loading please wait..

Die Sprache der Liebe. Oder: Der Himmel im Dreieck

 

Himmel und Erde miteinander zu verbinden. Ist das nicht unser aller Ziel? Doch, das ist es! Ist es auch dann, wenn es uns nicht bewusst ist, dass es das ist. Auch wenn wir glauben, der Himmel sei schon vorbei und er habe in vergangenen Zeiten oder in unserer Kindheit stattgefunden (oder sei dort versäumt worden) oder wenn wir glauben, der Himmel sei eine Zukunftsvision oder gar eine Utopie und lasse noch auf sich warten, versuchen wir im Grunde unserer Seele, unser Stück Erde, das wir beleben und kultivieren, mit einem Stück vom Himmel zu verbinden.

Im Symbol des Hexagramms, das im frühen Mittelalter ein Talisman gegen Dämonen und Feuergefahr war, wird die Bewegungsrichtung am besten illustriert. Der Himmel ergießt sich von oben, offenbart sich, fließt auf die Erde herab. Die Erde dagegen wächst dem Himmel von unten entgegen, öffnet sich ihm und nimmt ihn auf. Im Symbol des Davidstern verschlingen sich die Seiten der beiden, eigentlich blauen, Dreiecke ineinander, so dass die Mittelpunkte der Dreiecke identisch sind. In der Mythologie werden Himmel und Erde vermutlich nicht ohne Grund männlich und weiblich gedacht. Die beiden Dreiecke verbinden sich in ihrer Fläche zu etwas Neuem. Im psychologischen Instanzenmodell entsteht hier aus der Verbindung von Yin = Erde und Yang = Himmel das innere oder das göttliche Kind. Es ist also genau der mittlere Bereich des Dreiecks aus Yin, Yang und der Dreiecksfläche in Balance, die den verwirklichten Himmel darstellt. Die Dreiecksspitze ist der Himmel als reiner Geist und die Dreiecksbasis ist das Erdgebundene der Instinkte. Leben aber unter der Prämisse von Himmel und Erde findet in der Mitte statt, in der Mitte von allem.

Aurasichtige Menschen erzählen uns seit Jahrzehnten davon, dass sie einen bestimmten Typ Mensch beobachten könnten, dessen Aura von der Farbe Indigoblau beherrscht sei. Wenn man die entsprechend gelieferten Portraits über diese Menschen zur Kenntnis nimmt (Indigo-Kinder, die heute erwachsen sind, Kristallkinder, Regenbogenkinder), decken sich die Beschreibungen auffallend mit den von der Psychologin Dr. Elaine Aron vorgelegten Beschreibungen der Eigenschaften und Geisteshaltungen hochsensibler Menschen, die etwa 20 Prozent der Menschheit ausmachen sollen. Aron geht als Wissenschaftlerin in der Hauptsache auf die empirisch erfahrbaren Eigenschaften dieses Phänomens eines besonders durchlässigen und daher empfindsamen Nervensystems ein. Die spirituelle Psychologie fragt mehr nach der Bedeutung der Phänomenologie. Elaine Aron spricht in ihren Büchern von einem erkennbaren Adel dieser Menschen, den wir als Wesenszug für den Ansatz dieses Artikels sehr gut aufnehmen und auserzählen können: Aufgrund der bemerkenswerten Offenheit ihres Nervensystems, wie es auch von dem Neurobiologen Gerald Hüther beschrieben wird, haben hochsensible Menschen meiner Erfahrung nach das Potenzial in sich, Himmel und Erde miteinander zu verbinden. Ihr Bewusstsein für Transzendenz, das auch von Elaine Aron benannt wird (zum Beispiel in: Elaine Aron: “Sind Sie hochsensibel?”) ist der Schlüssel zu dieser Verbindung.

Sich dieser Transzendenzfähigkeit zu öffnen, müssen die meisten hochsensiblen Menschen allerdings erst lernen. Die Öffnung findet durchaus nicht sogleich zum höheren Selbst hin statt, sondern bedarf zunächst des Überwindens selbst gesetzter Blockaden und Hindernisse. Eines der größten Hindernisse auf dem Weg zum Himmel ist zum Beispiel die Angst vor Verletzung, die bei hochsensiblen Menschen sehr natürlicherweise besonders stark ausgeprägt ist. Aufgrund ihrer Sensibilität haben Hochsensible ein höheres Risiko, von den ursprünglichen Lebensdynamiken schwer getroffen und verwundet zu werden. So wurde ihre Angst vor Verletzung oft auch in jungen Jahren bereits bestätigt und vertieft. Die Ausweichstrategien hochsensibler Menschen bewegen sich, wie in allen anderen Dreiecken und wie allen anderen Ängsten gegenüber auch, ebenfalls zwischen zwei extremen Polen. Im sechsten Dreieck, dem Entwicklungsdreieck der Medialität, der Fähigkeit also, sich nach Innen zu wenden, sind das im unteren Bereich, der noch fernab von der Realität eines erfahrbaren Himmels liegt, der Passivpol der Überempfindlichkeit und der Aktivpol des Hochmuts. Verhaltensweisen wie Unentschiedenheit, Passivität, übermäßige und ängstliche Selbstschonung, Weinerlichkeit wie auch eine bestimmte Art von Depression sind ebenso Angstmerkmale wie Missionarismus, Fanatismus, Überheblichkeit, der Versuch, Menschen für deren globales Verhalten in ein moralisches Unrecht zu setzen und  das Bemühen, die Mitmenschen durch eine zur Schau getragene Arroganz auf Abstand zu halten. Das ist noch nicht der Himmel, denn mit Liebe hat das wenig zu tun, auch nicht mit Selbstliebe. Angst ist hier die Basis. Pure, vom limbischen System empfundene Angst und von den Instinkten bzw. von frühkindlich konditionierten Bewältigungsstrategien gesteuertes Schutzverhalten. Erde. Die Haltung des inneren Kindes lautet: “Bitte tu mir nicht weh“ und die Antwort des Instinkts oder der frühkindlichen Konditionierung ist die: „Ich verletze dich zuerst, dann kannst du mich nicht mehr verletzen“ oder aber „Ich entziehe mich allem, was mich verletzen könnte“. Solange die Instanz eines inneren Erwachsenen fehlt, der dafür sorgt, dass das innere Kind sich sicher fühlt, wird es bei “Erde” bleiben. Zur Not auch ein Leben lang. Dann werden die einmal geknüpften neuronalen Bahnen wieder und wieder und wieder befahren, ohne dass sie je erweitert und verlassen würden.

 

Den Himmel auf die Erde holen

Der Himmel aber wird auf die Erde geholt, indem dem höheren Selbst erlaubt wird, sich in das Ich hinein zu ergießen. Der Neurobiologe Gerald Hüther sagt an dieser Stelle, der Mensch müsse zu lieben lernen, um das gesamte Potenzial seines Gehirns allmählich nutzen zu können (Gerald Hüther: “Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn”). Das ist jene Transzendenz, zu der Hochsensible aufgrund ihrer Durchlässigkeit und Offenheit, aufgrund ihrer hohen Fähigkeit zu Präsenz und Achtsamkeit, was wir hier im 6. Dreieck auch Meditation nennen könnten, einen sehr einfachen Zugang haben. Die Angst des Ego wird bewältigt, indem die Vernunft auf den Plan tritt und Verantwortung übernimmt. Und die Vernunft, das ist der Weg zum Himmel: Ermutigung, Präsenz, Wertschätzung, Mitgefühl, Akzeptanz, Achtsamkeit, Freiheit auf der Yin-Seite. Plus ihre Umsetzung auf der Yang-Seite: Anerkennung, Urteilsvermögen, Konsequenz, Wärme, Authentizität, Behutsamkeit, Selbstverwirklichung.

Das Ich wird auf diese Art vom Licht des Selbst getränkt. In der Folge hat dieses lichtgetränkte Ich jetzt Zugang zu der Gesamtheit der Eigenschaften von Balance, Harmonie, Glückseligkeit und Frieden. Innerhalb dieser Fläche hat ein Komplementaritätsverhältnis zwischen Yin und Yang das alte Spannungsverhältnis aus Passivität und Aktivität abgelöst. Der ursprünglich männlich konnotierten Schöpferkraft verbindet sich auf höchster Ebene die weiblich konnotierte Künstlerschaft, wie wir sie in Hermann Hesses Roman “Narziß und Goldmund” meisterlich auserzählt vorfinden. Die Kraft des Vaters, zu erdenken und zu erschaffen verbindet sich mit der Kraft der Mutter, zu inspirieren und zu gestalten. Aus der Verbindung entsteht das göttliche Kind mit seiner Kraft purer Kreativität, die nicht mehr danach fragt, welche polare Kraft angezapft wird, sondern die einfach anzapft, sich selbst zum Kanal macht und fließen lässt. Das ist der Himmel. Wir müssen nicht nachdenken und beurteilen, ob wir gerade erschaffen oder gestalten und ob sich etwas für ein weibliches Wesen ziemt oder einem männlichen Wesen gemäß ist. Wir fließen einfach mit allem mit, schwingen mit und denken und handeln kreativ im Bewusstsein unserer Teilhabe an einem kreativen Universum. Und so holen wir den Himmel auf die Erde, indem wir ihn in uns zulassen, ihm in uns Raum geben, ihn durch uns sich verwirklichen lassen.

In einer der Sprachen der Liebe, von denen es natürlich wieder sieben geben muss, werden wir zum Sprachrohr der liebenden Kreativität. Im Dreieck setzt sich die Sprache der Liebe aus Yin und Yang zusammen, also aus den beiden Dreiecksseiten, wobei Yin das Prinzip ist, das der Sprache zugrunde liegt (analog der Grammatik und dem Wortschatz einer Sprache), während Yang den tatsächlichen Ausdruck darstellt (also die Art, wie die Sprache gebraucht wird, einschließlich der Dialekte einer Sprache). Dem Liebesprinzip muss, damit es wirksam wird, eine erfahrbare Konsequenz folgen! Für die sieben Dreiecke bedeutet das konkret:

Erstens: Anerkennung 

Wenn wir die Absicht haben, jemanden zu ermutigen (Yin), müssen wir kaum mehr tun, als ihm zu helfen, zu erkennen und anzuerkennen, welche Fähigkeiten er besitzt und bereits erfolgreich eingesetzt hat (Yang). Die Sprache der Liebe ist an dieser Stelle die Anerkennung. Dialekte der Sprache wären beispielsweise der Dank, das echte Lob, die Freude, der Liebesbrief, die Erfahrung mit anderen zu teilen und über die Wohltat zu sprechen, der Kosename.

Zweitens: Zeit mit jemanden verbringen

Hier wird in den Familien, vor allem in der Eltern-Kind-Beziehung, oft von „quality-time“ gesprochen, eine Zeit, in der man nicht einfach nebeneinander her läuft, sondern in der man sich einander widmet und diese gemeinsame Zeit hochwertig miteinander verbringt. Die Yin-Qualität ist Präsenz. Präsent zu sein ist die der Sprache zugrunde liegende Absicht. Zeit mit jemandem zu verbringen ist dann der Liebesausdruck durch Yang, in dem dafür gesorgt wird, dass die Zeit hochwertig und kreativ gestaltet wird. Dialekte der Sprache könnten sein feste Zeiten für intensive Gespräche, gemeinsame Spaziergänge, Ausflüge, der Besuch von Kulturveranstaltungen, Telefonate, der E-Mail-Kontakt oder der Briefaustausch.

Drittens: Praktische Hilfe

Die Liebesqualität der Wertschätzung ist wenig spürbar, ohne eine erfahrbare Konsequenz der Unterstützung im Tun des Anderen. Sich bedienen zu lassen und rein zu konsumieren, was der Andere einem seinerseits an praktischer Hilfe anbietet (ein häufiges Konfliktthema in altkonservativen Ehen), hat wenig mit echter Wertschätzung zu tun. Oft wird hier Anerkennung gereicht, was aber nicht das Gemüt desjenigen nährt, dessen Liebessprache praktische Hilfe ist. So erhält die Hausfrau vielleicht den Dank für ein gutes Essen, wünscht sich aber von ihrem Mann Hilfe beim Abwasch, um sich wertgeschätzt zu fühlen. Das Tun eines anderen wertzuschätzen ist die Yin-Qualität der Absicht. Praktische Hilfe zu leisten ist der erfahrbare Ausdruck dieser Wertschätzung, die Konsequenz aus der Wertschätzung, die Yang-Qualität. Dialekte dieser Sprache sind vielleicht, eine Arbeit für jemanden zu übernehmen (z. B. Schneeschippen, Laubfegen, die Mülltonne rausstellen, den Abwasch erledigen, die Wäsche aufhängen), etwas für jemanden herstellen, was dieser benötigt (z. B. für jemanden kochen, eine Website für jemanden aufbauen, einen Shop einrichten, einen Garten anlegen etc.), für jemanden einspringen und einen Dienst oder eine Betreuung übernehmen, Reparaturen erledigen, etwas vom Einkauf mitbringen.

Viertens: Körperkontakt

Die Yin-Qualität ist Empathie und sie schützt zugleich vor jeglicher Unangemessenheit in dieser Liebessprache. Empathische Berührungen können nicht unangemessen ausfallen, sonst sind es keine empathischen, sondern eigennützige und ignorante Berührungen. Die Absicht auf der Yin-Seite ist die Wohltat einem anderen Menschen gegenüber, zum Beispiel, ihn zu entspannen oder zu wärmen oder auch mit sich selbst zu verbinden. Die Yang-Aussage ist die Berührung in Dialekten wie Umarmung (ab 20 Sekunden wird Oxytocin ausgeschüttet, wenn die Umarmung als wohltuend empfunden wird), ein herzliches Händeschütteln, ein Schulterklopfen, im Moment des Schocks den rückwärtigen Solarplexus zu entspannen, den Arm um die Schulter legen, das Handauflegen zur Schmerzlinderung, Massagen.

Fünftens: Geschenke

Ein Geschenk gelingt dann, wenn der Geschenkeauswahl die Yin-Qualität der Akzeptanz zugrunde liegt. Wenn wir dem Anderen nicht das schenken, was wir entweder selbst gerne hätten oder worin wir uns als Schenkende inszenieren möchten, sondern wenn wir wirklich zugehört und erfasst haben, was der Andere brauchen kann, was ihn erfreuen könnte oder was er sich wünscht. Dabei lassen wir von jedweder Bewertung des erfassten Wunsches ab. Ein echtes Geschenk in der Intention von Akzeptanz schenkt einfach nur, ohne Bedingung, ohne Bewertung und ohne Erwartung. Dialekte der Sprache Geschenke wären z.B., etwas für jemanden anzusparen (z. B. eine Ausbildungsversicherung), in ein Projekt zu investieren oder für ein Projekt zu spenden, die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu erfüllen (z. B. auch, für ein Tier zu sorgen), einen Song oder ein Gedicht zu verschenken, einen Kuchen, ein Brot, einen Schal etc. zu verschenken, auf etwas besonders Bemerkenswertes hinzuweisen, um die Seele zu nähren, etwas mit jemandem zu teilen.

Sechstens: aktives Zuhören

Die Yin-Qualität ist Zuhören und die Yang-Qualität auch, könnte man meinen. Meditieren und beten sind performative Verben, bei denen Absicht und Tun identisch sind. Es ist die Behutsamkeit im Handeln, und sie ist noch immer ein Lauschen im Tun, so dass das eigene Tun in Wahrheit zum Lauschen wird, ein Lauschen gegenüber der Welt im Einfach-Nur-Sein. Die Achtsamkeit und die meditative Haltung setzt die Absicht, sich selbst ganz aus dem Geschehen zurückzunehmen, sich stattdessen als Kanal zur Verfügung zu stellen, um die Sprache der Liebe schlechthin sich entfalten zu lassen. Genau darum geht es hier im 6. Dreieck, zu dem die Farbe Indigoblau gehört. Die literarische Figur der „Momo“ aus Michael Endes gleichnamigem Jugendroman erzählt von dieser Liebessprache, die mehr ist als Zeit mit jemandem zu verbringen. Die Beschreibung im Roman erinnert ein wenig an die Bergpredigt in der Bibel:

„Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf –und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!“

Ich bin ziemlich sicher, dass Momo ein hochsensibles Kind ist und erzählt wird im Roman, wie Momo für die Bewohner und die Kinder der großen Stadt den Himmel auf die Erde bringt.

Dialekte der Sprache aktives Zuhören könnten sein Meditation und Gebet, in denen man sich selbst und der Essenz zuhört, sich medial nach innen zu wenden also (medial = der Mitte zu), das aber gerade, um einem anderen Menschen seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen und nichts anderes zu wollen, als den Anderen zu verstehen. Ein weiterer Dialekt ist es, sich mit dem Geist von Tieren oder Pflanzen zu verbinden und ihnen zu lauschen. Das neudeutsche „Channeln“ gehört dazu. In den Texten Anderer die Textaura zu erfassen und den Subtext mitzulesen. Im Gespräch den ganzen Menschen wahrzunehmen inklusive seiner nonverbalen Sprache aus Mimik, Tonfall, Gestik, Kleidung, Geruch, Bewegung und Haltung, wie auch Energie). Fragen zur Vertiefung und zum Verständnis zu stellen, echtes Interesse zu haben und zu zeigen. Der Intuition zu lauschen und damit über das Hörbare hinaus zu hören. Ebenso ist es ein Dialekt des aktiven Zuhörens, über das Sichtbare hinaus zu sehen, ein Verhalten aus höherer Perspektive zu betrachten, die tiefere Bedeutung einer Situation zu erfassen und darüber zu reflektieren, das heißt, über das eigene Gewahrsein zu sprechen, um auch andere verstehen zu lassen.

Siebtens: Unterstützung einer Vision

Auf der Yin-Seite dieser hochkomplexen Sprache, die alle sechs vorherigen Sprachen einschließt, steht die Absicht, einem Menschen die Freiheit zu verschaffen (ja wirklich zu verschaffen und nicht nur zu gewähren), seine Vision und damit sich selbst zu verwirklichen. Therapeuten, Berater und Trainer sprechen diesen Sprachmix in hohem Maße, denn sie statten den Menschen in der Regel mit Wissen und Kompetenz aus, damit er sich von seinen limitierenden Ängsten emanzipieren kann und so in seine Freiheit hinein findet, sich selbst zu verwirklichen. Die Verwirklichung  der Vision muss von jedem selbst geleistet werden. Die Unterstützung allerdings ist ein Liebesausdruck. Auf der Yang-Seite muss dann ein komplexes Spiel der Liebessprachen und Dialekte stehen, je nachdem, was gebraucht wird, um die Vision eines anderen zu unterstützen. Innerhalb der Polyphonie wäre es möglich, die Vision des anderen anzuerkennen, wie auch den Anderen als Visionär und Künstler zu ermutigen, andere Lebensentwürfe zu respektieren und über die Leistung des anderen zu sprechen, damit sie sich herumspricht und bekannt wird (Anerkennung). Es wäre denkbar, sich für die Fortschritte des Projektes zu interessieren und sich mit dem Anderen auszutauschen, vielleicht eigene Erfahrungen zu teilen oder einfach zu fragen, woran der Andere gerade arbeitet, worin seine Herausforderungen bestehen und was ihm besonders Freude an seiner Arbeit macht (Zeit mit jemandem verbringen). Jemandem im Alltag den Rücken freizuhalten oder eine Dienstleistung für ihn zu übernehmen, die er selbst nicht leisten kann, würde sicher dankbar angenommen (praktische Hilfe). Hier kämen technische Unterstützung in Frage, aber auch handwerkliche oder geistige Unterstützung wie Recherche, Lektorat etc. Jemandem einen Raum zur Verfügung zu stellen, z. B. ein Atelier, eine Werkstatt, einen Probenraum etc. verschafft oft erst die Möglichkeit, mit der Arbeit zu beginnen und mit ihr physisch in Kontakt zu treten (Körperkontakt). Finanzielle Unterstützung zu leisten oder in das Projekt zu investieren ist wahrscheinlich der bekannteste Weg, ein Projekt zu unterstützen (Geschenke). Er könnte aber auch darin bestehen, einen Part bei der Realisierung des Projekts zu übernehmen zum Beispiel mit den Institutionen Verlag, Theater, Filmproduktion, Firmengründung, Produktion, Marketing und Vertrieb etc. Absolut möglich ist es in dieser Sprache, sich gegenseitig in der Verwirklichung von Visionen zu unterstützen, wie auch, dass die Beteiligung an der Realisierung eines visionären Produktes bereits die Erfüllung der eigenen Vision darstellen könnte. Ein Verleger könnte zum Beispiel die Vision verfolgen, eine bestimmte Art von Büchern zu publizieren, womit er mit einem Schriftsteller und dessen Visionsverwirklichung, eine bestimmte Art von Buch zu schreiben, ein komplementäres Verhältnis eingehen würde, bei dem sich beide  zugleich verwirklichen würden. Natürlich wäre es auch denkbar, für ein Projekt zu beten oder einen Visionär zu beraten und zu coachen und das Projekt auf diese Art behutsam zu begleiten (aktives Zuhören).

Den Himmel auf die Erde zu bringen also, das ist unser aller Ziel. Zumindest ist es das Ziel derjenigen, die bereits auf dem Weg in ihr Liebespotenzial sind und die sich von der ängstlichen Zurückhaltung ihres Potenzial emanzipiert haben. Sie lassen es zu, dass der Geist der Liebe sie erfasst und dass ihre Handlungen unter diesen Geist gestellt und von ihm geführt werden. Jeden Tag unter die klare Absicht zu stellen, sein Handeln statt vom Ego vom höheren Selbst leiten zu lassen, ist ein ziemlich gutes Instrument, das direkt vom Himmel kommt. Wenn wir im Laufe des Tages dann gesagt bekommen “dich schickt der Himmel!”, wissen wir, dass die morgendlich gesetzte Intention sich erfüllt hat. Wir spüren es auch ohne den Ausspruch als Himmel in uns.

Posted on 13. Dezember 2018 in Die Drama-Dreiecke, Hochsensibilität im Alltag