebook diskutiert. Für die Facebookgruppe braucht es bei Interesse bitte eine PN an die Autorin.

Posted on 25. November 2016 in Hochsensibilität im Alltag

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