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Das Problem mit der Hochsensibilität – und was stattdessen sein soll

Der Begriff der Sensibilität, wie wir ihn mit der Benennung des Phänomens der Hochsensibilität auf besondere Art verwenden, macht eigentlich nur eine neutrale Aussage über ein bestimmtes Ausmaß an Empfänglichkeit gegenüber Einflüssen von außen, also gegenüber Reizen. So ungefähr formuliert es Dr. Elaine Aron in ihren Büchern. Im erlebbaren Alltag allerdings sieht es so aus, als würden hochsensible Persönlichkeiten eher zu einer Wertung ihrer Sensibilität gegenüber tendieren, und wenn man sich unter den tausenden von Mitgliedern verschiedener HSP-Communities im Internet umhört, scheint diese Wertung häufiger negativ als positiv auszufallen. Wie kommt das?

Vom essentiellen und vorherrschenden Geist

In “Hochsensibilität in der Liebe” schreibt Elaine Aron: “Wenn wir lieben, empfinden wir uns als vom essentiellen Geist durchwirkt, und spüren wieder, was uns bereits in der Kindheit mit der Entfremdung von der Natur verloren gegangen ist. Der essentielle Geist nährt unsere tiefsten Hoffnungen und Träume, insbesondere bei HSP. Ersticken wir ihn, riskieren wir exzessiven Widerstand oder andere Formen liebloser Distanzierung. Das Problem ist, dass gerade HSP auch sehr empfänglich für den vorherrschenden Geist sind, weil wir so gewissenhaft und leicht sozialisierbar sind. Wir spüren aber auch die Gegenwart des essentiellen Geistes tief in unserer Seele, und wenn wir es riskieren zu lieben, dann stellen wir eine Verbindung zu ihm her und erleben größte Verzückung”.

Mit “essentiellem Geist” und dem “vorherrschenden Geist” sind nach John Desteians, auf den Aron sich hier bezieht, der instinktgesteuerte Geist einerseits und der zivilisierte, kollektive Geist andererseits gemeint. Ich verstehe es so, dass in den essentiellen Geist Instinkt, Intuition und Inspiration einfließen, eben unsere Essenz, und dass der vorherrschende Geist Teil unserer Existenz ist. In anderen theoretischen Modellen wäre an der Stelle des essentiellen Geistes vom inneren Kind die Rede, manchmal auch noch spezifischer vom Sonnenkind oder vom göttlichen Kind oder von unserer ätherischen Aura. Falls unsere Existenz weit von unserer Essenz entfernt liegt, treten Entfremdungsempfindungen auf, auf die der französische Philosoph Jean-Paul Sartre in seiner Existenzphilosophie eingegangen ist. Für ihn war der Existenzialismus eine Form des Humanismus, weil es ihm letztlich darum ging, dem Menschen näher zu bringen, wie er wirklich Mensch und wirklich er selbst werden könne, nämlich indem er sich die Existenz nicht von einem vorherrschenden Geist aufzwingen lassen dürfe, sondern sich stattdessen darum bemühen müsse, seiner ureigenen Essenz auf die Spur zu kommen, sie zu definieren und ihr Ausdruck zu verleihen. Das Ziel des Lebens müsse es sein, Essenz und Existenz in eine größtmögliche Übereinstimmung zu bringen. Das sei die eigentliche Verantwortung des Menschen, sagt Sartre, darin liege seine Freiheit und seine Verpflichtung zugleich, und er nennt es “zur Freiheit verdammt”, weil es nichts Schwierigeres gibt als das Leben in echter Freiheit.

Kognitive Dissonanzen

Für Hochsensible scheint der Anspruch, den essentiellen Geist über den vorherrschenden Geist nicht zu verlieren eine sehr große Herausforderung zu sein, und zwar aus dem von Aron benannten Grund. Einerseits ahnen und spüren wir den Anspruch, unseren essentiellen Geist bewahren zu wollen, als inneres Sehnen, aus dem heraus wir oft nicht konform gehen können mit dem, was als vorherrschender Geist gilt. Die Phänomene, die der vorherrschende Geist hervorbringt, widersprechen so leicht einer empfindsamen Natur, einem tiefgründigen Geist, einem Bedürfnis nach Alleinsein und Introversion und auch einer tief ausgeprägten Empathiefähigkeit. Andererseits beherrschen die Phänomene des vorherrschenden Geistes, so wie er derzeit in unserer Kultur existiert, unseren Alltag und wir sind in unserer Empfänglichkeit extrem beeinflussbar durch ihn.

Die Straßen der Großstadt, in der die meisten von uns arbeiten, sind laut und verschmutzt. Manchmal reicht der Lärm bis an den Arbeitsplatz, wenn man an die typische Geräuschkulisse eines Bürogebäudes, eines Kaufhauses, eines Restaurants oder irgendeines anderen modernen Arbeitsplatzes denkt. Der Erfolgsdruck ist extrem hoch, was Profitabilität und Effizienz angeht. Es geht häufig um Schnelligkeit, selbst wenn eine Entscheidung eigentlich eine gründliche Reflexion erfordern würde oder wenn eine menschliche Zuwendung angemessen wäre. “Bitteschön, in Ordnung, denken Sie nach. Aber machen Sie schnell. Wir brauchen sofort ein Ergebnis, sonst…”. Dieses Sonst sitzt jedem als Druck im Nacken. Bei diesem Sonst geht es immer um Konkurrenz und Geld und an ihm werden Arbeitsplätze festgemacht. In den Pausen gibt es keine Alleinzeit zum Atmen. Klinkt man sich aus, gilt man als unsozial und so eine Einschätzung hat häufig nachteilige Konsequenzen. Es ist nicht egal, welches Temperament jemand hat. Es gibt ein Temperament, das als Maßstab gilt und alles andere wird gerne mit der Vorsilbe un- oder hyper- belegt. Unsensibel zu sein gilt als genauso unangebracht wie hypersensibel zu sein. Beide Formulierungen implizieren eine Abwertung. Und das ist das erste Problem mit der Hochsensibilität: Die Mehrheit der Menschheit ist es nicht und kann sich unter dem Phänomen wenig vorstellen. Worunter man sich nichts vorstellen kann, dessen Auswirkungen man gemessen am Standard aber als einschränkend erlebt, unterliegt der Gefahr, abgewertet zu werden. Wir erleben es häufig in der Berichterstattung der Medien, wenn sie sich des Themas doch einmal annehmen, aber oft ist es auch im Dialog mit unseren Ärzten bemerkbar. Da herrscht vor allem ein Ton der Skepsis. Die mangelnde Wissenschaftlichkeit wird vorgeschoben. Solange es nicht beweisbar ist und nur eine Minderheit betroffen scheint, könnte es doch auch als Spinnerei gelten. Das würde es der Mehrheit jedenfalls leichter machen, sich nicht neu darauf einstellen zu müssen, dass einige Menschen ein bisschen anders ticken.

Erfahrung von Abwertung und fehlende Akzeptanz

Der Erfahrung, abgewertet zu werden, stehen manche Hochsensible schon seit ihrer Kindheit gegenüber, als sie mit Attributen wie langsam, schüchtern, ängstlich belegt wurden, manchmal mit dem Zusatz zu versehen und manchmal sogar mit noch eindeutigeren Abwertungen wie zu nichts zu gebrauchen, Kräutchen-rühr-mich-nicht-an, Angsthase. Die meisten kennen zugleich die als wohlmeinende Ratschläge getarnten Belehrungen und Maßregelungen, mit denen nicht in erster Linie das Leben der Sensibelchen leichter gemacht werden sollte, sondern das Leben derer, die mit den Sensiblen leben mussten. Sie hatten keine Lust, dauernd auf jemanden warten zu müssen, ständig jedes Wort auf die Goldwaage legen zu müssen oder sich um alles selbst kümmern zu müssen. Aus den Aufforderungen sich ein dickeres Fell zuzulegen, mal ein bisschen lockerer zu werden und sich bitte nicht immer so anzustellen ist ein Anpassungsdruck entstanden. Wir hören diesen Druck oder fühlen ihn oder denken ihn auch als Erwachsene noch in unseren eigenen Gedanken. Es handelt sich scheinbar um eine Stimme in uns, aber in Wahrheit ist es der innere Kritiker, das Produkt unserer ganz eigenen und langwierigen Anpassungsbemühungen. Es ist eine Stimme also, die ursprünglich von außen kam und gründlich verinnerlicht wurde. Als Erwachsene fürchten wir uns vielleicht und schelten uns selbst, dass wir uns mal wieder nur anstellen, weil niemand außer uns eine Gefahr sieht, niemand außer uns den Raum als zu kühl empfindet, niemand außer uns zwei Pausen mehr und eine früher braucht und scheinbar nur wir uns zu Tode langweilen bei dem üblichen Gerede auf einer üblichen Party. Wir empfinden ein Verhalten als übergriffig und sagen uns, dass es vermutlich nicht so gemeint war und wir nur wieder überempfindlich sind. Wir haben das dringende Gefühl, etwas brauche unsere Zeit und unsere Aufmerksamkeit für eine gründliche Reflexion, aber dann drängeln wir uns selbst, jetzt nicht länger herumzuhampeln, weil eine so einfache Entscheidung doch wohl nicht so schwierig sein könne. Das ist das nächste Problem mit der Hochsensibilität, dass wir sie nicht akzeptieren, weil wir nicht gelernt haben, sie zu akzeptieren. Wir betrachten sie und ihre Implikationen nicht als zu unserer Essenz gehörend, also als grundlegend zu uns gehörend, sondern, konditioniert vom vorherrschenden Geist, als störenden Faktor.

Der natürliche Zustand unserer Wurzel

Unser natürlicher Zustand wäre es eigentlich, entspannt zu sein. Vergleichen wir diese Behauptung einfach mit Elaine Aron in “Sind Sie hochsensibel?”: “Wenn man Sie nach Ihrer nervlichen Anspannung beurteilt, handelt es sich nicht um Ihr wahres ICH, sondern um eines, das vorübergehend von Übererregung geplagt wird. Falls und sobald man Ihr gelassenes ICH kennen lernt – das ICH, das auch Feinheiten wahrnimmt – wird man einen positiven Eindruck von Ihnen gewinnen. Sie wissen, dass das stimmt, weil Sie enge Freunde haben, die Sie bewundern.” Selbst wenn wir keine engen Freunde haben sollten, die uns offenkundig bewundern, könnte man bei Elaine Aron noch weiter fündig werden, um die Behauptung dennoch zu plausibilisieren. Wenn man ihren Forschungen folgt, liest man bei ihr auch noch, dass im Körper hochsensibler Menschen eine höhere Serotoninproduktion nachweisbar sei (nachzulesen in Elaine Aron: “Hochsensibilität in der Liebe”). Serotonin gilt als Wohlfühlhormon. Serotonin wird vor dem Schlaf ausgeschüttet, um den Organismus zu entspannen, damit er in den Schlaf hineinfindet. Aron geht auch von einer erhöhten Dopamin-Produktion aus, was dazu führt, dass HSP (außer sie sind zugleich Sensation Seeker) keine weiteren Adrenalin-Stöße brauchen, um ein optimales Erregungsniveau zu erreichen, nach dem jedes Individuum strebt. Sehr kleine Anstöße von außen genügen, damit sie sich glücklich und optimal angeregt fühlen können.

HSP beherrschen demnach eigentlich, von ihrer Natur aus, die Fähigkeit, aus sich selbst heraus glücklich und gelassen zu sein. Schattenaspekte und Neurosen aufgrund von seelischen Erschütterungen bleiben bei dieser Betrachtung außen vor. Die meisten HSP also fühlen sich entspannt, wenn sie allein sind und wenn sie sich in ihrem eigenen Rhythmus durch ihr Leben bewegen und die Intensität des Erlebens selbst wählen können. Ihre Innenwelt ist für gewöhnlich lebendig und facettenreich, voller Reflexionen, Inspirationen und Visionen.

Druck von außen

Das Problem ist, dass wir uns de facto nicht dagegen abschirmen können, in den Trubel, die Dramen und den Lärm der äußeren Welt hineingezogen zu werden. In unserem Berufsalltag und Privatleben werden wir einem Stress ausgesetzt, der nicht unser eigener ist. So wird, eben weil wir empfindsam und überdurchschnittlich aufnahmefähig sind, der Stress Anderer in unser System eingeschleust. Möglicherweise lassen wir uns aufgrund von Erwartungen und Forderungen allzu leicht auf etwas ein, das nicht mit uns übereinstimmt und geraten selbst ebenfalls in Stress. Es wäre wunderbar, müssten wir uns nicht nach dem Zeitplan und den Effizienzanforderungen Anderer richten, aber die meisten von uns müssen es. Sie gehen nicht nach ihrem Biorhythmus zur Schule oder zur Arbeit und machen nicht ihren Bedürfnissen entsprechend Pausen, sondern sie laufen mit im System, das den allgemein gültigen Rhythmus vorschreibt, stolpern manchmal hinterher oder geraten gänzlich aus dem Takt. Arbeitsbeginn um acht, Mittag um zwölf, zusammen mit den Kollegen, Meeting um zwei, Feierabend um sechs. Kennen wir nicht zu gut das sehnsuchtsvolle Gefühl von Alleinzeit am Nachmittag, um kurz meditieren zu können? Oder die Sehnsucht danach, sich am Vormittag zu fokussieren, um kreativ zu arbeiten? Oder den dringenden Wunsch, die Mittagspause um eine Sonnenstunde zu verlängern? Oder eine neue Idee im Café auszuarbeiten, wo die Hintergrundbewegung den eigenen Geist mit in Bewegung bringt? Kennen wir, aber wer außer den Selbstständigen und Freiberuflern kann diesen individuellen Impulsen nachgeben?

Zurückfinden in die eigene Natur

Selbstständige und Freiberufler immerhin können es – theoretisch zumindest – und für alle anderen bleibt dennoch der Ausweg, sich in weiser Gelassenheit zu üben. Man könnte lernen, ruhig und zentriert zu bleiben, auch wenn Druck von außen aufgebaut wird. Man könnte daran arbeiten, die eigenen Prinzipien gut zu kennen, damit man ihnen treu bleiben kann. Man kann versuchen, sich der Natur dieser Gelassenheit, die im Alleinsein unsere Grundnatur ist, so sehr bewusst zu werden, dass man sie auch unter Druck wieder herstellen kann, selbst wenn sie kurzfristig verloren gegangen sein mag und wir vielleicht aus der Balance geraten sind. Wir können diese Natur dann aktiv und bewusst wieder aufsuchen, wenn wir sie gut genug und als unser wahres Selbst kennen. Mit drei tiefen Atemzügen holen wir sie dann wieder herbei.

Dieses Problem findet übrigens in unserem Wurzelchakra statt. Hier sorgt das Adrenalin für das Empfinden von Stress. Das Stresshormon Cortisol ist dann im Blut nachweisbar und die Übererregung des Nervensystems zumeist an unseren Reaktionen erkennbar. Hier in der Wurzel sitzt aber auch die Energie unseres essentiellen Geistes oder des kreativen und instinktverbundenen inneren Kindes. Wir könnten also daran arbeiten, unser Wurzelchakra über einen regelmäßigen Aufenthalt in der Natur grundzustärken und könnten uns diese Naturverbindung konsequent selbst suggerieren, sobald sich Druck von außen ankündigt. Wenn wir die Bedürfnisse unseres inneren Kindes kennen, können wir auch ihre Erfüllung suggerieren oder besser noch realisieren. Der potenzielle Gewinn wäre, dass wir unseren essentiellen Geist über den vorherrschenden Geist hinwegheben könnten, ihn schützen und ihn hinter dem Stress wieder auf die Erde setzen, damit er weiterlaufen kann, weiter spielen oder künstlerisch kreativ sein oder worin auch immer er sich ausdrücken mag.

Ungleiche Kraftverteilung

Es scheint manchmal, als hätten HSP kein Durchhaltevermögen, als fehlte es ihnen an Lebenskraft. Mancher Handschlag ist so weich und schlaff, dass man gleich an die Kameliendame denken muss, die immerhin an der Schwindsucht stirbt. Viele der HSP versuchen im Berufsalltag oder auch in der Familie als fürsorgliche Mütter und Väter und als unternehmungslustige Partner mit ihren tatkräftigen Mitmenschen mitzuhalten und brennen darüber aus. Hier wäre es notwendig, aus dem direkten Vergleich auszusteigen. “Andere schaffen es doch auch, zu…” ist kein relevanter Satzanfang, wenn das Fass gefährlich voll ist und droht überzulaufen. Die Leidtragenden von übergelaufenen Fässern sind oft Kinder oder es sind Freunde oder Partner oder auch Kollegen und Mitarbeiter. Manchmal sind es auch die Haustiere oder es sind Fremde, die unsere bärbeißige Miene und unser biestiges Verhalten an Supermarktkassen oder im Straßenverkehr ertragen müssen. Zuweilen sind es auch Hunde, die unsere gefährlich vollen Fässer spüren und anknurren. Für ihr Knurren werden die Hunde dann zurechtgewiesen und alles nur, weil man das Fassvolumen und die Tatsache, dass das Fass, aus noch nicht ganz geklärten Gründen, mehr aufnimmt als andere Fässer, nicht beachtet hat.

Mit diesem Problem der ungleichen Kraftverteilung befinden wir uns im Sakralchakra, wo unser Energiedynamo in Form von Testosteron sitzt. Wir müssen lernen, unsere Kräfte, die der Dynamo in einem bestimmten, unserer Konstitution entsprechenden Maß bereitstellt, einzuteilen. Uns steht ein bestimmtes Maß zur Verfügung. Wir können es aufladen, wenn es aufgebraucht ist und wir sollten es dringend auch tun. Dazu müssen wir wissen, was unser inneres Kraftwerk individuell zum Laufen bringt. Und dazwischen müssen wir haushalten. Outsourcen ist ein Stichwort, das von Elaine Aron als Idee in ihrem Buch “Sind Sie hochsensibel?” eingeführt wird, delegieren und sich mit den Energien Anderer verbinden. Ich würde den Begriff der Kooperation einbringen wollen und die Idee, dass jeder das tun sollte, was er einfach gut leisten kann und etwas abgibt, was ihn übermäßig belasten und entkräften würde. Bei diesem System übernimmt man etwas für jemand anderen und der übernimmt etwas für einen und so weiter und eigentlich müsste sich auf die Art ganz gut mit der vorhandenen Kraft haushalten lassen, sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich. So eine Kooperation auszuhandeln kann durchaus dazu führen, dass man wiederum sich selbst und Andere noch besser kennenlernt.

Emotionalität

Mit welchem weiteren Problem wir uns aber auch noch im Sakralchakra befinden, ist die Emotionalität. Wie oft nehmen Hochsensible die emotionalen Befindlichkeiten und Ängste Anderer auf und halten sie für ihre eigenen? Unser natürlicher Zustand ist analog zu der Entspanntheit im Wurzelchakra eigentlich die Gelassenheit. Gelassen sind wir für gewöhnlich, wenn wir alleine sind. Wir würden es dort, im Alleinsein, nicht darauf anlegen, eine hohe Gefühlsintensität zu produzieren, denn dafür ist unser Nervensystem gar nicht ausgelegt. Die meisten HSP vermeiden allzu aufregende oder gewalttätige Filme, Nachrichtensendungen mit überwiegend negativer Berichterstattung oder auch das nicht enden wollende Gejammer der Nachbarin, die es liebt, sich mit ihren Problemen im Kreis zu drehen. Unter dem Einfluss von außen werden wir oft aber in emotionale Dramen und Befürchtungen hineingezogen, ohne, dass wir es wollen oder verhindern könnten. Zugleich haben viele HSP dennoch, eigentlich paradoxerweise, die größten Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle wahrhaft zu erkennen und zuzulassen, was den Prozess des unfreiwilligen Hineingezogenwerdens zusätzlich befeuert. Sie bemerken dann nicht, dass ihnen das Hineingezogenwerden keineswegs behagt.

Mentalisieren und Spiegeln

Jetzt ist die Lösung, die man zu diesem Problem leichthin hört und liest, einfach nicht auf die Emotionen anderer zu reagieren. “Ignorier es doch einfach!”, erweist sich als nicht sehr hilfreicher Rat, weil wir das nicht können. Wenn die Emotionen und Ängste existieren, registrieren wir sie auch. Über unsere Spiegelneuronen empfinden wir sie und reagieren auf sie. Wir können nichts dagegen tun, dass uns die Emotionen Anderer aufregen und die fremden Ängste uns lähmen, weil wir nicht wissen, wie wir es verhindern können, ihnen Raum zu geben. Und doch gibt es etwas, das wir lernen können zu meistern, um uns zu helfen. Diese spezielle Meisterschaft liegt sogar genau im Kern des sensiblen Temperaments begründet. Es ist wiederum das Spiegeln. Das bedeutet, wir haben eine angeborene Fähigkeit, die Befindlichkeiten Anderer zu erkennen, aber statt sie jetzt in uns aufzunehmen, kommunizieren wir unsere Wahrnehmung, ohne uns involvieren zu lassen. Dafür brauchen wir eine kleine Abwandlung dessen, was zu den vier Aspekten der Hochsensibilität zählt. Aus der Empathie, der Fähigkeit also, sich in andere hineinzufühlen (und daher zu fühlen, was der Andere fühlt), machen wir das Mentalisieren. Beim Mentalisieren nehmen wir die Gefühle zwar wahr, wir registrieren also das Gefühl bei uns selbst, haben es so auf dem Schirm, aber wir bleiben selbst emotional außen vor. Zu dieser Fähigkeit gelangen wir, indem wir ein bisschen weiter ausholen und durch eine sorgfältige Schattenarbeit dafür sorgen, dass die Gefühle der Anderen sich bei uns nicht mehr automatisch festhaken können. Im Sakralchakra lässt sich nämlich die Energie des inneren Kindes, ich nenne es lieber des Kindes der Erfahrung und Weisheit, lokalisieren, wenngleich wir erst nach der Integration unserer persönlichen Erlebnisse von Erfahrung und Weisheit sprechen können.

Durch eine konsequente Schattenarbeit gelangen wir in jenen Grundzustand ruhiger Emotionen, der sich als pure Gelassenheit äußert. Vor dem Hintergrund dieser emotionalen Gelassenheit kann jeder von uns sich verfügbar machen, sensibel wahrzunehmen und zugleich bei sich zu bleiben. Ich kann zum Beobachter werden und meine Beobachtung zurückspielen oder spiegeln, falls es gewünscht ist und als hilfreich erachtet wird. Falls es nicht erwünscht ist, sollten wir uns eine Praxis zulegen, mit der wir für uns selbst über unsere Wahrnehmung reflektieren können, um zu verhindern, dass die fremden Energien sich in unserem System festsetzen. Das Schreiben einer kurzen Beobachtungsnotiz wäre so eine hilfreiche Praxis.

Wir sind dafür offen, das Subtile und des Lebens Untertöne wahrzunehmen. Das ist unsere Fähigkeit, die bei manchen HSP bis hin zu einer telepathischen oder medialen Fähigkeit entwickelt ist. Indem wir lernen, uns abzugrenzen, können wir mit dieser Fähigkeit dazu beitragen, andere zu unterstützen, innere Unordnung zu entwirren, für sich selbst zu sorgen und sich das Leben zu erleichtern. Ein kleiner hilfreicher Kommentar genügt dazu manchmal. Wenn ich natürlich Lust habe, kann ich mich immer noch zum Mitspieler im Drama machen, warum auch nicht? Aber ich werde so ein Mitspieler nicht mehr automatisch und ohne meinen ausdrücklichen Willen sein. Vor allem werde ich nicht mehr zum Retter im Dramadreieck der Beziehungen, wenn mir meine eigenen Empfindungen klar sind und ich sie von denen der anderen Beteiligten unterscheiden kann. So übernehme ich keine Rollen mehr automatisch und bekomme auch keine mehr ungefragt zugewiesen.

Es ist also die Schattenarbeit, um die eigenen Emotionen zu klären und zu beruhigen, die verhindert, dass wir uns getriggert fühlen. Wenn man anschließend dennoch in einen fremden Emotionsstrudel hineingerät, hat man im Prozess der Schattenarbeit immerhin gelernt, sich selbst zu fragen, wo genau die Resonanz jetzt herkommt. Dafür lassen sich Gefühle und Verantwortlichkeiten leicht wieder an die richtigen Stellen verteilen: “Das hier sind meine Gefühle, die muss ich mir anschauen. Aber das hier sind deine, für die trägst du die Verantwortung.” Wenn wir es mit ihrerseits sehr bewussten Menschen zu tun haben, werden wir auf so eine Aufräumaktion die Antwort erhalten: “Danke, dass du mir mein inneres Kind nach Hause geschickt hast, damit ich mich selbst darum kümmern kann.”

Wirtschaftlichkeit als Maßstab

Ein Problem, das ich in unserem Solarplexus ansiedeln würde, ist ein wenig verwandt mit dem Problem, das aus dem Wurzelchakra heraus entstehen könnte. Hochsensiblen wird nachgesagt – und allzu oft sagen sie es sich selbst in zermürbenden inneren Dialogen – dass ihre Willensstärke weniger stark ausgeprägt sei. Zaghaftigkeit ist der Begriff, den Elaine Aron verwendet, zusammen mit den Begriffen Angst, Hemmnisse und nervliche Übererregung. Hier geht es allerdings nicht um die Adrenalinproduktion, sondern um die Produktion von Insulin, das dazu gebraucht wird, den Zucker der Nahrung in Energie umzuwandeln. Im übertragenen Sinn wird auch geistige Nahrung in Form von Erlebnissen, in Energie in Form von Erfahrung und Weisheit umgewandelt und dann im impliziten Gedächtnis durch das Sakralchakra gespeichert. Diese aktive Weisheit steht wiederum als ein von C. G. Jung geprägter Archetyp bereit. Es ist der innere König oder das, was wir mit Yang oder dem Animus bezeichnen könnten. In einer Gesellschaft wie der unseren, die der Yang-Energie uneingeschränkte Dominanz einräumt und deren Qualitäten der Stärke, des Durchsetzungsvermögens, der Effizienz und der Produktivität hochhält, verfallen HSP leicht in die Tendenz, sich mit Anderen zu vergleichen. Elaine Arons Einschätzung ihrer eigenen Kultur gegenüber gilt auch für die unsere, denn sie gilt für die westliche Welt im Allgemeinen: “In unserer Kultur besteht die Vorstellung von Wettbewerb unter Leistungsdruck, die jeden, der nicht nach Bestleistungen strebt, als wertlosen, unproduktiven Zuschauer brandmarkt. Dies gilt nicht nur für unseren Beruf, sondern auch für unser Privatleben” (Elaine Aron: “Sind Sie hochsensibel?”). Aron bringt auch die Konsequenzen drastisch auf den Punkt: “Da Durchsetzungsvermögen und Stärke bevorzugt werden, wird unser Persönlichkeitsmerkmal als etwas angesehen, mit dem sich schwer leben lässt oder das geheilt werden muss.” (Elaine Aron: “Sind Sie hochsensibel?”). HSP wollen zwangsläufig mithalten, um nicht als schwach zu gelten. Das ist vor allem an hochsensiblen Männern zu beobachten, für die die Maßstäbe des vorherrschenden maskulinen Geistes manchmal von klein auf besondere Gültigkeit haben. Wenn der Vergleich, trotz aller Versuche, in der Leistungsbereitschaft mitzuhalten oder Andere sogar zu übertrumpfen, misslingt, leidet der Selbstwert unter dem Vergleich. Wir fühlen uns als Schwächlinge, was wiederum besonders männliche Hochsensible schwer trifft. Ihre Maßstäbe an Erfolg sind gekoppelt an die Maßstäbe, die die Gesellschaft für die Bewertung von Erfolg bereitstellt und sie sind in der Regel materieller Natur, gebunden also an unsere persönliche Wirtschafts- und Finanzkraft. Sobald wir uns aber in Berufen befinden, die unserer Natur und Neigung entsprechen, ist es Unsinn, die Kategorien weiter dieselben sein zu lassen, wenn sich unsere Arbeitsbedingungen völlig verändert haben. Kunden zu werben, Marketing zu betreiben, Preise durchzusetzen, zusätzlich dazu potenziell operative Hektik und strategische Pläne alleine zu bewältigen, kann für HSP eine große Herausforderung sein. Diese Herausforderung zu meistern ist bereits ein Erfolg, den es zu honorieren gilt, statt ihn zugunsten der Beurteilung durch den Steuerbescheid zu übergehen.

Neue Werte

Ganz grundsätzlich müssen wir verstehen, dass wir nichts und niemandem etwas zu beweisen haben. Wir haben nur unsere eigenen Erwartungen an unseren Erfolg zu erfüllen und keine Erwartungen Anderer und schon gar nicht die einer Gesellschaft, deren vorherrschender Geist in der Hauptsache auf Wachstum, Produktivität und Effizienz setzt, aber Kategorien wie Glück, Zufriedenheit und inneren Frieden geringschätzt. Wir können es uns leisten, aus dem Konkurrenzkampf auszusteigen, denn unser Ego, das im Solarplexus sitzt, ist erwachsen geworden, nachdem wir unsere Schatten bearbeitet haben. Kein Konkurrenzdenken triggert mehr unsere Minderwertigkeitsgefühle, denn sie wurden liebevoll in die Obhut eines inneren Erwachsenen genommen. Im Solarplexus sitzt jetzt ein weiser, väterlicher König, der nur noch verlangt, was realistisch und auf gesunde Art machbar ist, der Pausen und Ruhe und Innehalten verordnet und Vertrauen statt hektische Betriebsamkeit zur obersten Priorität macht. Es ist ein Bewusstsein für die wirklichen Werte im Leben, das von hier ausstrahlt. Jeder findet seine eigenen Kategorien, in denen er seine Werte ansiedelt und steht dort für seine persönliche Wahrheit ein. Vor dem Hintergrund dieser persönlichen Wahrheit, die unserem essentiellen Geist entspricht, entfaltet sich dann das Leben ganz von selbst und zu unserer Überraschung in unserem Sinne. Denn der essentielle Geist strebt nunmal nach seiner Selbstverwirklichung. Der Wettbewerb, in den wir jetzt eintreten, ist gesund, bringt Fortschritt und findet auf Augenhöhe statt. Es geht nicht mehr um Konkurrenz, sondern darum, unser Autorität neben die Autorität anderer zu stellen.

Ein fehlender Kompass

Hochsensible, die zu mir in die Arbeit kommen, berichten zunächst davon, dass sie kein ausgeprägtes Gefühl für ihre eigene Identität hätten. Sie spielen eher Rollen für Andere und damit ist nicht die Persona gemeint, zu deren Entwicklung Elaine Aron als schützenden Halt in potenziell übererregenden Situationen rät. Die Persona, schreibt Aron, erfordere “vorbildliche Manieren und ein vorhersehbares Verhalten, damit keine nervliche Übererregung provoziert wird” (Elaine Aron: “Sind Sie hochsensibel?”). Die Persona ist nach Aron auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Die Rollen dagegen erfüllen Erwartungen, die explizit oder implizit von der Umwelt an uns herangetragen werden. Was Hochsensiblen, die sich in solchen Rollen agierend erleben manchmal fehlt, ist etwas Grundlegenderes. Dieses Problem würde ich im Herzchakra ansiedeln und es trifft auch unsere Hochsensibilität ins Herz. Mit unserer sensiblen Auffassungsgabe und -bereitschaft sind wir so sehr bei den Anderen, dass wir, wenn wir nicht aufpassen, Gefahr laufen, unser eigenes Identitätsgefühl aus unserer Umgebung zu ziehen und nur noch fremden Erwartungen gerecht zu werden. Dieser Gefahr unterliegen wir vor allem in der Partnerschaft. Mitgebracht haben wir sie aber aus unserer Kindheit, als es uns sehr am Herzen lag, dass wir in Harmonie mit unserer Umgebung leben konnten. Im schlimmsten Fall fehlt uns sogar das Gespür für unsere eigene Richtung im Leben, dann nämlich, wenn wir, um unseren Eltern zu gefallen, deren Wünsche für unsere Berufswahl und unsere Lebensentscheidungen zu unseren gemacht haben.

Bedingungslose Liebesfähigkeit

Das Erste, was wir tun sollten, ist unsere bedingungslose Offenheit anzuerkennen, zu sehen, wie sie uns befähigt, die Schönheit und das Potenzial zu Frieden, Harmonie und echter Unterstützung zu erkennen und uns selbst dafür zu wertschätzen. Indem wir uns in Andere hineinversetzen können, sind wir zu wahrem Mitgefühl fähig und zu jener Liebe, die wir bedingungslos verteilen. Wir brauchen keine Bedingungen zu stellen, weil wir ja die Wünsche der Anderen erkennen und nichts Anderes für sie wünschen als sie für sich selbst. Nur aus unerlösten Schatten und aus Ängsten vor Verlust, Instabilität und Unberechenbarkeit heraus passiert es auch Hochsensiblen, dass sie Erwartungen, Forderungen und Bedingungen an einen anderen Menschen stellen und sich starrsinnig Veränderungen gegenüber widersetzen. Sobald die Verletzungen aber integriert und die Ängste beruhigt sind, wird ein Hochsensibler sich mit einem leuchtend liebevoll offenen Herzen zeigen und er wird wünschen, was der Andere sich wünscht und ihn darin bedingungslos unterstützen.

Wenn man den Mechanismus, der zunächst wie die Camouflage eines Chamäleons anmuten mag, erstmal verstanden hat wertzuschätzen, kann man ihn auf die nächst größere Dimension übertragen. So, wie die Wünsche des Anderen unsere eigenen für ihn sind oder – wie Sartre es ausgedrückt hatte – wie wahre Freiheit die ist, die die Freiheit des Anderen in die eigene mit einschließt, gelangt man auch zu einer spirituellen Haltung dem Leben gegenüber. Man fließt mit dem Strom und will nichts Anderes, als das, was ist. Das ist echte Akzeptanz, die auf dem Vertrauen basiert, dass man immer am richtigen Ort ist und die Umstände genau die richtigen für einen sind. Man will es so, wie es ist. Man lebt aus diesem offenen Herzen heraus, nimmt alles wahr und an, ohne es verändern zu wollen. Das heißt nicht, dass man sich durch den konditionierenden Einfluss von außen auf alle möglichen Wege und Abwege führen lässt, selbst wenn man selbst noch nicht mit aller Entschlossenheit weiß, wo man hin will. Das offene Herz hört zu, auch sich selbst und da hört es auf den Bauch, der einem sagt, was sich richtig und dienlich anfühlt und was auf einen falschen Pfad führt. Den falschen Pfad verlässt man oder nimmt eine Abzweigung, eine Kurve oder geht ein Stück zurück. Für Andere kann man so zum vorausschauenden Begleiter auf einem gemeinsamen Stück Weg werden. Aus dem offenen Herzen heraus nimmt man Diskrepanzen wahr und kann sie als weiterführende Fragen einbringen. “Ich hatte es so verstanden, dass… stimmt das?”, könnte so eine Frage sein. Und dann: “Wie passt das damit zusammen, dass du jetzt…?” Oder auch: “Was hat dazu geführt, dass du lieber…?” Auf die Art hilft jemand mit einem sensiblen, offenen Gesprächsstil Anderen, bewusste oder unbewusste Verstrickungen zu entwirren und wieder klar zu sehen, den eigenen Weg wieder zu erkennen. Es ist eine weibliche Energie, diese Empfänglichkeit, das fließende Yin in uns, und sie ist so sehr verbunden mit einem intelligenten Achtgeben auf Andere und auf sich selbst. Im Herzchakra wird die Blut-Thymus-Schranke produziert, jene Schranke im Blut, die Krankheitserreger abhält. Um sich selbst ebenfalls bestätigt und gestärkt und unterstützt zu fühlen, müssen wir darauf achten, uns mit Menschen zusammenzutun, die ihrerseits andere Menschen bestärken und ihnen helfen, ihr eigenes Potenzial zu sehen. Fernhalten sollten wir uns dagegen von Menschen, die uns die Kraft stehlen und uns auf lange Sicht krank machen. Energievampire, Ausbeuter und Griesgrame sind solche Vertreter oder Menschen, die Andere vor ihren Karren zu spannen versuchen, statt ihre Ideen selbst umzusetzen, die Andere klein halten und niedermachen. Unsere, wie Elaine Aron rät, gut entwickelte Persona in Form unseres inneren Erwachsenen hilft uns, uns vor dieser Gefahr zu schützen. Und unser Bauchgefühl hilft uns vorher dabei, diese Gefahren zu erkennen. Mit ihm, dem Bauchgefühl, sollten wir unser lauschendes Herz verbinden und befinden uns mit dieser Verbindung dann schon in unserem höheren Selbst, das mit dem nächsten Chakra beginnt.

Ausdrucksblockade

Ein Problem, das ich von Hochsensiblen manchmal vernehme, ist, dass sie nicht die richtigen Worte fänden, sich schriftlich oder mündlich gut auszudrücken, obwohl sie sich darum bemühten, ihre Anliegen schlüssig und verständlich zu formulieren. Das Ziel, das sie dann zu Beginn ihrer Arbeit mir gegenüber formulieren, lautet: verbale Befreiung. Wir befinden uns mit diesem Problem im Kehlkopfchakra. Das Hormon Thyroxin dient dem Energiestoffwechsel über den Atmungsapparat. Atmung und Stimme gehören auf jeden Fall zusammen und für meine Begriffe gehören auch Atmung und Schreiben zusammen. Zugleich ist aber zu beobachten, dass diese Leute, die von sich sagen, sie würden unter Schreib- oder Sprechhemmung leiden, sich in Anwesenheit von Leuten, die ihnen den Raum zum eigenen Ausdruck wahrhaft bieten, sehr gut und verständlich ausdrücken können. So erklärte mir eine Klientin einmal sehr klar und schlüssig, worin ihr Problem eines mangelnden Ausdrucksvermögens bestünde und dass sie hoffe, ich würde es jetzt schon selbst erkannt haben. Ich musste es verneinen, denn in dem von mir eröffneten interessierten Raum hatte sie sich interessant, schlüssig und logisch ausgedrückt, so dass ich alles verstehen konnte, nur nicht das Problem eines mangelnden Ausdrucksvermögens erleben. Fast überraschen solche Menschen sich selbst damit, zur regelrechten Quasselstrippe zu werden, wenn sie auf jemanden treffen, der so wie sie selbst, wahrhaft bereit ist zuzuhören. Was dieser spezielle Raum ihnen bietet, ist Sicherheit und das Gefühl des Angenommenseins. Ein wenig heikel wird dann nochmal der Punkt, dass der persönliche Ausdruck in solchen Momenten nicht unbedingt wirklich der persönliche Ausdruck sein muss, sondern eine angepasste Variante dessen, was die nunmehr zum Sprechen Ermutigten glauben, was der Andere hören will, um gewillt zu sein, den Raum weiter zu halten. Diese Information liefert ihnen ja wiederum ihre eigene Sensibilität.

Die richtige Gesellschaft

Es heißt, der richtige Zeitpunkt sei das A und O, um gut sprechen zu können. Das kann sein. In ihn fließt ein, dass man als sensibler Mensch in der Lage ist, sich auf sein Auditorium einzustellen. Wann sind die Menschen geneigt, wirklich zuzuhören? Wann kann eine Botschaft oder auch nur ein Scherz sie erreichen? Wie verändert sich die Energie abhängig von dem, was man gerade gesagt hat? Lohnt es sich, den Punkt auszuführen? Trägt die Energie des Publikums einen zum Weitersprechen? Unsere Sensibilität macht es notwendig, darauf zu achten, dass das, was wir sagen, nicht auf Desinteresse stößt oder wir gegen eine Mauer reden oder uns in eine Aufmerksamkeitskonkurrenz zu anderen Rednern begeben. Diese Achtsamkeit müssen wir uns selbst gegenüber aufbringen und müssen um unserer Würde und unseres Feingefühls willen konsequent aufhören zu sprechen und uns zurückziehen, wenn das Wohlwollen fehlt. Wir werden uns kein Gehör erzwingen und wir werden nicht gegen jemanden anreden oder gar anschreien. Das werden wir nicht tun. Man muss uns freiwillig zuhören wollen, weil man das Gefühl hat, wir könnten etwas Interessantes zu sagen haben. Unsere Leichtigkeit, mit der uns das Sprechen gelingt, hängt leider sehr stark von unserem Gegenüber ab und es ist egal, ob wir uns der Gruppe der Introvertierten, der Extrovertierten oder der Ambivertierten zurechnen würden. Als sensibler Mensch brauchen wir das Miteinander und wenn wir es haben, können wir auch sprechen. Oder schreiben. Oder schöpferisch tätig sein. Oder eine Geste der Freundlichkeit verteilen. Oder etwas Verrücktes tun. Spontan sein. Ein Vorhaben umsetzen. In ermutigender Gesellschaft gelingt es uns. Aber dann sollten wir uns auch nicht lange zieren und sollten dem konditionierten Gedanken der Unzulänglichkeit in diesem besonderen Raum keinen Raum mehr geben. Wir sind eingeladen zu sprechen, also sprechen wir. Ohne zu denken: “Es interessiert ja sicher niemanden.” Oder: “Was habe ich schon zu sagen?” Wurde der Raum geschaffen, existiert er auch, aber er geht ein und verschwindet wieder, wenn er nicht genutzt wird. Das ist das Fatale an solchen Räumen. Sie müssen dann auch bespielt werden, sonst werden sie woanders neu aufgespannt. Denn Leute, die für Andere so einen inspirierenden und inspirierten Raum aufspannen, sind ja am Zuhören und am Austausch interessiert. Es sind gewöhnlich selbst solche Menschen, die einen Dialog mit Vergnügen und Leichtigkeit führen können und es mögen, das zu tun. Ganz oft sind es Geschichtenerzähler oder Pioniere, die im inspirierten Austausch eine Möglichkeit zu Fortschritt und Wachstum sehen. Die tiefe Reflexionsfähigkeit hochsensibler Menschen sollte hier wirklich ihren persönlichen Beitrag leisten.

Zerstreutheit

Sehr sensible Menschen erzählen mir manchmal, dass sie mit der Meditation nicht zurechtkämen, weil sie sich einfach nicht konzentrieren könnten. Sie seien extrem leicht ablenkbar. Ihre Gedanken wanderten ständig von ihrem Fokus weg in alle Himmelsrichtungen. Dabei wüssten sie um die wohltuende Wirkung der Meditation und nichts würden sie lieber haben, als dass es ihnen gelänge, zu meditieren. Aber da seien Geräusche, Gerüche, Bewegungen, die sie aus den Augenwinkeln wahrnähmen. Es sei zum Verrücktwerden und hinterher fühlten sie sich noch nervöser als vorher, einfach, weil es ihnen nicht gelungen sei, das zu tun, was scheinbar die halbe Welt inzwischen täte. Wir befinden uns im Stirnchakra und bei dem Problem, dass ein sensibler und daher so offener Geist es schwer hat, sich zu fokussieren.

Das Gute ist, dass solche Menschen meistens nicht nur intelligent sind, sondern genial. Solche Menschen sind in der Lage aus den verwirrendsten Gedanken Anderer schlau zu werden und aus den kompliziertesten Texten die Quintessenz herauszulesen. Was sie nämlich wahrhaft können und was in ihrem Unvermögen gebunden vorliegt, ist das tiefe Zuhören. Um aus verwirrenden Gedanken schlau zu werden, hören und lesen sie den Subtext mit und erfassen den reinen Geist der Mitteilung. Und dann geben sie wieder, was sie verstanden haben und der Andere fühlt sich vielleicht sogar zum ersten Mal wirklich verstanden und sie ernten dieses “Wow, danke!” von ihrem Gegenüber, das beide so glücklich macht. Scheinbar können sie sich sehr wohl konzentrieren. Aber was ist hier los, dass die Meditation ihnen nicht gelingen will? Sind es nicht Hochsensible, die so oft berichten, dass sie einen Raum betreten und spüren, welche Stimmung in diesem Raum vorliegt? Sie nehmen Schwingungen und Energien auf, auch ohne, dass Menschen sich an sie wenden, also ohne, dass sie mit etwas Konkretem in Kontakt sind. Es ist nur der Raum. Und sie hören ihm intuitiv zu.

Ich frage mich manchmal, ob wir nicht einfach falsche Erwartungen an das haben, was in einer Meditation geschehen könnte. Wir ahnen, dass die Meditation uns mit einer höheren Ebene verbindet, unserem Überbewusstsein oder dem, was die Mystiker reines Sein nennen, einem viel größeren Raum also als die Räume, die wir physisch betreten. Wir sollten in diesen Zustand des reinen Seins eintreten und uns so mit ihm verbinden. Aber wenn wir schon im Eintreten in einen kleinen physischen Raum alles Mögliche aufnehmen, wie muss es dann erst sein, wenn wir in diesen riesigen Raum des reinen Seins eintreten? Manche ahnen, was passieren könnte und sie haben großen Respekt vor der Mächtigkeit an Energie und Weisheit, die sie ereilen könnte. Manche erwarten das Ereiltwerden auch zu sehr, warten und warten und es geschieht genau aus diesem Grund nichts. Dann driften ihre Gedanken wieder in alle Richtungen ab und manche dieser Gedanken beschäftigen sich mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit und dem Zweifel, ob es da überhaupt etwas zu erfahren gibt oder ob das mit dem 6. Sinn und der Medialität, dem kollektiven Gedächtnis und dem morphogenetischen Feld nicht alles großer Blödsinn ist.

Sich nur verfügbar machen

Ich glaube, das ist es nicht. Ich kann es natürlich nur glauben und nicht wissen und schon gar nicht beweisen. Ich kann nur annehmen, dass es stimmen könnte, dass das Hormon Vasopressin, das im Stirnchakra produziert wird und zur Steuerung des Wasserhaushalts dient auch mit der Förderung der Intuition zu tun hat. Wasser speichert Informationen und leitet sie. Zugleich kann ich nur berichten, dass mir die Meditation als reines Zuhören auch nicht gelingt. Mich erreicht nichts, wenn ich nur dasitze und eben warte. Mich aber erreicht, was ich brauche, wenn ich spazieren gehe und wenn ich schreibe, manchmal auch während der Bewegung einer Yogapraxis oder wenn ich begonnen habe, die Spülmaschine auszuräumen oder wenn ich einen Raum betrete. Ich meditiere trotzdem, aber anders. Ich glaube, die Lösung ist, dass wir damit experimentieren, für unsere Meditationspraxis unseren eigenen Stil zu finden. Ich meditiere am liebsten auf kurze Texte, auf Archetypen und auf die Potenziale der Chakren, wie ich sie verstehe. Dabei verbinde ich den Text mit meinem Atem und verinnerliche mir so seine Essenz oder aktiviere eine Ressource in mir. Das heißt, ich benutze die Meditation zur Autosuggestion und es ist dennoch unendlich entspannend und fokussierend. Ich muss also nicht schon fokussiert sein, bevor ich anfange zu meditieren, sondern der Prozess des Atmens und der Verankerung von etwas mit dem Atem fokussiert mich. Der Fokus auf einen Text ist leichter zu halten als auf einen Begriff oder auf das Nichts. Das muss auch keine halbe Stunde dauern, sondern es genügen drei Atemzüge als Entspannungseinleitung, sieben kleine Mantren oder sieben Gedanken an Gutes der letzten zwei Stunden oder die Vergegenwärtigung der sieben Instanzen in mir, plus drei Atemzüge, um wieder im Jetzt anzukommen. Ich bilde mir ein, ich mache mich dadurch verfügbar. Ich signalisiere damit, dass ich bereitstehe, um als Kanal zu fungieren, wenn ich es soll, wenn ich gebraucht werde und wenn es hilfreich und dienlich ist, dass ich für mich oder Andere auf das kollektive Bewusstsein zugreife, auch wenn ich nie weiß, wann genau ich das tue oder wann ich auf meine Erfahrung, meine Bildung oder meine Fantasie zugreife. Es ist auch überhaupt nicht wichtig. Es liegt in unserer Präsenz, dass wir auf Hilfreiches zugreifen und es weitergeben und so zum Kanal werden, weil die Liebe keine anderen Stimmen und Stifte in dieser Welt hat als die unseren. Aus dieser Haltung heraus begreife ich das Leben als geistiges Abenteuer und als Meditationsort schlechthin. Das Leben und nicht das Meditationskissen. Heißt es nicht, das Potenzial des offenen Verstandes sei grenzenlos? Wie können wir dann versuchen, es auf ein Sitzkissen zu bannen?

Die Gedanken Anderer als konditionierende Einflüsse

Mit dem Problem, das ich jetzt schildere, befinden wir uns für mein Empfinden zwar im Kronenchakra, aber hochsensible Menschen würden vermutlich sagen: “Das ist doch das Problem mit der Hochsensibilität schlechthin!” Wenn wir unter Menschen sind, erreichen uns alle möglichen Energien, Gedanken, Inspirationen, Emotionen, Bilder und wir nehmen alles auf, bis sich uns der Kopf dreht. Es besteht die Gefahr, dass wir von den Themen und Haltungen Anderer so beeinflusst werden, dass wir unsere eigene Meinung kaum noch zu kennen glauben und dass wir das, was von Anderen ausgeht womöglich zur Grundlage unseres Handelns machen. Auf die Art kommt es dazu, dass wir uns für eine Sache stark machen, die gar nicht die unsere ist. Ich höre immer wieder von Hochsensiblen, die sehr viel Zeit damit verbringen, sich über Probleme anderer Menschen den Kopf zu zerbrechen und zwar nicht, weil sie an einem Helfersyndrom leiden, sondern weil sie gar nicht mitbekommen haben, wann die fremden Gedanken sich in ihnen eingenistet haben. Sie glauben, es sei ihr eigenes Anliegen, dieses Problem zu lösen, bis sie hoffentlich irgendwann zur Besinnung kommen und sich fragen: “Was mache ich hier eigentlich? Wieso sollte das mein Problem sein?” Aber bis dahin standen sie unter dem konditionierenden Einfluss fremder Gedanken und Motivationen und Emotionen, die zuweilen sehr drängend sein können.

Entspannen

Eine Gegenmaßnahmen zur Lösung muss sein, sich nicht mehr in fremde Fragestellungen hineinziehen zu lassen. Bei sensiblen Menschen ist das Kronenchakra eine Empfangsstation für Inspirationen. Deshalb findet man Hochsensible so gerne in Kunstausstellungen und Galerien, bei Lesungen, in Kinos, im Theater, im Konzertsaal oder sich pudelwohlfühlend in der Anwesenheit künstlerisch veranlagter Menschen, falls sie nicht sogar selbst Künstler sind, was laut Elaine Aron extrem viele HSP sein sollen. Bücher dienen ihnen als Inspirationsquelle. Sie lesen und halten inne und reflektieren über das Gelesene und schon stellt sich eine eigene Idee ein, die über das Gelesene hinausgeht. Gespräche dienen ihnen ebenso als Inspirationsquelle und sie verfahren am liebsten genauso mit ihnen wie mit den Büchern. Inspiration zu finden ist für HSP so leicht wie Brötchen zu kaufen. Elaine Aron spricht davon, dass hierin sogar das ernsthafte Risiko besteht, dass Hochsensible sich überfordern: “Es gibt noch einen anderen Grund dafür, dass HSM ihrem Körper zu viel abverlangen. Dieser liegt in ihrer Intuition begründet, die einige von Ihnen ständig mit neuen kreativen Ideen versorgt. Und am liebsten möchten Sie diese alle gleichzeitig verwirklichen. Das können Sie gar nicht schaffen. Sie werden lernen müssen auszuwählen” (Elaine Aron: “Sind Sie hochsensibel?”). Bis wir das allerdings gelernt haben, wenn überhaupt, landen manche von uns auch in einer Nervenkrise.

Hier ist es unbedingt notwendig, gelassene Weisheit oder weise Gelassenheit zu entwickeln. Im Kronenchakra wird das eingangs schon erwähnte Serotonin produziert, das zur Regulierung des Innendrucks auf Darm, Zentralnervensystem und Herz-Kreislauf-System gebraucht wird. Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit als Konsequenz eines optimalen Drucks fördert die Fähigkeit, sich trotz Inspirationsdrucks zu entspannen. Aus einer Diskussion unter Hochsensiblen habe ich entnommen, dass für uns die Regel offenbar nicht gilt, dass eine nicht aufgegriffene Idee im Nirwana verschwindet. Sie bleibt bestehen und klopft später wieder an. Wir müssen also nicht gleich anspringen – auch wenn ich es selbst heute noch tue und es also an dieser Stelle gar nicht als persönlichen Rat an irgendjemanden darstellen dürfte. Aber wir können uns kleine entspannende Helfer zulegen wie Notizbücher oder ein Diktiergerät, um Ideen einfach erst mal abzulegen und den Druck abzubauen. So schützen wir uns auch davor, uns auf reine Strohfeuer einzulassen, die nur unsere Energie verschwenden würden. Denn im Licht von ein paar vergangenen Tagen betrachtet, muss die notierte Idee uns immer noch entflammen können, damit wir die Energie für ihre Umsetzung aufbringen sollten.

Was also soll stattdessen sein?

1

Unser Grundzustand ist der von Entspannung und Gelassenheit. Wir sind aus uns selbst heraus in der Lage, glücklich und zufrieden zu sein und uns optimal angeregt zu fühlen. Dazu müssen wir unser Leben so gut es geht so einrichten, dass wir uns in unserem eigenen Rhythmus durch den Tag bewegen können. Es kommt darauf an, dass wir lernen, die Intensität des Erlebens zu regulieren. Dazu ist es dienlich, uns eine Technik zu erschließen, mit der wir zentriert bleiben oder mit der wir verlorene Balance wieder herstellen können. Das Ziel muss es sein, unseren eigenen Prinzipien treu zu bleiben. Ein regelmäßiger Aufenthalt in der Natur könnte uns grundstärken und erden.

2

Um unsere Kraftreserven intelligent einzusetzen, lohnt es sich, nicht alles selbst erledigen zu wollen, sondern Hilfe einzuholen oder anzunehmen. Für emotionale Gelassenheit angesichts fremder Emotionen kann das Mentalisieren sorgen. Dazu variieren wir unsere Spiegelfähigkeit. Statt die Emotionen zu absorbieren, kommunizieren wir unser Gewahrsein, zumindest da, wo es geht. Wo es nicht geht, reflektieren wir in einer kurzen Notiz an uns selbst über das, was wir wahrgenommen haben und geben die Energie so wieder nach außen ab. Die Integration von Schatten ist die beste Grundlage, um die emotionale Ebene so zu beruhigen, dass sich fremde Emotionen nur noch schwer festhaken können.

3

Wir sollten uns angewöhnen, aus dem wirtschaftlichen Vergleich mit Anderen auszusteigen und unsere eigenen Maßstäbe für ein erfolgreiches Leben zu definieren. Aussteigen aus dem Konkurrenzkampf, um nur noch an einem gesunden Wettbewerb teilzunehmen.

4

Unsere bedingungslose Offenheit ist etwas, das wir wertschätzen sollten und in dem wir unser Potenzial, zum Frieden beizutragen erkennen sollten. Wiederum ist die Beruhigung unserer Ängste der Schlüssel, um dieses Potenzial ganz erschließen zu können, um lieben zu können und Liebe annehmen zu können und wahre Akzeptanz dem Leben gegenüber zu erreichen. Wir müssen auf die Gesellschaft achten, mit der wir uns dauerhaft umgeben. Menschen, die uns stärken und ermutigen erweisen uns einen besseren Dienst als Schwarzseher, Griesgrame und Energievampire. Gerade hier brauchen wir unseren inneren Erwachsenen, der dem inneren Kind gut zuhört.

5

Um uns öffnen zu können, über uns zu sprechen und unsere Gedanken mitteilen zu können, müssen wir sowohl auf den richtigen Rahmen als auch auf den richtigen Zeitpunkt achten. Wir dürfen darauf achten, wie unser Auditorium geneigt ist und wir dürfen mangelndes Interesse oder mangelnde Achtsamkeit sanktionieren. In so einem Rahmen dürfen wir uns zurückziehen und schweigen. Den einladenden Raum voller Miteinander allerdings sollten wir nutzen und ihn mit unserem Mut und unserem persönlichen Beitrag füllen, um den Dialog und auch den Fortschritt gelingen zu lassen.

6

Die Meditation von allen Erwartungen und von allem Druck zu entlasten liefert sie uns als Instrument an die Hand, uns verfügbar zu machen. Je entspannter wir sind, desto fließender und desto präsenter sind wir, desto mehr Bedeutung erschließt sich uns aus unseren Detailbeobachtungen in Verbindung mit unserem Einfühlungsvermögen und unserer tiefen Reflexionsfähigkeit. In der Bedeutungsfindung greifen wir, je gelassener wir uns fühlen, je fließender, je präsenter, auf das morphogenetische Feld oder das kollektive Gedächtnis oder unseren 6. Sinn zu, ganz ohne es zu wissen und mit der Konsequenz einer Erfahrung, aus der Heraus wir es nicht mehr für Blödsinn halten.

7

Das Kronenchakra sollte nur noch unsere Empfangsstation für Inspirationen sein und als solche sollten wir lernen, ihr zu vertrauen. Wir dürfen entspannen. Inspiration wird für uns nie versiegen, solange wir entspannt bleiben und geistig offen. Notizbücher dienen uns als kleine entspannende Helfer, nur um sicherzugehen, dass keine Idee verloren geht.

Posted on 20. Oktober 2017 in Hochsensibilität im Alltag

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